Acetrax-App ausprobiert

09. Dezember 2010 14:28; Akt: 09.12.2010 16:44 Print

Keine Kiste unterm Kasten

von Henning Steier - Immer mehr Set-Top-Boxen kommen auf den Markt. Doch wer vom Sofa aus Filme und Serien kaufen oder leihen möchte, kommt auch ohne eine solche aus.

Bildstrecke im Grossformat »

Zum Thema
Fehler gesehen?

Spielekonsole, Festplattenrecorder, Satellitenreceiver, Blu-ray-Player - der Platz unter vielen Fernsehern ist knapp. Wer Filme und Serien vom Sofa aus mieten oder kaufen möchte, braucht ein Gerät wie Apple TV, SwissTV oder MovieBox, wenn er ein älteres TV-Gerät hat. Seit September gibt es DIVA TV für die Philips-NetTV-Oberfläche, die auf internetfähigen Geräten des niederländischen Herstellers läuft.

«Lösungen wie diese, also solche ohne Set-Top-Box sind für Besitzer neuerer Geräte Pflicht», gibt sich Uwe Placzek, im Gespräch mit 20 Minuten Online in der Zürcher Samsung-Dependance überzeugt. Wer mit seinem Gerät aus Altersgründen offline bleiben muss, dem empfiehlt der Chef des Schweizer Unternehmens Acetrax einen webfähigen Blu-ray-Player. Die Firma bietet bereits für Panasonic- und LG-Fernseher Video-on-Demand-Lösungen ohne Box. Nun ist auch Samsung im Boot.

Allerdings hatte der LED-Fernseher Samsung C7700 im Kurz-Test von 20 Minuten Online noch mit Kinderkranktheiten zu kämpfen. Die Acetrax-App liess sich erst nach einem Firmware-Update des Geräts starten. «Bei anderen Herstellern werden diese automatisch eingespielt», erläutert Placzek, der sogleich schmunzelnd nach der ausgedruckten Medienmitteilung des Testers greift. Denn in dieser ist zu lesen, dass das Ausleihen einer Serienepisode für 48 Stunden 24,95 Franken kosten soll - ein stolzer Preis, denn eine Staffel soll mit 40 Franken zu Buche schlagen. Tatsächlich werden für das Leihen einer Episode 1,95 Franken fällig, eine Staffel kostet zwischen 24,95 und 40.

Für niedrige Bandbreiten optimiert

Die Technologie lässt keine Fragen offen. Das Kaufen und Ausleihen ist ohne Lesen einer Bedienungsanleitung möglich. Die Filme haben eine Auflösung von 576p, die in Ordnung geht. «Wir haben das Streaming für 2-Mbit-Leitungen optimiert», begründet der Acetrax-CEO die Entscheidung gegen hochauflösende Inhalte. In der Schweiz wären HD-Filme kein Problem, aber das Unternehmen ist unter anderem auch in Grossbritannien, Frankreich, Deutschland und Italien aktiv, wo man bisweilen mit Bandbreitenproblemen zu kämpfen hat.

Ende Oktober war bekannt geworden, dass der US-Streaminganbieter Netflix mittlerweile für 20 Prozent des Internetverkehrs verantwortlich ist. Wahrscheinlich werde es auch hierzulande irgendwann eine Debatte um Netzneutralität geben, sagte Placzek, damit werde man sich aber zu gegebener Zeit auseinander setzen. Unter diesem Schlagwort versteht man, dass alle Datenpakete im Netz gleichbehandelt werden. Dabei ist es egal, woher sie kommen oder von welcher Anwendung sie stammen. Grosse Anbieter könnten Provider dafür bezahlen, dass ihre Nutzer mehr Bandbreite auf ihren Seiten erhalten. Problematisch wäre dies beispielsweise für Betreiber kleiner, aber wichtiger Blogs, die sich das nicht leisten können.

Kein Kopierschutz ist unknackbar

Praktisch bei der Acetrax-Lösung: Filme und Serien können auf bis zu vier verschiedenen Geräten, darunter auch PCs, angeschaut werden «Dies wird vom Digital Right Management (DRM) gesteuert und überwacht», erläuterte Placzek. «Sie könnten als einem Freund Ihre Account-Daten geben und er kann sich den Film auf seinem PC ansehen. Allerdings haben Sie dann bloss noch drei Lizenzen für sich selbst übrig».

Man kann den Film auch über den Browser eines Computers herunterladen und auf einen USB-Stick speichern, aber wiederum managt das DRM, dass die Abspiel-Lizenz für dieses heruntergeladene Werk jeweils für das Gerät ausgestellt wird, auf dem die Datei zum ersten Mal abgespielt wird – sie kann also nicht beliebig herumgereicht werden. «Uns ist auch klar, dass jeder Kopierschutz irgendwann geknackt werden kann. Wir arbeiten mit Microsoft zusammen und müssen uns daher nicht um entsprechende Updates kümmern», sagte der Acetrax-Chef.

Fazit

Wer eine Box kauft, die nicht von einem Provider stammt, zahlt dafür mindestens 130 Franken. Über SwissTV und MovieBox kann man im Gegensatz zur Konkurrenz keine Filme kaufen. Für das Mieten von Neuerscheinungen mit erstgenannter Box werden 5,90 Franken fällig, für ältere Titel 3,40 Franken. Apple verlangt folgende Preise: Die Miete für einen neu erschienenen Film liegt bei 7,50 Franken (HD-Qualität) beziehungsweise sechs Franken (SD-Qualität). Katalog-Filme schlagen mit 4,50 Franken beziehungsweise 3,50 Franken zu Buche. Alternativ können Filme auch gekauft werden. Hierfür liegen die Preise für New Releases bei 25 Franken (HD-Qualität) beziehungsweise 20 Franken (SD-Qualität). Filme der Kategorie Recent Release kosten 17 Franken beziehungsweise 14 Franken. Bei Acetrax kosten die meisten Kauf-Filme 19,95 Franken, für das Leihen werden 3,95 bis 6,95 fällig. Bleibt noch die Zahl der Filme und Serien: Bei Acetrax und Apple sollen es insgesamt 2000 sein, dies soll auch in den nächsten Monaten bei Swiss TV der Fall sein. Philips will bis Ende des Jahres rund 1000 Titel bieten - Mietpreis: 3,49 Franken. Für die MovieBox des Westschweizer Anbieters Homedia kosten Serienfolgen 1,90 und Filme 6,90 Franken. Die monatliche Grundgebühr liegt bei 9,90 oder 24 Franken. In der zweiten Variante sind vier Filme enthalten. Pornographische Streifen gibt es übrigens in keinem der Film-Shops. Die Angebote der Provider lassen wir hier aussen vor, weil man für sie einen Anschluss des Anbieters braucht, die Boxen subventioniert und Video-on-Demand-Lösungen als Abonnement verkauft werden.

Nutzer müssen sich also überlegen, ob sie Filme und/oder Serien schauen möchten, sie dabei Blockbuster und unbekannte Werke interessieren, sich das Bezahlen einer Grundgebühr lohnt, Filme auch heruntergeladen werden sollen und wie viel Platz sie noch unter ihrem Fernseher haben.