LCD-Erfinder geehrt

29. Mai 2013 11:01; Akt: 29.05.2013 17:03 Print

Schweizer «Vater des Pixels» erhält Erfinderpreis

Der Baselbieter Physiker Martin Schadt ist mit dem Europäischen Erfinderpreis ausgezeichnet worden. 1970 hatte er das Patent angemeldet. Heute finden sich LCDs in nahezu allen Alltagsgeräten.

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Er hat die LCD-Technik vor 43 Jahren als Erster patentieren lassen. Heute steckt die Technologie in jedem TV, Smartphone oder Laptop.

Der Schweizer Erfinder der LCD-Technologie für Flachbildschirme wurde am Dienstag in Amsterdam für sein Lebenswerk mit dem Preis des Europäischen Patentamtes (EPO) geehrt.

Bereits 1970 hatte Schadt das erste Patent für Flüssigkristalle angemeldet. «Die Erfindung von Martin Schadt hat unser Leben verändert und eine ganze Industrie begründet», sagte der Präsident des Patentamtes, Benoît Battistelli.

Flüssigkristalle sind organische Verbindungen, die sowohl die Eigenschaften von Flüssigkeiten als auch von Festkörpern haben. Der aus Liestal BL stammende Physiker Martin Schadt sei einer der Ersten gewesen, die ihr Potenzial für die Elektronikindustrie erkannt hätten, schreibt das EPO in einer Mitteilung.

Unter elektrischer Spannung ändern Flüssigkristalle ihre Lichtdurchlässigkeit. Bei LCDs (Englisch: liquid crystal display) werden diese Kristalle zwischen zwei Scheiben in ein Raster gepresst. Die Rastersegmente, die Pixel, können einzeln angesteuert und hell oder dunkel geschaltet werden. Heute finden sich Flüssigkristallanzeigen in nahezu allen Alltagsgeräten.

Störsender gebaut

Neugier für Elektronik zeigte der heute 74-jährige Martin Schadt schon als junger Mann: Aus Teilen alter Radios baute er als 16-Jähriger als Hobby rudimentäre Kurzwellensender zusammen, mit denen er den örtlichen Funkempfang stören konnte - sehr zum Leidwesen der Nachbarn.

Nach einer vierjährigen Lehre als Elektriker in Basel besuchte Schadt zunächst Abendkurse und machte dann den Hochschulabschluss in Experimentalphysik. «Ich bin ein sehr neugieriger Mensch und interessiere mich dafür, wie Dinge funktionieren. Aus diesem Grund habe ich Physik studiert», sagte Schadt in einem Bericht der EPO.

Patent für Drehzellen-Effekt

Schadt arbeitete von 1970 bis 1994 bei der damaligen F. Hoffmann-La Roche in Basel. 1970 meldeten er und sein Kollege Wolfgang Helfrich ein Patent für den sogenannten Drehzellen-Effekt an, der die LCD-Industrie begründete, die allein im Jahr 2012 einen Umsatz von rund 100 Milliarden US-Dollar verzeichnen konnte.

«Dieser durchschlagende Erfolg war in den 1970er-Jahren nicht voraussehbar», sagte Schadt, der bis 1994 Leiter der Forschungsabteilung für Flüssigkristalle bei Roche blieb. Diese wurde dann als eigenständiges Unternehmen unter dem Namen Rolic Ltd. ausgegliedert, dessen CEO und Vorstandsmitglied Schadt bis zu seiner Pensionierung im Oktober 2002 war.

Heute hält Schadt 110 Patente und gewann zahlreiche Wissenschaftspreise. Der Erfinderpreis wurde ihm an einer Gala in Amsterdam verliehen, der die niederländische Prinzessin Beatrix und rund 500 internationale Gäste beiwohnten.

Weitere Erfinderpreise

Die internationale Jury zeichnete weitere herausragende Leistungen auf den Gebieten Technik, Gesundheits- und Computertechnologie aus: sanft schliessende Möbelscharniere (Österreich), Nano-Kapseln zur Krebstherapie (Frankreich, Italien), ein kostengünstiges und einfaches Verfahren in der Genforschung (Schweden) sowie die USB-Technologie (USA).

Der Europäische Erfinderpreis wird seit 2006 jährlich vom Europäischen Patentamt in München verliehen.

(owi/sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Fabio Vivian am 29.05.2013 14:35 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schweizer Innovation

    Da siehtan, was die Ressource "Bildung" alles möglich machen kann. Diese wertvolle schweizer Ressource sollte man unbedingt weiter fördern und fordern. Soll noch einer sagen, die faulen Studenten taugen zu nichts ;)

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  • Marcel am 29.05.2013 13:26 Report Diesen Beitrag melden

    Stolz

    Schöner Bericht. Wusste nicht, dass das LCD von einem Schweizer erfunden wurde. Gerade solche Nachrichten machen mich stolz, Schweizer zu sein. Schöner gegenpol zu all den Korruptionsvorwürfen, Bankenberichten, Krawallen...

  • Dr. Electric am 29.05.2013 16:24 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Überall?

    Jeder Fernseher und jedes Handy? Nicht ganz. Plasma- und OLED-Displays basieren auf anderen Technologien. Nichtsdestoweniger eine der grossen Erfindungen der Elektrotechnik.

Die neusten Leser-Kommentare

  • L.B. am 29.05.2013 23:16 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    vo schönebuech bis ammel

    Das Beste an dem ganzen ist, dass es sich um einen Liestaler handelt. Da ist man gleich ein bisschen stolzer aus dem schönen Liestal zu kommen :) Das Baselbiet trumpft langsam richtig auf mit seinen internationalen Persönlichkeiten. Der Roger Federer kommt ja von Lausen was gleich an Liestal liegt. Dann hat das Baselbiet noch den Albert Hoffmann. Den General Sutter und der DJ Antonie, Baschi. Naja es wird wohl noch berühmtere geben xD

  • Hans Rudolf Maurer am 29.05.2013 16:54 Report Diesen Beitrag melden

    LCD ist nicht gleich PIXEL

    PIXEL steht für picture element (Bildelement). Der Ausdruck stammt aus der Farbreproduktion und hat nichts mit LCD zu tun!

    • Suter am 29.05.2013 21:11 Report Diesen Beitrag melden

      Natürlich

      ähm doch? genau wie bei einem gedruckten Bild, ist ein Pixel beim Bildschirm ein Teil des Bildes (Picture Element). Viele dieser Bildpunkte bilden dann ein ganzes Bild. sie sollten lieber mal etwas mehr recherchieren...

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  • Dr. Electric am 29.05.2013 16:24 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Überall?

    Jeder Fernseher und jedes Handy? Nicht ganz. Plasma- und OLED-Displays basieren auf anderen Technologien. Nichtsdestoweniger eine der grossen Erfindungen der Elektrotechnik.

  • Fabio Vivian am 29.05.2013 14:35 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schweizer Innovation

    Da siehtan, was die Ressource "Bildung" alles möglich machen kann. Diese wertvolle schweizer Ressource sollte man unbedingt weiter fördern und fordern. Soll noch einer sagen, die faulen Studenten taugen zu nichts ;)

    • BlubbiBlubbBlubb am 29.05.2013 16:04 Report Diesen Beitrag melden

      Die faulen taugen auch nichts

      sondern nur die fleissigen. War schon immer so und wird immer so bleiben.

    • C.S. am 29.05.2013 16:34 Report Diesen Beitrag melden

      Innovation ist nicht lernbar ...

      Die Fähigkeit, Innovationen zu schaffen ist vielmehr eine Gabe. Man hat sie oder eben nicht. Es geht dabei schliesslich um etwas neues, dass es so vorher noch nicht gab. Theoretische Bildung kann dabei höchstens unterstützen, denn es ist "nur" eine Zusammenfassung von Dingen die bereits bekannt sind..

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  • A. Huber am 29.05.2013 14:18 Report Diesen Beitrag melden

    Und wer hat's erfunden?

    Eine tolle Nachricht und super Leistung! Schade nur, dass die Schweiz das Potential zu wenig erkannte und die Asiaten am Schluss das grosse Geschäft damit gemacht haben.