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26. Januar 2010 16:23; Akt: 31.03.2010 15:40 Print

Abzocker nahmen Apple-Fans ins Visier

von Henning Steier - Vielleicht wird der IT-Konzern aus Cupertino morgen den lang erwarteten Tablet-PC vorstellen. Webnutzer staunten nicht schlecht, als sie schon heute ein Gewinnspiel fanden, in dem alle technischen Details des Rechners genannt wurden.

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iSlate: So wurden Apple-Nutzer animiert, ihre Daten preiszugeben.

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Wie 20 Minuten Online berichtete, wird Apple-Boss Steve Jobs morgen in San Francisco wahrscheinlich einen Tablet-PC vorstellen. Über diesen gibt es zwar viele Gerüchte, Blogger haben zahlreiche Entwürfe gestaltet und ein echt aussehender Werbespot machte heute die Runde. Doch das Einzige, was die Web-Welt weiss, ist, dass sie nichts weiss.

Umso erstaunter warten Surfer als sie im Netz auf eine Webseite stiessen, auf der sie - wie oben zu sehen ist - einen iSlate gewinnen können, wie es heisst. Auch technische Daten wie diese waren zu finden: 120-Gigabyte-Festplatte, 10-Zoll-Touchscreen, 3D-Grafik, ein Gewicht von unter 700 Gramm sowie ein Preis von umgerechnet 2200 Franken. Allerdings ist bisher noch nicht einmal der Name des Apple-Rechners offiziell bekannt geworden. Er wird auch als iPad oder iTablet gehandelt. Auf der Website mussten Nutzer ihre Daten eingeben, um an der Verlosung teilnehmen zu können. Mittlerweile findet man hinter dem Link ein iPhone-Gewinnspiel. Geworben wurde für das Gewinnspiel unter anderem auf der Webseite des E-Mail-Anbieters GMX. Das Unternehmen hat die entsprechende Anzeigen mittlerweile entfernt. In einer Mitteilung von GMX hiess es, Werbekunden seien für die Inhalte ihrer Werbemittel selbst verantwortlich.

Hinter der Webseite, welche Surfer mit falschen Versprechungen dazu animieren wollte, ihre Daten preiszugeben, steckt die adRom Holding AG mit Sitz in Liechtenstein. 20 Minuten Online hat vergeblich versucht, vom Unternehmen eine Stellungnahme zu erhalten. Es ist schon öfter mit dubiosen Aktionen wie dieser aufgefallen. Auf war auch zu lesen: «Mit freundlicher Unterstützung folgender Sponsoren: Tchibo, imagazineag, heine.» Die drei Unternehmen gaben sich gegenüber 20 Minuten Online ahnungslos. Einer der Chefs, der darum bat, anonym bleiben zu dürfen, sagte, man habe ein Apple-Gewinnspiel gebucht. Er werde adRom nun kontaktieren und um Aufklärung bitten. «Generell sind wir sehr zufrieden, weil die Firma uns günstige Adressen liefert. Nutzer müssen schliesslich explizit zustimmen, dass ihre Daten weiter gegeben werden», sagte er weiter. «Wir distanzieren uns von Gewinnspielen dieser Art und werden die Angelegenheit genau prüfen», sagte eine Tchibo-Sprecherin zu 20 Minuten Online.

Vermeintliche Details auf Twitter

Auf den ersten Blick mehr zu wissen schien auch ein Mitarbeiter des Elektronikhändlers Media Markt. Denn in in einem Tweet wurden Details zum Mac-Tablet ausgeplaudert. Der Twitter-Beitrag wurde zwar mittlerweile gelöscht, findet sich aber noch auf zahlreichen Webseiten. Laut dem Tweet auf der mit offiziellen Firmenlogos versehenden Seite soll der Rechner iPad heissen und ab 1. März für 899 Euro (das entspricht etwa 1300 Franken) verkauft werden. Mit einem Vertrag (Complete L) des deutschen Providers T-Mobile soll der Tablet-PC 499 Euro (735 Franken) kosten.

Gegenüber 20 Minuten Online lehnte eine Sprecherin der Media-Saturn- Holding jede Verantwortung für den Tweet ab. «Wir haben mit dem Account nichts zu tun, auch wenn er täuschend echt aussieht.» Man habe Twitter kontaktiert, um zu erfahren, wer sich dahinter verbirgt. Allerdings kann sich auf Twitter jeder User mit falschen Daten anmelden. Daher könnte es schwierig werden, dem Nutzer auf die Schliche zu kommen. Die Sprecherin schloss aus, dass es sich dabei doch um Guerilla-Marketing von Media Markt handelt. Nach ihren Angaben gibt es auf Twitter keinen offiziellen Media-Markt-Account, einzelne Märkte würden den Microblogging-Dienst aber nutzen. «Die Aktion könnte uns eher schaden als nutzen», sagte die Sprecherin, «denn wenn Kunden das Gefühl haben, wir hätten Erwartungen geweckt, die wir nicht erfüllen können, könnten wir die Leute verärgern.» Twitter hat sich bislang nicht geäussert.

Morgen Abend wird die Welt mehr über Apples neuestes Produkt, das unter dem Motto «Come See Our Latest Creation» in San Francisco präsentiert wird, wissen. 20 Minuten Online wird ab 19:00 Uhr live berichten.