Petition für Alan Turing

01. September 2009 14:46; Akt: 01.09.2009 15:13 Print

Regierung soll Computergenie rehabilitieren

von Peter Blunschi - Mehr als 50 Jahre nach seinem Selbstmord soll der britische Computerpionier Alan Turing rehabilitiert werden. Er hatte den deutschen Enigma-Code geknackt und war nach dem Krieg als Homosexueller verfolgt worden.

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Der Programmierer John Graham-Cumming hat eine Petition lanciert, mit der er von der britischen Regierung eine offizielle Entschuldigung verlangt für die Behandlung von Alan Turing. Der brillante Mathematiker war 1952 wegen «grober Unzucht und sexueller Perversion» verurteilt worden – er hatte eine Beziehung zu einem 19-Jährigen, und Homosexualität war damals in Grossbritannien noch strafbar.

Turing entschied sich für eine «chemische Kastration» anstelle einer Gefängnisstrafe. Die Behandlung und sein zerstörter Ruf führten zu Depressionen. 1954 ass der 41-Jährige einen mit Zyankali vergifteten Apfel. «Die Verleumdungen und Erniedrigungen trieben ihn in den Selbstmord», sagte der Schwulenrechtler Peter Tatchell der BBC. Eine Entschuldigung und posthume Begnadigung seien «längst überfällig».

Zu den prominenten Unterzeichnern der Petition gehören der Schriftsteller Ian McEwan und der Evolutionsbiologe Richard Dawkins. John Graham-Cumming hat ausserdem einen Brief an die Königin geschrieben mit der Aufforderung, Alan Turing posthum die Ritterwürde zu verleihen. In seiner Petition bezeichnet er ihn als «grössten Computerwissenschaftler, der jemals in Grossbritannien geboren wurde».

Mitglied von Bletchley Park

Unbestritten ist, dass Turing zu den Pionieren des Computerzeitalters gehört. Im Zweiten Weltkrieg war er Mitglied des legendären Teams von Bletchley Park, das den Code der deutschen Chiffriermaschine Enigma zu entschlüsseln versuchte. Dies gelang dank der von ihm mitentwickelten Turing-Bombe, einer Art frühem Computer. Nun konnten die Briten den Funkverkehr der deutschen U-Boot-Flotte abhören.

Nach dem Krieg war Alan Turing am Bau von Manchester Mark 1 beteiligt, einem der ersten modernen Computer. Ausserdem entwickelte er den Turing-Test zur Messung von künstlicher Intelligenz, den bis heute keine Maschine bestanden hat. Seine Leistungen als Codeknacker blieben der Öffentlichkeit verborgen – die Arbeiten von Bletchley Park – heute ein Museum – blieben noch jahrzehntelang unter Verschluss.

«Als britisches Genie übersehen»

In den letzten Jahren gab es einige posthume Ehrungen für Alan Turing, unter anderem wurden in Manchester und Bletchley Park Statuen errichtet. Ausserdem wird jährlich der Turing-Preis verliehen, der als eine Art Nobelpreis der Computerwelt gilt. Die Petition von John Graham-Cumming soll einen weiteren Beitrag leisten. «Ich hatte den Eindruck, dass er als britisches Genie übersehen wird», sagte der Programmierer der BBC.

Zwar räumte er ein, dass eine offizielle Entschuldigung «unwahrscheinlich» sei, weil es keine noch lebenden Familienmitglieder von Alan Turing gebe. Doch das eigentliche Ziel der Petition sei symbolisch: «Entscheidend ist, dass die Menschen erfahren, welch unglaublichen Einfluss Alan Turing auf die moderne Welt hatte, und wie schrecklich er durch Vorurteile getroffen wurde.»