Zwei kaufen, eines spenden

17. November 2008 10:39; Akt: 28.11.2008 12:11 Print

Günstigstes Notebook der Welt im Test

von Henning Steier - Schon bald soll der 100-Dollar-Laptop in die Schweiz kommen. Ist der Rechner ein Ersatz für den Eee-PC? 20 Minuten Online hat den XO-1 ausprobiert.

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Im Dezember 2007 wurden die ersten Notebooks des Projekts One Laptop per Child (OLPC) in den USA ausgeliefert. Wer einen Rechner bestellte, bekam im Rahmen der Aktion Give 1 Get 1 zwei. Einer wurde direkt in ein Entwicklungsland verschickt. Anfang September kündigte OLPC an, die Aktion in diesem Jahr zu wiederholen. Als Partner habe man wieder Amazon gewinnen können.

Wie der gut informierte Blog OLPC News berichtet, wird das Notebook schon bald in der Europäischen Union sowie in der Schweiz, in Russland und in der Türkei erhältlich sein. Es kommt mit einer englischen Tastatur und dem Betriebssystem Linux. Ein Preis wurde bislang nicht bekannt. 2007 bekam man zwei Rechner für 399 US-Dollar. 20 Minuten Online hat von der Schweizer OLPC-Dependance vorab ein Exemplar zur Verfügung gestellt bekommen.

Nichts für Schnellstarter

Der XO-1, so der offizielle Name des Laptops für Entwicklungsländer, ist nichts für unüberlegte Schnellstarter. Denn wer das Display aufklappen möchte, muss zunächst die beiden WLAN-Antennen ausklappen - eine Erkenntnis, für die wir 20 Sekunden brauchten. Fast doppelt so lange benötigt das Notebook zum Starten. Damit ist man weit von den ursprünglich angepeilten 30 Sekunden entfernt.

Auch in der Sonne nutzbar

Der 7,5-Zoll-Bildschirm überzeugte uns mit einer Auflösung von 800 x 600 Pixeln, die im Schwarz-Weiss-Modus auf 1200 x 900 steigt. Praktisch: Bei letztgenannten wird die Hintergrundbeleuchtung abgeschaltet. Dadurch bleiben, wenn man den Rechner im hellen Sonnenlicht nutzt, störende Reflexionen weitgehend aus.

Gut gefallen hat uns, dass man den 100-Dollar-Laptop wie einen Tablet-PC verwenden kann: Das Display lässt sich in alle Richtungen drehen: Im so genannten eBook-Modus kann man scrollen und beispielsweise Webseiten mit dem Steuerkreuz verschieben. Die nächste Version des Rechners soll 2010 mit einem Touchscreen kommen und dann soll man wie beim iPhone Seiten mit den Fingern ein- und auszoomen können.

Hallo, Nachbarn

Als Betriebssystem kommt ein modifiziertes Fedora-Linux zum Einsatz. Dank der leicht zu verstehenden Benutzeroberfläche namens Sugar sollten Kinder damit keine Probleme haben. So werden zum Beispiel, wenn sich andere Geräte in der Nähe befinden, kleine Figuren auf dem Bildschirm angezeigt. Klickt man diese an, lässt sich in wenigen Schritten eine Netzwerkverbindung zum Nachbarrechner herstellen. Dies muss man über WLAN tun, denn einen Ethernet-Anschluss bringt das Mini-Notebook nicht mit. Wer eine Kabelverbindung vorzieht, müsste daher einen Adapter kaufen, mit dem sich einer der drei USB-Anschlüsse nutzen lässt.

Das Keyboard bietet kleine, butterweiche Tasten, die manchen Tippfehler provozieren, wenn man sie nicht genau trifft. Positiv: Der gesamte Rechner ist spritzwassergeschützt und macht einen äussert robusten Eindruck - vor allem im zusammengeklappten Zustand.

Abstriche muss man bei der Performance machen. So brauchten die Textverarbeitung und der Webbrowser jeweils knapp 25 Sekunden, bis sie startklar waren.

Fazit

Der XO-1 ist definitiv kein Eee-PC-Konkurrent, reicht für Kinder aber vollkommen aus. Er eignet sich als Surfstation und für einfache Programme. Aufgrund seiner Verarbeitung sollte er auch Rempler und zumindest Stürze aus sehr geringer Höhe schadlos überstehen. Das mitgelieferte Gratis-Betriebssystem lässt sich intuitiv bedienen. Sieht man den Rechner als Arbeitsgerät, stört einen der Speicherplatz wohl nicht. Allen, die zum Beispiel auch Musik mit ihm hören möchten, sind die verfügbaren rund 850 Megabyte Speicher wohl zu wenig.