Wegen US-Spionage

10. Juli 2013 22:13; Akt: 10.07.2013 22:13 Print

Schweizer Datentresore sind nicht sicher

von Ch. Holzer - Dank NSA-Whistleblower Edward Snowden boomen Schweizer Rechenzentren. Laut Experten hat das Daten-Business viel Potenzial. Allerdings gerät der Datenschutz auch in der Schweiz unter Druck.

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Geht weg wie warme Weggli: Speicherplatz im Datacenter von Green.ch (Bild: Keystone/Martin Ruetschi)

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Seit der ehemalige Geheimdienstmitarbeiter Edward Snowden der Welt erzählt hat, wie gross der Datenhunger der NSA ist, reissen sich Unternehmen um Speicherplatz auf Schweizer Boden: «Allein in den letzten drei Wochen ist unser Mail-Bereich um 30 Prozent gewachsen», sagt Franz Grüter, CEO des Datacenters Green.ch. Die Anfragen für Speichervolumen hätten sich im letzten Quartal verdoppelt.

Auch im Zürcher Rechenzentrum Artmotion spürt man die Nachfrage. Für Geschäftsführer Mateo Meier ist klar: «Seit Eward Snowden die dubiosen Spionage-Praktiken publik gemacht hat, ist das Misstrauen gegenüber amerikanischen Servern gross.» Weil sich die USA dank eines EU-Abkommens auch an europäischen Servern vergreifen können, seien Rechenzentren in Nachbarländern weniger gefragt. Dennoch melden sich derzeit vor allem Schweizer Betriebe bei der Artmotion: «Unternehmer wollen ihre Daten jetzt wieder im eigenen Land haben, wo die Gesetze klar und bekannt sind», so Meier.

Die Schweiz als Daten-Fort-Knox

Die Sicherheit hat seinen Preis: Schweizer Rechenzentren sind rund 25 Prozent teurer als solche in den USA oder den meisten EU-Ländern. In diesem Segment sei die Preisfrage jedoch sekundär: «Geld kann man ersetzen, Daten nicht. Das sind sich unsere Kunden bewusst», so Meier. Dank politischer Stabilität, Know-how und geeigneter Infrastruktur bietet die Schweiz ideale Rahmenbedingungen, um Daten zu lagern.

Einen totalen Schutz gibt es gemäss Bruno Baeriswyl, dem Datenschutzbeauftragten des Kanton Zürich, aber nicht: «Auch ein Datacenter in der Schweiz bietet keine Sicherheit gegen die NSA.» Immerhin: Im Vergleich zu anderen Ländern braucht es hierzulande einen richterlichen Beschluss, um auf Server zugreifen zu dürfen.

Geschäftszweig mit Zukunft

Weil sich die Menge gespeicherter Daten jährlich um 45 Prozent erhöht, sieht Economiesuisse im Rechencenter-Business ein grosses Zukunftspotential. In einer Studie beziffert der Wirtschaftsdachverband die jährlichen Investitionen schweizweit auf mehrere 100 Millionen Franken. Er rechnet damit, dass der Bereich jährlich um zehn Prozent wachsen wird.

Auch die Swisscom investiert im grossen Stil: Sie baut derzeit für rund 100 Millionen Franken ein neues Rechenzentrum in Bern-Wankdorf. Daneben hat auch Green.ch bereits Investitionen in der Höhe von 120 Millionen Franken geplant.

Bundesrat will Datenschutz lockern

Der Schweizer Datenschutz könnte jedoch schon bald an Festigkeit verlieren. Das Eidgenössische Justiz- und Polizeidepartement verfasste unter der Leitung der damaligen Vorsteherin Eveline Widmer-Schlumpf eine Gesetzesänderung. Mutmassliche Straftäter sollen über das Internet überwacht werden dürfen und Daten länger aufbewahrt werden.

Damit könnten Daten künftig auch hierzulande nur auf einen Verdacht hin eingesehen werden. Den Schweizer Rechenzentren könnte dies den Wettbewerbsvorteil, den sie durch die restriktiven Datenschutz-Standarts geniessen, verhageln. Ihnen ist das Vorhaben denn auch ein Dorn im Auge: «Wird die Gesetzesänderung angenommen, werde ich auf jeden Fall das Referendum ergreifen», sagt Franz Grüter von Green.ch. Das Parlament wird voraussichtlich in der Herbstsession über die Gesetzesänderung bestimmen.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Roger S. am 10.07.2013 22:23 Report Diesen Beitrag melden

    Bis Big Brother USA

    den automatischen Datenaustausch verlangt und Widmer-Schlumpf ihnen die Server-Keller öffnet

    einklappen einklappen
  • Planer am 11.07.2013 08:26 Report Diesen Beitrag melden

    ich bau dann mal weiter RZ...

    Schön, mal etwas aus meiner Branche. Fakt ist, dass in der CH immer noch munter RZ geplant und (manchmal auch) gebaut werden. Alleine schon über den Datenzuwachs wird es in unserer Branche nie langweilig. "Jährlicher Wachstum von 10%"... hmm. Muss ich jetzt heute länger arbeiten?

  • margot am 11.07.2013 08:18 Report Diesen Beitrag melden

    CH werte bye bye

    ja wir öffnen die Server für alle denn wer was verbirgt ist verdächtig Privatsphäre gibt es nicht mehr und die CH wird wie bei den Banken KUSCHEN wie immer die bünzli Politiker

Die neusten Leser-Kommentare

  • Sascha am 11.07.2013 22:16 Report Diesen Beitrag melden

    Datenleck

    Wird höchste Zeit das dies einer mal erkennt! Anstatt lösungen zu suchen und "neue Geldquellen" anzapfen, weint man in Bern immernoch dem Bankgeheimniss hinterher! Macht mal vorwärts und schützt meine Daten! Ich möchte nicht ,nur weil mir das Internet als GRUNDRECHT garantiert, ununterbrochen durch Geheimdienste jeglicher Länder konntrolliert"werden! Setzt dem ein Ende. glauben Sie mir es wird ein RIIIIIEEEESEN Datenchaos. Oder wollen Sie das Leute die Ihnen nie im leben begegen werden , über sämtlichen Privaten Daten verfügen?! Weil der Staat verlangt ja praktisch den PC!

  • KarinY am 11.07.2013 13:54 Report Diesen Beitrag melden

    Juhu

    Dann gibt es ja noch genug Jobs für Informatiker in der CH :-) Hoffe nur, dass der Datenschutz NICHT gelockert wird, ist jetzt schon zu leger! Und wichtige Daten überträgt man auch nicht via "Internet".

  • Planer am 11.07.2013 08:26 Report Diesen Beitrag melden

    ich bau dann mal weiter RZ...

    Schön, mal etwas aus meiner Branche. Fakt ist, dass in der CH immer noch munter RZ geplant und (manchmal auch) gebaut werden. Alleine schon über den Datenzuwachs wird es in unserer Branche nie langweilig. "Jährlicher Wachstum von 10%"... hmm. Muss ich jetzt heute länger arbeiten?

  • RP am 11.07.2013 08:23 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Datenbankgeheimnis

    Wir haben das Bankgeheimnis verloren. Aber nun haben wir ein neues Geheimnis: Das DATENbankgeheimnis! Die Schweiz hat halt den richtigen Riecher. Ich hoffe einfach, dass der Schlumpf dieses Geheimnid nicht auch noch auflöst!

  • margot am 11.07.2013 08:18 Report Diesen Beitrag melden

    CH werte bye bye

    ja wir öffnen die Server für alle denn wer was verbirgt ist verdächtig Privatsphäre gibt es nicht mehr und die CH wird wie bei den Banken KUSCHEN wie immer die bünzli Politiker