Filesharing

15. Januar 2009 14:25; Akt: 15.01.2009 17:30 Print

«Mit Kanonen auf Spatzen geschossen»

von Manuel Bühlmann und Henning Steier
- Die Pläne der Schweizer Musikindustrie, Piraten den Internetzugang zu sperren, ernten scharfe Kritik von Verbraucherschützern und Medienrechtlern. Auch die Leser von 20 Minuten Online sind empört.

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Wie 20 Minuten Online berichtete, treffen sich Vertreter des Branchenverbandes IFPI und der Schweizer Internetanbieter Swisscom, Cablecom und Sunrise im Februar zum zweiten Mal. Sie wollen über den IFPI-Plan reden, Kunden, die illegales Filesharing betreiben, den Zugang zum Web zu verwehren.

Laut Sara Stalder, Geschäftsleiterin der Stiftung für Konsumentenschutz, wird mit den angestrebten Massnahmen der IFPI am falschen Hebel angesetzt: «Da wird mit Kanonen auf Spatzen geschossen. Es geht doch nicht, dass sich die IFPI über das Gesetz hinwegzusetzen versucht und sich als Vollzugsbehörde aufspielt. Schliesslich können bestehende Verträge zwischen den Providern und ihrer Kundschaft nicht einfach angepasst werden, ohne dass der Kunde sich dazu äussern kann», sagt Stalder auf Anfrage von 20 Minuten Online.

Unfaire Mittel

Die Konsumentenschützerin kann die Ansinnen der IFPI aber auch ein stückweit verstehen: «Wir sind ebenfalls der festen Überzeugung, dass gegen die Online-Piraterie vorgegangen werden muss, denn durch illegales Filesharing entsteht ein immenser marktwirtschaftlicher Verlust. Doch die getroffenen Massnahmen müssen sich in einem fairen Rahmen bewegen. Einfach den Anschluss ins Internet zu blockieren, kann nicht die Lösung sein.»

Für Stalder ist klar, dass sich künftig der Markt entsprechend den
Kundenbedürfnissen anpassen und deshalb neue Modelle entwickelt werden
müssen. «Auf Markt-, aber auch auf Gesetzesebene müssten Anpassungen
vorgenommen werden. Schliesslich kaufen immer weniger Leute CDs in einem
Laden. Der Download von Musik direkt aus dem Internet ist die Zukunft, dem
wird die aktuelle Gesetzeslage nicht gerecht», so die Konsumentenschützerin.

IFPI-Massnahmen würden gegen das Kartellgesetz verstossen

«Ein solches gemeinsames Vorgehen von IFPI und Providern würde gegen das Kartellgesetz verstossen, welches Boykotte in gemeinsamer Absprache oder durch marktbeherrschende Unternehmen verbietet», erklärt Matthias Häuptli, Advokat von der Kanzlei Staehelin und ergänzt: «Ausnahmen kann nur der Bundesrat bewilligen, wenn ein überwiegendes öffentliches Interesse besteht. Das wäre aber schwer zu begründen, weil der Musikindustrie ausreichende rechtliche Mittel zur Verfügung stehen, wenn jemand in der Schweiz beim verbotenen Filesharing erwischt wird.»

Internetprovider geben sich zurückhaltend

Die Schweizer Internetprovider bestätigten unterdessen die Gespräche mit der IFPI. «Die Rechtslage in der Schweiz liegt zurzeit so, dass die Nutzung von Tauschbörsen per se wie auch der Download nicht strafbar sind», sagte ein Swisscom-Sprecher 20 Minuten Online. Daher bestehe aktuell keine Pflicht, Internetzugänge für solche Tauschbörsen zu blockieren. Sollte sich daran irgendwann etwas ändern, werde Swisscom sich selbstverständlich an allfällige Vorgaben halten.

Ideen sind etwas wert

Da vor allem Jugendliche Filesharing im grossen Stil betreiben, hat die IFPI auf der Seite ideensindetwaswert.ch kostenloses Unterrichtsmaterial für Lehrer zum Download bereitgestellt. Der Schaden, der in der Schweiz allein durch Online-Piraterie verursacht wird, liegt nach IFPI-Angaben bei über 25 Millionen Franken jährlich. Allein seit dem Jahr 2003 sind hierzulande bereits mehr als 600 Arbeitsplätze im Bereich der Musikwirtschaft verloren gegangen. Der Musikverkauf ging seit dem Jahr 2000 um etwa 44 Prozent zurück.

Leser halten nichts von einer Blockade

Im Forum von 20 Minuten Online hat der IFPI-Plan überwiegend Empörung ausgelöst. «Wenn die Anbieter das wirklich tun, haben sie bald keine Kunden mehr», schreibt etwa Nutzer Fabian. Und Leser Max Meier ergänzt: «Die Arroganz der überzahlten Musikindustrie hat verhindert, dass man sich mit Gegenmassnahmen einer Entwicklng beschäftigt hat. Ich kann nicht nachvollziehen, warum eine Skandalnudel wie Britney Spears zum Beispiel viele Millionen im Jahr verdienen muss.»


Sagen Sie uns Ihre Meinung: Was halten Sie davon, Piraten den Zugang zum Internet zu sperren?


Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Beni am 20.01.2009 08:50 Report Diesen Beitrag melden

    verlust von ca. 30% der User

    Würden wirklich die Internetzugänge blockiert weden würde das etwa die einen drittel aller User im Netz bedeuten. Das wäre wol ein Verlust den die Internetanbieter wie (Sunrise, Swisscom und Cablecom) nicht tragen könnten. Zudem hat jeder Schweizer recht auf einen Internetanschluss.Steht im Gesetz!!

  • noch was am 07.06.2009 00:31 Report Diesen Beitrag melden

    wenn ich ein guter musiker wäre..

    würde ich all meine titel NUR ins internet stellen und die leute dafür spenden lassen. und jedes CD Label, dass meine CD vermarktet, würde ich VERKLAGEN! wie IFPI mir so ich ihr!

  • Andi am 14.01.2009 14:11 Report Diesen Beitrag melden

    Abzocke Pur ! 0.75CHF wäre fair !

    Reine Abzocke. 1.50CHF pro Track macht auf 20 Tracks 30 CHF. Dafür bekommt man im Shop eine CD (Silberling) inkl. Cover ! Im WWW eine kastrierte MP3 (Quali ist NIE mit der CD zu vergleichen). Abzocke Pur ! Die Sollen mal Ihre Hausaufgaben machen, anstatt rumzujammern !!!

Die neusten Leser-Kommentare

  • nomiad am 06.10.2009 16:27 Report Diesen Beitrag melden

    Sägen am eigenen Ast

    Die merken das nicht mal das sie Tag für Tag einen schlechteren Ruf bekommen. Künstler produzieren weiterhin Musik auch wenns die Industrie nicht mehr gibt. Aja und so ein normaler Musiker hat am Anfang sowiso kein Geld und die Musikindustrie ist hier kein Samariter. Die verhindern eher die jungen.

  • Max am 03.09.2009 15:44 Report Diesen Beitrag melden

    Wieso Musikpiraterie?

    Was tun denn die Leute heutzutage anderes als das, was man schon vor 40 Jahren tat? Damals nahm man neue Musikstücke ab Radio aufs Tonband und jetzt ab Internet auf CD Rohlinge! Also, wo ist da der Unterschied, höchstens eine bessere Tonqualität.

    • Kurt Matter am 08.11.2009 14:57 Report Diesen Beitrag melden

      Wieso Musikpiraterie

      alles was über eine Soundkarte hörbar ist, nimmt man, am besten über einen zweiten Computerm über dessen Soundkarte auf und bearbeitet das mit einem Programm, z.B. Magix. Dann macht man normale CDs draus oder konvertiert zu mp3 und speist den mp3 Player oder was auch immer. Ist wie früher das Tonband. Bei 2 Computern Erdschlaufe beachten, gibt manchmal Brummgeräusche. Ein dickes Kabel an den beiden Computern und es ist weg.

    einklappen einklappen
  • User am 19.06.2009 18:30 Report Diesen Beitrag melden

    Politik stinkt

    Die Politik wird immer aufwändiger, die Gesetzbücher immer dicker, und wer muss dies alles bezahlen? Unsere Gesellschaft existiert nur noch um zu konsumieren. Also lasst uns konsumieren... Politiker, beschäftigt Euch mit wichtigen Dingen! Unserer Zukunft zB

  • User am 19.06.2009 18:03 Report Diesen Beitrag melden

    Recht, Politik und Profit

    Angesichts der Herausforderungen, die auf uns zukommen, ist das Filesharing wohl unbedeutend. Eine Bitte an die Politik: Beschäftigt Euch mit realen Bedrohungen! Gegenüber anderen Ländern ist unser Konsum ohnehin lachhaft klein... Aber wir alle lieben ja die Bürokratie. Was haben wir sonst noch??

  • zeit ist geld3 am 19.06.2009 12:50 Report Diesen Beitrag melden

    zeit ist geld3

    wann merken die eingentlich das dieses reginale denken passé ist!! also.. wenn ich etwas gar nicht legal bekommen kann ist die industrie selbst schuld dass sich die nutzer aushelfen.. bei allem anderen müssen sie schauen, dass der legale weg bequemer ist...denn zeit ist geld!