Server-Ausfall

12. November 2012 17:24; Akt: 12.11.2012 18:16 Print

«Super-GAU» bei Ricardo – nichts ging mehr

Ausgerechnet zur besten Auktionszeit stürzten bei Ricardo.ch die Server ab. Tausende konnten nicht mehr mitbieten – die Verkäufer mussten zusehen, wie ihre Produkte zum Schnäppchenpreis weggingen.

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Ein Drittel der Ricardo-Kunden war über mehrere Stunden vom Bieten ausgeschlossen. (Bild: Keystone/Sigi Tischler)

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An einem typischen Sonntagabend laufen die Server bei Ricardo heiss: Die meisten Leute sind zu Hause, tausende wollen Smartphones, Möbel oder Autos kaufen und verkaufen. Zahlreiche Verkäufer setzen den Endpunkt der Versteigerung daher bewusst auf einen Sonntagabend, im Wissen, dass besonders viele Kunden mitbieten werden. Vor zwei Wochen, am 28. Oktober, ging aber plötzlich nichts mehr. Die Server liefen nicht nur heiss, sie rauschten offenbar ganz ab.

Das grösste Online-Auktionshaus der Schweiz hat die massiven technischen Probleme inzwischen gegenüber dem Konsumentenmagazin «Espresso» bestätigt. Bei über einem Drittel der Angebote konnte niemand mehr mitbieten, wie Ricardo-Mediensprecherin Barbara Zimmermann sagte. Statt steigende Preise für ihre Produkte sahen die betroffenen Nutzer nur noch die Fehlermeldung «Error. Server steht nicht zur Verfügung».

Die Konsequenz für die Nutzer: Wegen dem Serverproblem wurden die Produkte oft deutlich unter dem erhofften Wert verkauft. Die Auktionen liefen aus, ohne dass jemand hätte weiterbieten können.

Unfaire AGBs sollen Kunden ruhig stellen

Gegenüber den geprellten Verkäufern stellte sich Ricardo zunächst auf den Standpunkt, dass ein Kaufvertrag entstanden sei und der Verkäufer an den Höchstbietenden verkaufen müsse. Ricardos Begründung: Die Auktionsplattform könne für technische Störungen nicht haftbar gemacht werden. Rechtlich ist nicht klar, ob eine solch einseitige Risikoabwälzung zulasten der Kunden zulässig ist. Das Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb (UWG) verbietet unfaire und einseitige Vertragsbestimmungen zu lasten der Konsumenten, ein Gerichtsurteil steht allerdings noch aus. Für Rechtsexperten ist der Fall klar: Diese AGBs dienten alleine dazu, die Kunden abzuschrecken, eigene Ansprüche zu stellen.

Nachdem das Konsumentenmagazin den Serverausfall und Ricardos Reaktion publik machte, krebst das Auktionshaus zurück. Man sei zur Einsicht gekommen, dass ein Teil der Auktionen nicht rechtens abliefen und deshalb auch kein Kaufvertrag zu Stande gekommen sei. Die Angebotszeit hätte nach den technischen Problemen um 24 Stunden verlängert werden müssen. Da dies nicht geschehen ist, müssen die Verkäufer ihre Ware nun nicht zum Schnäppchenpreis verhökern. Der vermeintliche Billigkauf löst sich somit wohl für viele in Luft auf.

«Super-GAU»

Mediensprecherin Zimmermann spricht gegenüber «Espresso» von einem einzigartigen «Super-GAU». Kurze Ausfälle gibt es bei einem Online-Portal immer wieder, dass rund ein Drittel der Kunden über mehrere Stunden vom Bieten ausgeschlossen war, sei aber noch nie vorgekommen. Wer durch den Serverausfall geschädigt wurde, kann sich beim Kundendienst von Ricardo melden. Das Unternehmen verspricht, jeden Fall einzeln zu prüfen. Auch die konsumentenfeindlichen AGBs will Ricardo verbessern.

(owi)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Max Müller am 12.11.2012 17:33 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Performance und Kompetenz

    Ich hatte schon diverse Probleme mit ricardo. Am meisten oder mühsamsten ist dass der käufer bei ricardo oft den kürzeren zieht. Unterstützung im bedarfsfall ist fast nicht da, und belaufen sich nur auf die agbs. Betrüger, bzw echtheitsprüfung der konten besteht, wohl ist die einfach autuschalten. Ich verzichte nun in 8 von 10 fällen auf Ricardo!

    einklappen einklappen
  • tom bühlmann am 12.11.2012 21:46 Report Diesen Beitrag melden

    selber schuld ?

    alles halb so schlimm, oder ? nun mal langsam, man ist etwas naiv, wenn man einen artikel zu günstig in eine auktion stellt und dann den erhofften preis nicht bekommt, sorry an alle die das betrifft, aber da ist man schon selber schuld. ich gebe recht, der kundendienst verdient seinen namen nicht. hatte schon einen artikel ersteigert, wollte bezahlen, habe keine kontodaten gekriegt, der verkäufer hat dan ohne mahnung schlecht bewertet. habe dies mit allen mails an ricardo.ch weitergeleitet, aber die negativ bewertung blieb. ricardo ist sicher keine schlechte plattform, könnte aber besser

  • Michel Debrot am 12.11.2012 21:23 Report Diesen Beitrag melden

    ITIL Risk Management

    War sicher eine Storage oder ESX-Konsolidierung. Man legt alle 300 Server auf zwei Shelf und dann Peng. ITIL-Risk Management ist oft ein Fremdwort oder ist seit Storage und VM's komplett verschwunden. Keiner redet von den Usern, welche DANK dem Ausfall Geld gemacht haben oder was zu billig verkauft haben....

Die neusten Leser-Kommentare

  • Mano am 13.11.2012 10:38 Report Diesen Beitrag melden

    Ricardo ist nicht toll

    Bei Ricardo ein Schnäppchen machen? Das ist doch so gut wie unmöglich. Kollegen, Familienmitglieder oder was auch immer treiben die Preise künstlich in die Höhe. Dass das so praktiziert wird haben mir schon mehrere Kollegen bestätigt. Mal abgesehen davon, dass man via Ricardo sehr wenig losbringt.

  • Anna am 13.11.2012 10:34 Report Diesen Beitrag melden

    Shame on you Ricardo

    Warum muss eigentlich immer zuerst der Konsumentenschutz aktiv werden oder es in den Medien kommen? Warum kann ein Unternehmen nicht mal von sich aus angemessen reagieren und das Richtige tun?

  • Taifunny am 13.11.2012 09:41 Report Diesen Beitrag melden

    Immer zufrieden

    Habe bisher nur gute Erfahrungen mit Ricardo und seinem Kundendienst gemacht und werde weiterhin meine Angebote erstellen und andere Angebote kaufen. Für mich ist Ricardo ein kleiner Nebenverdienst mit Spasseffekt. Wenn ich das grosse Geld machen will, geh ich arbeiten oder spiele Lotto.

  • Üse Umi am 13.11.2012 08:57 Report Diesen Beitrag melden

    selber Schuld!

    Sorry, aber wer hier ein Angebot für lau reistellt und sich dann beklagt, der ist selber Schuld! Als Beispiel, der Herr mit dem hundertfränkigen Wein, der für 2.50 pro Flasche raus ist, meine Frage, warum haben sie ihn für 2.50 reingestellt, wenn er so viel Wert hat? Ist übrigens schon jemandem Aufgefallen, dass bei vielen hochwertigen Produkten, die für ganz wenig Geld eigestellt wurden immer User am Schluss mitbieten, die erst ein paar Tage angemeldet sind und so den Preis hochtreiben? Meistens immer ein paar Sekunden vor Schluss? Schon mal überlegt, dass da Betrug ein Thema sein könnte?

  • Dan Zwahlen am 13.11.2012 08:24 Report Diesen Beitrag melden

    Klagen?

    Ich bin auch einer der geprellten Kunden, meine 28 Auktionen liefen allesamt in diesem Zeitraum aus, einiges ging weit unter dem normalerweise gebotenen Preis weg. Meine Beschwerde bei ricardo wurde mit allen möglichen Ausreden abgeblockt. Das Vertrauen in ricardo ist dahin. Da die AGB aber scheinbar rechtlich nicht standhalten, sollten wir in Erwägung ziehen, ricardo auf Schadenersatz zu verklagen - Geschädigte gibt es genug. Ricardo kann sich nicht aus der Verantwortung entziehen, die Nicht- oder Schlechterfüllung ist immerhin gesetzlich geregelt (OR 97-109).