Entführtes Model

08. August 2017 07:22; Akt: 08.08.2017 12:00 Print

Was steckt hinter der Black-Death-Gruppe?

Eine kriminelle Gruppe namens Black Death sorgt für Schlagzeilen. Sie soll im Darknet Menschenhandel betreiben. Eine Spurensuche.

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Was ist passiert?
Ein 30-jähriger Pole hat am 11. Juli in Mailand ein 20-jähriges britisches Model entführt. Der mutmassliche Täter spritzte der Frau erst Ketamin, um sie zu betäuben, fesselte sie und hielt sie gegen ihren Willen eine Woche lang fest. Laut «La Stampa» wollte er die Frau als Sexsklavin im Darknet für mindestens 300'000 Euro in Bitcoins versteigern.

Am 17. Juli kam die Frau unter merkwürdigen Umständen frei. Sie gab den Ermittlern an, der Entführer habe sie gehen lassen, weil er erfuhr, dass sie einen kleinen Sohn habe. Mütter seien laut den Regeln seiner Gruppe, die sich Black Death nennt, tabu. Einen Tag später verhaftete die Polizei den mutmasslichen Täter. Nun läuft die Suche nach seinen Komplizen.

Was weiss man über die Gruppe Black Death?
Über die Gruppierung ist bisher nur wenig bekannt. Sie soll aber bereits seit Jahren ihr Unwesen im Darknet treiben. Dort betreibt sie eine Plattform, über die verschiedene kriminelle Dienstleistungen angeboten werden. Dazu gehören Drogen- und Waffenhandel. Aber auch Angebote wie Auftragsmorde und Menschenhandel.

Von wo aus operiert die Gruppe?
Die Angebote sind im Darknet zu finden. Dabei hat die Gruppe in den letzten Jahren offenbar mehrfach die Webadresse gewechselt. Ein Journalist von Vice.com hatte 2015 die mutmasslichen Betreiber der Plattform kontaktiert. Er gab sich als Mittelsmann für einen Kunden aus, der an einer Auktion teilnehmen wollte. Das nahm man ihm nicht ab. Er erhielt die Antwort «Nice try Europol» – «netter Versuch, Europol». Aufgrund des Artikels fand ein Twitter-Nutzer aber später heraus, dass das Foto der angeblich entführten Amerikanerin aus einem Pornofilm stammte.

Sind die Angebote also nicht echt?
Der IT-Sicherheitsexperte Marc Ruef von der Zürcher Scip AG ist bei Recherchen im Darknet schon mehrfach auf den Namen Black Death gestossen. «Die Angebote sind ziemlich gut gemacht. Die Wortwahl wirkt professionell und die Angebote wurden regelmässig aktualisiert», sagt Ruef. Zwei Eigenschaften, die nicht selbstverständlich seien für Fake-Angebote. «Entlarvend ist jedoch die Preisstruktur für einen Auftragsmord», so Ruef. Die Rede ist von 10'000 US-Dollar für professionelle Auftragnehmer. «Das ist für einen Profi generell zu wenig», sagt Ruef, der die Preisstruktur für solche Angebote im Darknet analysiert. Die Preise würden in erster Linie definiert durch das Land, in dem der Auftrag ausgeführt werden soll und die «Wichtigkeit» der Zielperson. Hier gibt es eine Preisspanne von wenigen hundert Dollar bis zu einer halben Million. «Da Vorauskasse erforderlich wird und aus fadenscheinigen Gründen auf einen Mittelsmann zur Kaufabwicklung verzichtet wird, gehen wir bei Black Death von einem Fake aus», sagt Ruef.

Was sagen die italienischen Behörden?
Laut der italienischen Polizei sei Europol schon vor «einigen Jahren» auf Spuren der Gruppierung gestossen. Laut einer Europol-Sprecherin habe ein Mitgliedsstaat Informationen zu dieser Gruppe angefordert und erhalten. Mehr Informationen würden derzeit nicht öffentlich gemacht, da eine Untersuchung am Laufen sei. Ob der nun verhaftete Mann in einer Verbindung mit Black Death steht oder eine eigene Version davon gegründet hat, ist laut den italienischen Behörden zu diesem Zeitpunkt nicht klar. Unklar ist auch, ob es die Organisation wirklich gibt. Laut den Behörden hatte der Mann aber wirklich die Absicht, die gefangene Frau im Darknet zu versteigern.

(20M)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Mani Motz am 08.08.2017 07:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Die Spitze des Eisbergs

    Erschreckend was alles möglich ist.

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  • Pitri am 08.08.2017 07:39 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    abscheulich

    was sind das nur für Kreaturen. Sorry, ich kann solche nicht als Menschen bezeichen, die Menschen entführen, betäuben und dann wie Ware verkaufen. Einfach nur krank, was geht in denen vor? Ich hoffe solche werden möglichst hart bestraft, denn denen ist ein Menschenleben nichts wert.

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  • Ben F. am 08.08.2017 07:59 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Darknet

    Das Darknet ist schon beängstigend. Das man nichts dagegen tun kann, machts nur noch schlimmer.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Martin S. am 08.08.2017 12:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wie im Film "Der Schakal"

    Wer jetzt denkt neben dem ganzen abscheulichen Dienstleistungen die wirklich erworben werden können, ist es auch möglich einen Auftragsmörder zu "mieten" der täuscht sich. Es gibt, mit dem Aufkommen des Darknet, keine bestätigte Tötung eines Menschen der im Zusammenhang mit dem Darknet steht. Interpol bestätigt dies auch. Man hat zwei Auftragsmorde die im Darknet tatsächlich einen Mord in Auftrag gaben und zahlten verhaftet. Natürlich passierte nichts und das Geld war weg. Heute, wie vor 50 Jahren, konnten Morde nur von Geheimdiensten und anderen grossen Strukturen, z.B. Mafia, erledigt werden

  • Roger Rabiat am 08.08.2017 12:35 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    96 Hours

    Hört sich nach dem Plot dieses Films an... Einfach ohne den rächenden Liam Neeson.

  • Larje am 08.08.2017 09:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Die Tiefen des Internets

    "Über 99 Prozent der Daten im Internet sind nicht über Suchmaschinen auffindbar." Alleine das, ist schon sehr alarmierend.

  • Marco È. am 08.08.2017 09:02 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nein Danke

    Gut wollen immer mehr Gesellschaften unsere Daten speichern. Ich bleibe beim Bargeld.

  • Martin am 08.08.2017 09:01 Report Diesen Beitrag melden

    Weil sie Mutter ist?

    Sie wurde freigelassen weil sie Mutter ist? Also da entführt jemand kaltblütig ein Modell. Investiert viel Zeit, Geld und Risiko, merkt dass sie Mutter ist und lässt sie wieder frei? Die Story glaub' ich nicht ganz.