Das Ende des Hypes?

24. Juli 2012 09:10; Akt: 24.07.2012 09:42 Print

«Die Zeit der Status-Updates ist vorbei»«Die Zeit der Status-Updates ist vorbei»

von Oliver Wietlisbach - Die Jugend kehrt Facebook den Rücken, so eine Schweizer Studie. «Kein Kommentar», sagt Facebook. Doch Social-Media-Experte Fabian Keller weiss, warum die Kids untreu werden.

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Von 2004 bis 2006 sah Facebook gegenüber MySpace noch ziemlich alt aus. Dann zündete Zuckerberg den Turbo und überflügelte die einstige Nummer 1 Anfang 2008. Die Popularität zeigt sich auch bei den steigenden Suchanfragen bei Google (Bild). Twitter ist mit 140 Millionen aktiven Nutzern gegenüber den 900 Millionen von Facebook im Hintertreffen, aber trotzdem die klare Nummer 2. Seit 2011 wächst Facebook deutlich langsamer, auch in der Schweiz. Das geringere Wachstum zeigt sich auch bei den Suchanfragen nach Facebook bei Google, wie die Grafik zeigt. Vor allem in den USA scheint der Markt gesättigt zu sein. Dafür angelt sich Zuckerberg in Schwellenländern in Asien und Südamerika neue Kunden. Fast drei Millionen Schweizer haben Facebook im März 2012 genutzt. Seit Anfang Jahr hat die Nutzerzahl nochmals um 3,2 Prozent zugelegt. Mark Zuckerbergs Facebook zieht vor allem ältere Semester an. Bei den ganz Jungen (unter 15 Jahren) verliert das Netzwerk massiv Nutzer. Bei den Teens und Twens ist der Plafond erreicht, die Zahlen stagnieren. Im März 2012 war erstmals fast die Hälfte der Facebooker (48 Prozent) über 30 Jare alt. Mit dem steigenden Durchschnittsalter steigt auch die Kaufkraft der Mitglieder, was Facebook noch wertvoller macht. Acht Jahre nach der Gründung gibt es 900 Millionen Facebooker. Ein Schatten seiner selbst: Ende 2007 hatte der Social-Network-Pionier MySpace rund 220 Millionen Mitglieder, Ende 2011 waren es noch 30 Millionen. Der dramtasiche Rückgang widerspiegelt sich auch in den Suchanfragen bei Google. Google+, das soziale Netzwerk von Google, legte Mitte 2011 einen fulminanten Start hin. Inzwischen ist das Interesse der User aber stark gesunken. Konkurrenz erwächst Facebook von Twitter. Das Interesse bei Google am 140-Zeichen-Netzwerk steigt stetig. Einen kometenhaften Aufstieg legte in den letzten Monaten Pinterest hin. Die Nutzer können Bilder von allen erdenklichen Produkten mit Beschreibungen an virtuelle Pinnwände heften. Nach dem Hype um Pinterest gehen die Suchanfragen bei Google aber bereits wieder zurück.

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Das grösste soziale Netzwerk hat bei den Schweizer Jugendlichen ein Nachwuchsproblem. Im letzten Quartal haben knapp zehn Prozent der 13- bis 15-Jährigen Facebook Adieu gesagt. In den USA sieht es nicht besser aus und auch die aktuelle Umfrage von 20 Minuten Online bestätigt den Trend: Seit November 2011 haben 11 Prozent der Teilnehmer ihr Konto gelöscht, gar 93 Prozent der User geben an, mit dem sozialen Netzwerk unzufrieden zu sein.

Umfrage
Sind Sie noch gerne bei Facebook?
31 %
69 %
Insgesamt 3169 Teilnehmer

Facebook will die negativen Schlagzeilen nicht kommentieren. Auf Anfrage heisst es, dass man in der Schweiz nach wie vor über 2,5 Millionen aktive Nutzer pro Monat zähle.

Im Interview nimmt dafür Fabian Keller von Serranetga Stellung. Die Marketing-Agentur ermittelt die Nutzungszahlen für die Schweiz.

Herr Keller, gut 10 Prozent unserer Leser sagen, sie hätten ihr Konto seit November 2011 gelöscht. Überrascht Sie das?
Fabian Keller: Nein. Die Medien, aber auch die Nutzer selbst haben in den letzten Jahren eine riesige Erwartungshaltung aufgebaut, die Facebook nicht erfüllen konnte. Die ständig neuen Funktionen haben zudem zu einer gewissen Orientierungslosigkeit geführt. Abwanderungen sind vor allem in Richtung der Dienste zu beobachten, die sich auf gewisse Funktionen spezialisiert haben, wie beispielsweise Spotify oder Pinterest. User werden dann zurückkommen, wenn sie den Nutzen einzelner Facebook-Funktionen für sich entdecken und sehen, wie man Facebook gezielt verwenden kann.

Allerdings sinkt auch die Verweilzeit.
Die Zeit der ständigen Status-Updates ist vorbei. Facebook wird selektiver genutzt. Eine von MTV durchgeführte Studie aus den USA hat gezeigt, dass ganz Junge Facebook vor allem als Messaging-Dienst nutzen, immer mehr auch auf dem Smartphone. Andere Altersgruppen nutzen das Social Network wiederum für andere Zwecke.

Im Vergleich zur Befragung von 2011 denken mehr Leser darüber nach, ihr Konto zu löschen. Werden die Zweifler zum Problem für Facebook?
Die Nutzer zu halten, ist eine ständige Herausforderung und Facebook gelingt es sehr gut, innovativ zu bleiben. Der Konzern hat ein Team von Soziologen, die gesellschaftliche Entwicklungen beobachten und Facebook reagiert kontinuierlich auf Trends. So hat Mark Zuckerberg etwa auf den durch Smartphones ausgelösten Fototrend geantwortet und das Fotonetzwerk Instagram gekauft. Mit dem Kauf sichert sich Facebook neue User.

Wie zuvor MySpace könnte aber auch Facebook durch den sogenannten Schwarmeffekt sehr schnell untergehen. Das wäre denkbar, wenn etwas völlig Unvorhersehbares geschieht. Es gibt immer wieder Massenphänomene, die unmöglich voraussehbar und auch im Nachhinein nicht konkret erklärbar sind.

Seit Anfang Jahr verliert Facebook in der Schweiz bei den 13- bis 15-Jährigen. Warum springen die Jüngsten ab?
Unsere laufenden Erhebungen bestätigen, dass Facebook momentan in der Schweiz ein Nachwuchsproblem hat. Würde man andere Länder zum Vergleich heranziehen, könnte man sicherlich verschiedene Länder finden, die in genau diesem Segment ein erhebliches Wachstum aufweisen. Länder, in denen Facebook noch nicht so lange präsent ist, weisen sicherlich höhere Wachstumskurven auf.

Jugendliche fokussieren sich stark auf Meinungsmacher auf dem Pausenplatz und lassen sich leichter beeinflussen. Wenn Facebook bei den Coolen temporär out ist, kann dies eine Sogwirkung haben. Ältere Nutzer lassen sich weniger stark davon beeinflussen, ob Facebook nun gerade in oder out ist.

Facebook will nichts von schwindenden Nutzerzahlen wissen. Sind Ihre Zahlen falsch?
Serranetga wertet die Nutzungszahlen von Facebooks offiziellem Ad Manager aus. Die Zahlen kommen also von Facebook selbst. In der Statistik werden alle Nutzer erfasst, die sich in den letzten 30 Tagen mindestens einmal angemeldet haben. Wichtig ist zu wissen, dass die soziodemographischen Daten wie das Alter oder Geschlecht auf den Angaben der Nutzer basieren. «Fehler» oder Ungenauigkeiten in der Statistik entstehen also auch durch Fakeprofile und Mitglieder, die sich weniger als einmal pro Monat anmelden.

Bei unseren Lesern werden WhatsApp und Google+ beliebter. Profitieren diese Dienste von den abgesprungenen Facebookern?
In den USA wirbt Google+ aggressiv um neue Nutzer und scheint auch erfolgreich zu sein – auch dank den aktuell negativen Schlagzeilen rund um Facebook. Der Kurznachrichtendienst WhatsApp für Smartphones ist keine Facebook-Alternative, konkurriert aber mit dem Facebook-Messenger. Im Fotobereich versucht Pinterest, das vor allem bei Frauen beliebt ist, Facebook das Wasser abzugraben.

Ist diese Entwicklung für Facebook gefährlich?
Solche Start-ups - wie auch das von Zuckerberg gekaufte Fotonetzwerk Instagram - können in einer Nische eine Alternative zu Facebook darstellen. Social Networks, die sich nicht auf bestimmte Themen wie Musik oder Fotos spezialisieren, werden daher möglicherweise User an innovative Start-ups verlieren, die zwar nur eine Leistung anbieten, diese aber sehr gut.

Gibt es Facebook in 5 oder 10 Jahren noch?
Ich glaube, dass wir nach über 20 Jahren Internet das Internet endlich und endgültig von seinem Heimcomputer-Dasein befreien. Bis 2015 werden das Internet und Smartphones zum integrativen Leben gehören. Aus Facebook, wie wir es heute kennen, kann bis dann etwas Neues entstehen. Die Frage ist vielmehr, in welcher Form wir Facebook bis dahin nutzen und über welche Funktionen Facebook unseren Alltag vereinfacht.

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  • cosy cosy am 25.07.2012 13:08 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    the future of fb

    vorausgeschickt: Ich habe meinen Facebook account vor fast einem Jahr loeschen lassen. Grund: manipulatives Undercover-Verhalten der Applikation. Intransparenz, was mit den gesammelten Daten passiert. nun zum Artikel. Ganz zum schluss sagt er im Ausblick, dass das hoehere Ziel von fb darin besteht, das Leben einfacher zu machen. Ist das Alles? Good night facebook.

  • 18 Jähriger am 25.07.2012 09:30 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    "like das Bild wenn das Kind überleben soll"

    Facebook ist einfach zu einem kindergarten geworden. Meine Freundesliste zu säubern war mir zu doof, desshalb habe ich das konto gelöscht!

    • Hutch Vanderburgh am 25.07.2012 15:35 Report Diesen Beitrag melden

      Sich auf das Interessante konzentrieren

      Solchen Mist gibt es zwar, aber normalerweise nicht in solch einem Ausmass, dass man es nicht einfach ignorieren und sich stattdessen auf für einen selbst interessante Posts konzentrieren könnte. Werbung kann ebenfalls ganz einfach mit Adblock etc. praktisch komplett zum Verschwinden gebracht werden. Man muss alles nur richtig zu nutzen wissen!

    einklappen einklappen
  • Andi Steiger am 25.07.2012 07:51 Report Diesen Beitrag melden

    Wechsel zu Goolge+ lohnt sich

    Alle die mit Facebook nichts mehr anfangen können: Probiert Goolge+. Das ist schlicht genial! Es ist einfach schade, dass es die meisten Leute einfach ignorieren, aber ständig über FB lästern!