Übernahme

29. April 2010 08:49; Akt: 29.04.2010 08:56 Print

Hewlett-Packard schluckt Palm

Der amerikanische Smartphone-Pionier Palm gehört künftig zum Hewlett-Packard-Konzern. Der Kaufpreis beträgt etwa 1,4 Milliarden Dollar.

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HP versucht mit der Übernahme von Palm Fuss im Smartphone-Business zu fassen.

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Palm hat im vergangenen Jahr vergeblich versucht, mit dem Palm Pre die wirtschaftliche Wende zu schaffen. Dieses technisch anspruchsvolle Smartphone konnte sich nur mit Mühen gegen die massive Konkurrenz des iPhones, des Blackberrys und der Handys mit dem Google-Betriebssystem Android behaupten.

Der für das Consumer-Geschäft zuständige HP-Manager Todd Bradley kündigte am Mittwoch an, der neue Besitzer werde massiv in die Palm-Technik investieren. Hewlett-Packard sei auch daran interessiert, die Palm-Technik mit dem Betriebssystem WebOS für andere mobile Geräte wie einen Tablet-Computer zu nutzen. Damit könnte HP den iPad-Hersteller Apple herausfordern. Wenn die Transaktion voraussichtlich im Juli abgeschlossen wird, soll der jetzige Palm-Vorstandschef und ehemalige Apple-Manager Jon Rubinstein seine Position behalten. Die Palm-Zentrale in Sunnyvale liegt in der Nähe des HP-Firmensitzes Palo Alto.

Der Kaufpreis von einer Milliarde Dollar in bar bewertet eine Palm-Aktie mit 5,70 Dollar. Das liegt zwar über dem Schlusskurs vom Mittwoch mit 4,63 Dollar, aber weit unter der höchsten Bewertung im vergangenen Jahr mit 18,09 Dollar. Der Analyst Ken Dulaney vom Marktforschungsinstitut Gartner sagte, sowohl Käufer als auch die Höhe des Preises seien überraschend. Er habe eher mit einer Übernahme durch den Blackberry-Hersteller RIM und mit einem Preis von weniger als 500 Millionen Dollar gerechnet. Die jetzt von beiden Seiten vereinbarte Übernahme sei das beste Ergebnis, mit dem die Palm-Aktionäre hätten rechnen können. Zu diesen gehört auch die Private-Equity-Firma Elevation Partners, die von 2007 bis 2009 nahezu ein Drittel des Palm-Kapitals erwarb, zu einem Preis von 460 Millionen Dollar. Elevation bekommt nun einen Erlös von 485 Millionen zurück.

Palm wurde 1992 von Donna Dubinsky und Jeff Hawkins gegründet und entwickelte als eines der ersten Unternehmen einen Handheld-Computer, den «Palm Pilot». Danach wurde Palm erst vom Modem-Hersteller U.S. Robotics und 1997 vom Netztechnikunternehmen 3Com übernommen. Nach 2000 war Palm als Ergebnis eines «Spin-Offs» dann wieder selbständig. Der im Juni 2009 eingeführte Palm Pre sollte dem Unternehmen einen Neustart bescheren. Dieses Smartphone hatte es jedoch schwer, sich am Markt durchzusetzen. Nach den jüngsten Quartalsdaten verkaufte Palm 408.000 Pre-Geräte, während Apple 8,75 Millionen iPhones verkaufen konnte.

HP stellt ebenfalls ein Smartphone her, diese Modellreihe führt die Bezeichnung iPAQ. Der Marktanteil dieser Geräte liegt nach Angaben des Marktforschungsunternehmens IDC aber nur bei 0,1 Prozent. Mit der Unterstützung von HP habe Palm jetzt die Chance, neue Geräte in kürzerer Zeit einzuführen, sagte IDC-Experte Ramon Llamas.

(ap)