Neuer Online-Speicherdienst

20. Januar 2013 01:56; Akt: 20.01.2013 05:10 Print

Kim Dotcom fordert US-Justiz heraus

Der Internet-Unternehmer Kim Dotcom hat einen neuen Online-Speicherdienst gestartet. «Mega» soll die, von der FBI geschlossene Internetplattform Megaupload ersetzen.

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Kim Dotcom hat es wieder getan. Der deutschstämmige Unternehmer hob am Samstag den Online-Speicherdienst «Mega» aus der Taufe. Der Startschuss fiel genau auf den ersten Jahrestag seiner aufsehenerregenden Festnahme in Neuseeland. Hier auf dem Bild Dotcom beim Interview am 19. Januar 2013 in Auckland. Sind das nicht Kim Dotcom und Steve Wozniak? Tatsächlich: Der MegaUplad-Gründer lässt uns via Twitter wissen, er habe während seines Hausarrests in Neuseeland Besuch vom Apple-Mitgründer erhalten. «MegaWoz» sei ein grossartiger Typ, der sich dafür einsetze, dass die MegaUpload-Nutzer ihre vom FBI beschlagnahmten Dateien wieder zurückerhalten. Kim Dotcom twittert täglich über sein Leben zwischen Himmel und Hölle. Die USA haben ihn wegen Urheberrechts-Verstössen und weiteren Delikten angeklagt, ihm drohen bis zu 50 Jahre Gefängnis, falls er ausgeliefert würde. Das schreckt den Deutschen, der mit seiner Familie in einer gemieteten Luxusvilla lebt, offensichtlich nicht ab ... Trotzdem will er den Online-Musikdienst MegaBox lancieren. Via Twitter hat Dotcom den Screenshot einer Website veröffentlicht, die eine App für Android-Smartphones zeigt. Das Versprechen: «Unbegrenzter Platz für all deine Musik - gratis.» Seinem Humor bleibt der gewiefte Geschäftsmann treu. Er versteht es immer wieder aufs Neue, sich perfekt in Szene zu setzen. Dotcom tanzt wie immer auf zahlreichen Hochzeiten. Angeblich will er diesen Sommer ein eigenes, professionell produziertes Musik-Video herausbringen. Regelmässig hält er seine weltweite Fangemeinde über sein Familienleben auf dem Laufenden. Die Töchter beim Tisch-Fussball. Ein währschafter Zmorge - mit Ketchup. So soll das Cover zu Dotcoms erstem Musik-Album aussehen. Zwischendurch nimmt er das FBI auf die Schippe. Zu diesem Bild twitterte er, es gehe um eine Verschwörung («Racketeering») auf dem Tennisplatz. Dann wieder macht er sich über die Geldwäscherei-Anklage lustig. Und er vermisse das Online-Spielen.

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Kim Dotcom will es nochmals wissen: Vor einer für Sonntagabend (Ortszeit) geplanten Gala und Pressekonferenz startete der deutschstämmige Internetunternehmer den Dienst «Mega», der seine vom FBI geschlossene Internetplattform Megaupload ersetzen soll.

Der Startschuss für die neue Website fiel genau auf den ersten Jahrestag der aufsehenerregenden Festnahme Dotcoms in Neuseeland. Er wird der Internetpiraterie im grossen Stil beschuldigt, die US-Justiz hat seine Auslieferung beantragt. Amerikanischen Staatsanwälten zufolge verdiente sich Dotcom mit Megaupload eine goldene Nase, während Filmemacher und Songwriter rund 500 Millionen Dollar (rund 375 Millionen Euro) an Einnahmen für ihr geistiges Eigentum verloren.

Der in Kiel als Kim Schmitz geborene Dotcom argumentiert jedoch, er könne nicht für Urheberrechtsverletzungen von Dritten verantwortlich gemacht werden.

Nun will es der exzentrische Unternehmer, der in Neuseeland gegen Kaution aus der Haft entlassen wurde, noch einmal wissen: «Auf die Minute genau vor einem Jahr wurde Megaupload von der US-Regierung zerstört», twitterte Dotcom zum Start seiner neuen Plattform. «Willkommen bei http://Mega.co.nz !» Innerhalb weniger Stunden hätten sich 250.000 Nutzer bei dem Nachfolge-Speicherdienst registriert, hiess es weiter.

Daten verschlüsselt

Wie auch einst bei Megaupload können Nutzer nun bei Mega grosse Datenmengen hochladen, speichern und tauschen. Mit einem Speicherplatz von 50 Gigabytes lässt die neue Plattform zudem ähnliche Anbieter wie Dropbox und Google Drive weit hinter sich.

Der eigentliche Clou: Mit einer besonders findigen Funktion will sich Dotcom nach eigenen Angaben ein neues Justizdrama um Urheberrechtsverletzungen vom Leib halten und für mehr Privatsphäre sorgen. Hochgeladene Daten werden bei Mega umgehend verschlüsselt. Und über die entsprechenden Entschlüsselungscodes verfügt nicht etwa die Website, sondern der Nutzer - mit dem Ergebnis, dass Dotcoms Unternehmen keinen Einblick in Inhalte ausgetauschter Daten hat und damit auch nicht dafür haftbar gemacht werden kann.

«Er versucht, sich ein zweite Argumentationslinie zurechtzulegen: 'Selbst wenn ich vorher falsch lag, ist das hier schon in Ordnung, denn wie ich kann ich etwas kontrollieren, von dessen Existenz ich nichts weiss», sagte der in Sydney ansässige Anwalt Charles Alexander über Dotcom. «Ich kann das Argument zwar nachvollziehen. Ob es erfolgreich sein wird, steht aber auf einem anderen Blatt.»

US-Staatsanwälte wollten sich zunächst nicht zu Dotcoms neuem Internetprojekt äussern. Sie verwiesen nur auf ein Gerichtsdokument: Danach hatte der Unternehmer in seinem Kautionsantrag versichert, bis zur einer Einstellung des Strafverfahrens kein neues Geschäftsmodell im Stile von Megaupload starten zu wollen.

(sda/ap)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • K. Räschter am 21.01.2013 09:42 Report Diesen Beitrag melden

    Abzocke durch Film- und Musik-Industrie

    Aber dass die Film- und Musik-Industrie uns Konsumenten mit überrissenen Preisen schon jahrelang abzockt, daran stört sich die US-Justiz scheinbar nicht. Das fängt an bei den viel zu überbezahlten Film-Schauspielern (20-30 Mio Gage für einen Film ist wohl ein Witz) und geht weiter bei den Konzert-Preisen, welche für den kleinen Musik-Liebhaber bald nicht mehr bezahlbar ist. Hinzu kommen noch die Preise von CDs, DVDs und vorallem BlueRays, welche viel zu teuer sind. Vielleicht sollte sich mal die Unterhaltungs-Industrie besinnen und vom hohen Ross runter kommen.

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  • Karen am 20.01.2013 22:20 Report Diesen Beitrag melden

    Go Mr. Schmitz Go !

    Go Mr. Schmitz Go! Das Verfahren wird, anders als wie hier dargestellt, im Sande verlaufen. Dass wissen die amerikanischen Staatsanwälte, das weiss das FBI und das weiss jeder, der sich über unabängige Medien informiert.

  • Peter Meier am 20.01.2013 17:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kim Schmitz

    Kim Schmitz ist einfach geil! Die *Künstler* verdienen sich eine goldene Nase. Ich finde es gut, dass so das Gesetz umgegangen wird. Gratulation Mega! :)

Die neusten Leser-Kommentare

  • Andy am 21.01.2013 10:12 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    gauner

    An alle die Kim für einen grossen Helden des Internet halten oder ihn mit Robin Hood vergleichen . Lest euch doch mal den Wikipedia Artikel über ihn durch. Das stehen einige Interessante Dinge über seinen kriminellen Lebenslauf

    • Fritz am 21.01.2013 23:31 Report Diesen Beitrag melden

      Jaja, ein ganz Böser ist das wohl

      @Andy...In einer Welt, in der Regierungen und Länder, öffentlich zum Hehler werden in dem sie CD's mit gestohlenen Bankdaten kaufen, ist das Geschehen rund um Kim Schmitz höchstens unter ferner liefen, ein zu stufen.

    • Kurt am 22.01.2013 07:57 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Kennt doch jeder

      Das macht ihn ja grad so spannend. Die geschichten kennt ja jeder

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  • K. Räschter am 21.01.2013 09:42 Report Diesen Beitrag melden

    Abzocke durch Film- und Musik-Industrie

    Aber dass die Film- und Musik-Industrie uns Konsumenten mit überrissenen Preisen schon jahrelang abzockt, daran stört sich die US-Justiz scheinbar nicht. Das fängt an bei den viel zu überbezahlten Film-Schauspielern (20-30 Mio Gage für einen Film ist wohl ein Witz) und geht weiter bei den Konzert-Preisen, welche für den kleinen Musik-Liebhaber bald nicht mehr bezahlbar ist. Hinzu kommen noch die Preise von CDs, DVDs und vorallem BlueRays, welche viel zu teuer sind. Vielleicht sollte sich mal die Unterhaltungs-Industrie besinnen und vom hohen Ross runter kommen.

    • Lukas am 21.01.2013 15:53 Report Diesen Beitrag melden

      Immer die armen Konsumenten.

      Hier gehts nicht um die Abzocke und das, was du zu teuer findest. Hier geht es um illegale Machenschaften. Oder findest du es toll, wenn ein Obdachloser bei dir einbricht nur weil er glaubt, du hättest doch eh zuviel? Es gibt Gesetze und daran hält man sich!

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  • Roger S. am 21.01.2013 00:11 Report Diesen Beitrag melden

    Ein fetter Angeber

    Viel mehr ist der nicht. Schon interessant wie die Leute so jemanden glorifizieren. Er hat sich mir der Arbeit anderer bereichert. Was daran bewundernswert sein soll muss mir erst einer erklären.

  • Karen am 20.01.2013 22:20 Report Diesen Beitrag melden

    Go Mr. Schmitz Go !

    Go Mr. Schmitz Go! Das Verfahren wird, anders als wie hier dargestellt, im Sande verlaufen. Dass wissen die amerikanischen Staatsanwälte, das weiss das FBI und das weiss jeder, der sich über unabängige Medien informiert.

  • Jacy am 20.01.2013 19:17 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Keine Verbindung zu Mega.co.nz

    Scheint zur Zeit überlastet zu sein :(

    • Hans Nötig am 20.01.2013 20:02 Report Diesen Beitrag melden

      Mega...

      Bei mir leider dass gleiche Problem... -.-'

    • Kevin am 20.01.2013 20:38 Report Diesen Beitrag melden

      Ins schwarze getroffen

      Genau das gleiche Problem :-), ich konnte mich zwar noch abmelden, aber die Webseite war extrem laaaaaangsam... Da schein Kim Dotcom wieder ordentlich Kohle zu machen - Das Internet ist halt das Medium, das am meisten Millionäre hervorbringt.

    • sascha am 21.01.2013 09:30 Report Diesen Beitrag melden

      bei mir funzt es

      am pc kein problem, jedoch am ipad oder iphone muss zuerst noch ein app entstehen.

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