Stromschlag

16. November 2017 13:35; Akt: 16.11.2017 13:35 Print

So kam es zum tödlichen Unfall mit dem Ladegerät

Ein 14-jähriges Mädchen ist im Schlaf gestorben, nachdem sie einen Stromschlag vom Ladekabel ihres Smartphones bekommen hatte.

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Dieses Kabel mitsamt dem Adapter löste den tödlichen Stromschlag aus. Die Beamten der Provinz Ha Tinh in Vietnam konnten nur noch den Tod des 14-jährigen Mädchens feststellen. Billige Ladeadapter sind lebensgefährlich. Sehen Sie auf den nachfolgenden Bildern, worauf man achten sollte. Am Beispiel eines Apple-Ladegeräts sehen Sie, wie sich gefälschte Produkte von echten unterscheiden lassen. Ihr erworbenes Ladegerät passt nicht in die Steckdose? Es könnte sein, dass die Steckerstifte des Adapters falsche Grössen aufweisen. Der Abstand zwischen den Steckerstiften sollte bei einem echten Produkt 19 Millimeter betragen. Ein sogenanntes CE-Siegel auf Ihrem Apple-Gerät und dem dazugehörigen Adapter gibt Ihnen Auskunft darüber, ob Sie ein Produkt vom Hersteller erworben haben oder nicht. Das Siegel kennzeichnet nämlich, ob das Produkt die geltenden Anforderungen zum Vertrieb erfüllt. Klar, solche Beschriftungen lassen sich natürlich leicht fälschen oder kopieren. Nichtsdestotrotz sollten Ihnen Informationen wie Name, Logo, Modell- oder Chargennummer die Möglichkeit geben, Ihr Gerät bei einem lizenzierten Anbieter überprüfen zu lassen. Verwenden Sie niemals zerfranste oder anderweitig beschädigte Kabel. Zertifiziertes Apple-Zubehör weist an den Kabeln eine etwa 18 Zentimeter vom USB-Anschluss entfernte Beschriftung auf. Hier sollte der Schriftzug «Designed by Apple in California», «Assembled in China», «Assembled in Vietnam» oder «Indústria Brasileira» lauten. Hinzu kommt eine zwölfstellige Seriennummer.

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Es ist ein tragischer Unfall, der sich in der zentralvietnamesischen Provinz Ha Tinh ereignet hat. Ein 14-jähriges Mädchen lud in der Nacht den Akku ihres Smartphones auf. Am nächsten Tag wurde sie tot im Bett gefunden. Wie konnte das geschehen?

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Die lokalen Behörden erklären den Unfall so: Das Ladekabel, das das Mädchen benutzt hatte, war defekt, die Isolierung aufgebrochen. Die Ermittler gehen davon aus, dass die 14-Jährige im Schlaf das Kabel berührte und so einen Stromschlag bekam. Allerdings sollten durch das Kabel nur wenige Volt fliessen. Es muss deshalb davon ausgegangen werden, dass das defekte Kabel nicht an einem Original-Ladegerät steckte.

Fake-Ladegeräte sind lebensgefährlich

«Von aussen sehen die Kopien zwar gleich aus, im Inneren ist jedoch billige Elektronik verbaut, bei der die Sicherheitselemente fehlen», erklärt der Elektroingenieur Marc Heusser. «Wenn nun ein Defekt auftritt, können 220 Volt am Ladekabel anstehen – und das kann tödlich sein», so Heusser.

Dass gefälschte Ladegeräte gefährlich sein können, zeigte auch ein ausführlicher Test der Konsumentenschutzorganisation Chartered Trading Standards Institute (CTSI) aus Grossbritannien. Bei der Analyse von 2016 waren insgesamt 400 Ladegeräte aus Fernost getestet worden. 397 fielen bereits bei den grundlegendsten Sicherheitstestes durch.

Regelmässige Kontrollen

Peter Fluri, Leiter Marktüberwachung beim Eidgenössischen Starkstrominspektorat (Esti), kennt die Problematik mit den gefälschten Adaptern und Ladegeräten. Das Esti überprüft Geräte für Haushalt, Gewerbe oder Büro regelmässig stichprobenweise auf ihre Konformität und Sicherheit hin. Wer hingegen solche Produkte eigenständig importiert, trägt die alleinige Verantwortung für die Sicherheit der Adapter.

Damit man sich als Kunde nicht unbewusst einer Gefahr aussetzt, sollten laut Fluri ein paar Dinge beachtet werden: «Ein sehr tiefer Preis, eine billige Aufmachung oder ein Web-Auftritt ohne Schweizer Domizil und ohne direkten Ansprechpartner sind Indiz für möglicherweise mangelhafte Geräte», wie er bereits Ende 2016 erklärte.

Konsumenten sollten auch darauf achten, ob auf dem Produkt ein freiwilliges Prüfzeichen angebracht ist. In der Schweiz anerkannte Prüfzeichen sind in der Datenbank des Esti abrufbar. Allerdings können auch diese auf Billigprodukten gefälscht sein.

(tob)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Der Ironiker am 16.11.2017 13:43 Report Diesen Beitrag melden

    CE Zeichen oft ein Betrug

    Auf das CE Zeichen darf man sich nicht verlassen. Denn die Chinesen verwenden das exakt gleiche Logo, nur dass der Abstand der beiden Buchstabe etwas minimal ist. Die Schrift ist aber genau die gleiche (Was für ein Zufall). CE heisst dort dann "China Export" und hat überhaupt nichts mit einhaltungen von Standards zu tun.

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  • Helvetia am 16.11.2017 14:06 Report Diesen Beitrag melden

    Abzocke bei Originalprodukten

    Wir mussten gerade ein Apple Ladegerät fürs iPhone nachkaufen, weil mein Mann seines im Hotel liegengelassen hat. Die Preise für original Apple Ladekabel und Steckdosenadaptoren sind schon ziemlich heftig. Rund 20.- fürs Kabel und nochmals 20.- für den Steckdosenadaptor. Da zockt Apple ganz schön ab, denn die Materialkosten dürften ziemlich tief sein. Somit ist es leider für viele verlockend, sich im Internet ein günstigeres Kabel zu bestellen, mit dem Risiko, eine Fälschung zu erwischen.

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  • Zappe Duster am 16.11.2017 13:49 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Elektriker

    Beim Ladegerät ist es wichtig dass es zertifiziert ist. Nach dem Ladegerät kommen nämlich nur noch 5V raus und das ist definitiv nicht lebensgefährlich. Ladekabel können also ohne schlechtes Gewissen bei Drittanbietern gekauft werden.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Guschtaff am 16.11.2017 20:28 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Curved screen

    Was solls? Curved screens sind doch absolut in!

  • Expat am 16.11.2017 20:19 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Apple ist qualitativ ungenügend

    Apple liefert miese Qualität. Die Kabel reissen an der Anschlussstelle zum Adapter regelmässig und nach kurzer Zeit aus. Abhilfe schafft eine Feder aus einem gebrauchten Kugelschreiber, der die anfällige Schnittstelle entlastet. Eine Schande was Apple ausliefert. I-Phone und I-Pad werden von mir beim nächsten Ausfall gewechselt zu Konkurrenzgeräten. Huawei ist mein Favorit.

  • Roland Schneider am 16.11.2017 19:54 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Berichtigung

    220 Volt waren mal, Heute werden wir mit 230 Volt versorgt!

  • Piso am 16.11.2017 19:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Und was ist mit dem Laptop?

    Mein Handy hängt noch häufig am Laptop. Weiss jemand, ob das auch gefährlich ist? Der Laptop ist ja auch kein offizielles Ladegerät.

  • Danny W. am 16.11.2017 19:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Erstaunlich...

    ... wie viele Spezialisten auf dem Gebiet der Elektronik und Elektrotechnik es huer gibt...