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30. November 2010 13:54; Akt: 30.11.2010 18:12 Print

Der Kampf der Milliardäre ist lanciert

von Manuel Bühlmann - Multimilliardär Richard Branson hat mit «Project» sein iPad-only-Magazin lanciert. Medienmogul Rupert Murdoch will nächste Woche nachziehen.

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20 Minuten Online hat einen ersten Blick auf das mit Spannung erwartete iPad-Magazin von Virgin-Chef Richard Branson geworfen. Das Fazit fällt durchzogen aus. Der Download der ersten Ausgabe dauerte eine gefühlte Ewigkeit, von «Instant Satisfaction» keine Spur. Eine kostenlose Probeausgabe von «Project» gibt es nicht, von Anfang an werden pro Ausgabe 3.30 Franken fällig. Einmal installiert und gestartet, bleibt der Wow-Effekt aus. Die iPad-only-App bietet nichts, was man nicht schon von herkömmlichen iPad-Magazinen kennt.

Auf die Einbindung von Facebook und Twitter wurde verzichtet, Artikel lassen sich ausschliesslich per E-Mail weiterleiten. Der Empfänger erhält einen Screenshot, der jeweils um die 500 KB gross ist. Eine Beschränkung scheint es nicht zu geben. Im Test konnten beliebig viele Artikel kostenlos an Bekannte verschickt werden. Einziger Wermutstropfen: Die Text-Ränder werden abgeschnitten.

Die Navigation geht – wie man es bei iPad-Apps gewohnt ist – sehr intuitiv vonstatten. Die einzelnen Artikel können direkt über das Inhaltsverzeichnis oder den Storyflow aufgerufen werden. Alternativ kann sich der User durch horizontales Wischen über den Bildschirm auch durch das digitale Magazin hindurchblättern. Um eine Artikel in seiner ganzen Länge zu lesen, hat die Wischbewegung einfach in der Vertikalen zu erfolgen.

Über ein am rechten Rand angebrachtes Fadenkreuz werden die User zur Kommentarfunktion umgeleitet, wo sie ihre Meinung zu einzelnen Themen platzieren können. Bei jedem Beitrag werden weiterführende Links angezeigt, der Browser öffnet sich direkt in der App.

Perfekte Plattform für Werbe-Anzeigen

Gut gefallen haben uns die Werbeanzeigen, die wie TV-Spots daherkommen. Im Gegensatz zur herkömmlichen Flimmerkiste bieten sie auf dem iPad einen gewissen Grad an Interaktion. So kann sich der User auf Wunsch zusätzliche Infos zu Produkten anzeigen lassen. Unschön war, dass im Test die eingeblendeten Werbemittel teilweise zu Blockaden führten und die App in der Folge neu gestartet werden musste.

Mit Project ist Richard Branson Medien-Unternehmer Ruppert Murdoch zuvorgekommen. Der «Guardian» machte am 21. November in seiner Online-Ausgabe publik, dass Murdoch am 9. Dezember eine iPad-Zeitung mit dem Titel «Daily» präsentieren will. Dafür werden von den Lesern wöchentlich gerade einmal 99 US-Cents verlangt – deutlich weniger als für eine gedruckte Tageszeitung. Um die Inhalte soll sich ein Team vom rund 100 Journalisten aus dem Dunstkreis der britischen Boulevardzeitung «The Sun» und der «New York Post» kümmern.

Unter Beobachtung

Verlagshäuser rund um den Globus leiden innerhalb ihrer Print-Titel unter sinkenden Absatzzahlen. Paid-Content-Pläne gibt es zwar viele, wirtschaftlich tragfähige Modelle sind aber bisher noch Mangelware. Die Verleger dürften deshalb mit grossem Interesse Murdochs und Bransons erste Gehversuche mit ihren iPad-Magazinen verfolgen. Wird die Entwicklung als positiv gewertet, dürften in Kürze ähnliche Angebote wie Pilze aus dem Boden schiessen.