Threema-Entwickler

13. Dezember 2012 18:24; Akt: 14.12.2012 06:44 Print

«Die Android-Version hat höchste Priorität»

Kaum im App Store verfügbar, ist die sichere WhatsApp-Alternative Threema auch schon kostenpflichtig. Der Schweizer Erfinder nimmt gegenüber 20 Minuten Online Stellung.

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Manuel Kasper hat die Threema-App entwickelt. (Bild: Screenshots Threema / pd)

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Der Entwickler der neuen Messaging-App Threema, Manuel Kasper, ist vom ersten Interesse gewaltig überrascht worden. Kaum hatten deutsche Blogs die Nachricht von der sicheren WhatsApp-Alternative verbreitet, liefen die Server heiss. Zehntausende iPhone-Nutzer haben Threema bereits aus dem App Store heruntergeladen.

Laut der unabhängigen App-Download-Statistik des Analyse-Unternehmens AppAnnie kletterte Threema in Deutschland innert Kürze auf den beachtlichen 17. Platz. Daraufhin musste Manuel Kasper die Notbremse ziehen, wie er im Interview mit 20 Minuten Online erklärt.

Herr Kasper, warum kostet Ihre anfangs gratis angebotene App plötzlich 2 Franken?
Manuel Kasper: Threema sollte nur zu Beginn kostenlos angeboten werden, um eine gewisse User-Basis zu erreichen und das Interesse zu wecken. Das Interesse war aber überwältigend und so unerwartet hoch, dass die App nun bereits einen Preis hat: 2 Franken.

Sie sind auf schnelles Geld aus?
Nein. Mit den Einnahmen müssen zunächst einmal die laufenden Kosten gedeckt werden. Neben dem Serverbetrieb sind das vor allem die Kosten, die uns durch den Registrierungsprozess entstehen. Immer wenn jemand seine Handynummer via SMS verifiziert, müssen wir den SMS-Versand bezahlen. Das geht bei hunderttausenden Anmeldungen richtig ins Geld und wäre für unsere Firma kaum zu bewältigen.

Wer steckt hinter Threema?
Es ist ein Produkt der Kasper Systems GmbH, einer kleinen Informatikfirma aus Zürich. Wir haben uns auf Backend-Lösungen für Internet-Service-Provider spezialisiert. Threema ist nebenbei entstanden, weil ich mir persönlich schon seit längerer Zeit so eine Lösung gewünscht habe, der Markt aber nichts Entsprechendes angeboten hat. Die Entwicklung ist komplett eigenfinanziert; es gibt keine weiteren Geldgeber.

Warum schalten Sie keine Werbung innerhalb der App?
Die App wird werbefrei bleiben, da sich In-App-Werbung aus unserer Sicht nicht mit dem Sicherheitsgedanken der App verträgt. Auch eine Jahresgebühr, wie bei WhatsApp für Android, haben wir diskutiert - und verworfen.

Stichwort Datenschutz: Als Nutzer muss man der App den Zugriff auf die eigenen Kontakte erlauben.
Es steht dem Nutzer grundsätzlich frei, ob er den Zugriff auf die eigenen Kontakte erlauben will. Threema kann auch ohne Kontaktsynchronisierung verwendet werden; dann muss der Nutzer die IDs allerdings manuell hinzufügen oder scannen und auf Namensanzeige und Kontaktbild verzichten.

Wie stellen Sie sicher, dass sensible Informationen wie die Handynummern nicht in falsche Hände geraten?
Die App überträgt nur sogenannte Hashes (einwegverschlüsselte Codes) der E-Mail-Adressen und Telefonnummern an den Server, so dass dieser nicht direkt auf die jeweiligen Adressen und Nummern schliessen, sondern einzig feststellen kann, ob es einen passenden Threema-Benutzer gibt. Zudem werden diese Hash-Listen nur für den Abgleich verwendet und gleich nach Beantwortung der Anfrage wieder gelöscht.

Auf welchen Servern läuft Threema?
Threema läuft auf Servern im Besitz von Kasper Systems GmbH in einem Datacenter im Raum Zürich.

Warum kommt die Android-Version erst 2013?
Wir sind leider mit der Entwicklung der Android-Version noch nicht so weit - die iOS-Version sollte dazu dienen, das Interesse an einer derartigen Lösung auszuloten. Nach dem bisherigen Feedback ist klar, dass die Android-Version allerhöchste Priorität hat, und wir werden daher alles daran setzen, diese so bald als möglich anzubieten. Anfang 2013 wird es so weit sein.

In deutschen Medien ist bereits von einem WhatsApp-Killer die Rede.
Das ist übertrieben und war nie mein Ziel. Ich wollte keine WhatsApp-Alternative schaffen, sondern eine App für die Gruppe der Smartphone-Nutzer, die sicher kommunizieren wollen. Noch ist Threema ja auch nur im deutschsprachigen Raum verfügbar. Wir fangen langsam an.

(dsc)