XMT-2

22. Februar 2011 16:34; Akt: 22.02.2011 20:15 Print

Neue «Höllenmaschine» fürs Tessin

Das nationale Hochleistungsrechenzentrum erhält dieses Jahr einen einzigartigen Supercomputer. Er wird «Matterhorn» heissen und kann gewaltige Datenmengen auswerten.

storybild

Das von der Firma Cray zur Verfügung gestellte Archivbild zeigt einen XMT der ersten Generation. Im Tessin soll schon bald das erste Gerät der neuen Generation laufen. (Fotomontage: 20 Minuten Online)

Fehler gesehen?
Fehler beheben!
Senden

Dem Geschäftsführer des Schweizerischen Hochleistungsrechenzentrums CSCS in Manno bei Lugano ist die Vorfreude anzumerken. «Wir probieren wieder etwas Neues aus», sagt Dominik Ulmer gegenüber 20 Minuten Online und schmunzelt. Das Centro Svizzero di Calcolo Scientifico (CSCS) hat soeben den allerersten XMT-2 gekauft. Tatsächlich handelt es sich beim neuen Supercomputer, den sein Institut im zweiten Quartal 2011 erhalten soll, um eine Weltneueinheit. Die auf Supercomputer spezialisierte US-Firma Cray wird ihre Spezialisten von Seattle ins Tessiner Industriegebiet entsenden. Am Freitag fand ein erster Workshop statt.

Bei der neuen Anschaffung geht es für einmal nicht um möglichst viele Flops beziehungsweise Teraflops – der Masseinheit für Rechnungsleistung, die in Gleitkommaoperationen pro Sekunde angegeben wird. Der XMT-2 muss denn auch nicht mit riesigen Apparaturen gekühlt werden und der Stromverbrauch hält sich in erträglichen Grenzen. Dafür könne der neue Supercomputer «unglaubliche Datenmengen» auswerten, schwärmt der CSCS-Geschäftsführer. Als bekanntes Anwendungsgebiet nennt er die Klimaforschung - so umfasst etwa der Weltklimabericht der UN-Organisation IPPC mehrere Petabyte Daten.

Vom Bund finanziert

Denkbar seien aber auch neue Anwendungsbebiete, etwa komplexe statistische Berechnungen in der Ökonomie oder der Sprachforschung. Dies wird dank einer neuartigen Prozessortechnologie möglich, kombiniert mit zwei Terabyte Arbeitsspeicher. Bis zu 8000 Abfragen (Threads) können gleichzeitig ausgeführt werden, um blitzschnell nach Mustern in den Datenbeständen zu suchen.

Das CSCS wird als nationales Rechenzentrum vom Bund finanziert und untersteht der ETH Zürich. Die Ressourcen können von Wissenschaftlern und Hochschulen in der ganzen Schweiz genutzt werden. Der neue XMT ist Teil eines grösseren Datenanalyseprojekts mit einem Investitionsvolumen von insgesamt drei Millionen Franken. Der neue Supercomputer, der in einem Rechnerschrank Platz findet, soll institutsintern auf den Namen «Matterhorn» getauft werden, sagt Ulmer. Den genauen Preis will er nicht verraten. Ebenfalls auf einen Schweizer Berg getauft ist der bisherige Stolz des CSCS: Der «Monte Rosa», alias Cray XT5, gilt mit 211 Teraflops als bislang schnellster Computer der Schweiz.

(dsc)