Wer braucht 100 Megabit?

10. November 2012 13:54; Akt: 10.11.2012 13:54 Print

Swisscom zündet den Daten-Turbo

von Kurt Haupt, sda - Im Dezember führt der grösste Schweizer Mobilfunkprovider ultraschnelles Surfen mit LTE ein. Doch die iPhone-Nutzer müssen sich etwas länger gedulden.

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Dass iPhones bei Swisscom das schnelle LTE einige Wochen später nutzen können als die LTE-Geräte anderer Hersteller, liegt an Apple. (Bild: Gaetan Bally)

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Nächsten Monat wird Swisscom LTE (Long Term Evolution) breit einführen. Und ab dem kommenden Jahr schalten auch Orange und Sunrise schrittweise den Handy-Turbo ein. Wer LTE mit Notebooks und Smartphones nutzt, surft unterwegs mit Rekordtempo. Und selbst wer kein LTE-Gerät besitzt, wird von der neuen Technik profitieren.

Wie viel schneller surft ein im diesjährigen Weihnachtsgeschäft aktuelles Smartphone als das erste internettaugliche Handy aus dem Jahre 1996? Nein, es ist weder doppelt, noch zehnfach noch hundertfach schneller. Wer eine Tausendfache Steigerung orakelt, pokert zwar hoch, aber noch immer eine Zehnerpotenz zu tief. Das Handy-Surftempo hat sich innert 15 Jahren um den Faktor 10 000 beschleunigt.

Ein neues Smartphone mit LTE schaufelt nominell pro Sekunde 100 Millionen Bits (100 Megabit/s) durch die Luft, der Nokia Communicator aus dem Jahre 1996 bröselte pro Sekunde 9600 Einsen und Nullen (bit/s) über seine Funkantenne.

Filme als Datenmonster

Doch wer braucht eigentlich 70 bis 80 Megabit pro Sekunde, welches LTE in der Praxis unter optimalen Bedingungen auf Handy oder Notebook bietet? Eine Twitter-Meldung ist gerade mal einige Tausend Bits lang, eine E-Mail flutscht auch schon heute innert Sekundenbruchteilen durch das Netz.

Zwingend benötigen LTE die wenigsten, aber haben wollen tun es alle, die ihre Unterhaltung mobil geniessen. Denn die grossen Datenmengen werden heute längst nicht mehr von Texten, Tabellen und E-Mails verursacht, sondern von Fotos, Musik und vor allem Videos und Live-Fernsehen.

Bewegte Bilder sind nicht nur die grössten Datenverursacher, sondern auch die «ungeduldigsten» Anwendungen. Während man auf ein E- Mail einige Sekunden warten kann, nervt es ungemein, wenn beim Film immer wieder das Bild «zerbröckelt», weil die Daten zu langsam angeliefert werden.

Entscheidend für den neuen Datenhunger ist aber auch die bessere multimediale Qualität. Während Ur-Handys Fotos noch in Briefmarkengrösse abbildeten, können moderne Smartphones Videos in HD-Qualität anzeigen. Handy-Bildschirme mit Millionen Bildpunkten müssen also mit Daten gefüttert werden. Eine Verdoppelung der Qualität führt dabei zu einer Vervierfachung der Datenmenge.

Musik nicht mehr auf dem Handy

Das Handy-Datennetz wird aber auch durch die Cloud-Dienste stark belastet. Denn immer seltener befinden sich alle persönlichen Daten schon auf dem Handy, sondern werden erst bei Nutzung aus dem Internet abgerufen. Das betrifft beispielsweise Musik. Statt auf dem Speicherkärtchen des Handys seine MP3-Dateien mitzutragen, abonniert man einen Musikdienst mit Millionen von Songs.

Beim Musikhören muss dann aber jeder Titel erst aus dem Internet heruntergeladen werden. Im Gegenzug schickt das Handy auch immer mehr Daten ins Internet und in die Datenwolke. Geknipste Fotos werden sofort in Fotosammlungen im Internet publiziert oder in sozialen Netzwerken gepostet. Dank immer besserer Fotoqualität der Handys wachsen die Dateigrössen dabei ebenfalls permanent.

Alle profitieren von LTE-Netzen

Bei der Frage «Wer braucht 100 Megabit?» wird oft vergessen, dass Handy-Datennetze wie ein Fondue funktionieren. Genauso wie sich beim Käseschmaus alle aus einem Caquelon bedienen, teilen sich auch bei LTE mehrere Nutzer die 100 Megabit Maximalleistung einer LTE-Zelle beziehungsweise eines Sendemasten.

Besonders deutlich wird das beim Surfen im Zug. Bei LTE können maximal hundert Mitfahrende noch mit je einem Megabit Datenrate mit dem Smartphone surfen. Auch Zugreisende, die selber gar kein LTE- Gerät haben, profitieren indirekt von neuen Netz.

Weil viele Intensiv-Nutzer bereits die neue LTE-Technik verwenden, belasten sie das herkömmliche Datennetz von UMTS und HSPA nicht mehr. Dieses bietet dadurch den Besitzern von älteren Geräten wieder mehr Surftempo.

Kein Frequenzchaos in der Schweiz

Weil weltweit die Funkfrequenzen rar werden, können die Telekomanbieter für LTE rund ein Dutzend Frequenzen zwischen 700 und 2600 MHz nutzen. LTE-Geräte «verstehen» davon drei bis fünf Varianten. Dies führte dazu, dass erste LTE-Geräte, wie das iPad 3, ausschliesslich in den USA zu gebrauchen waren.

In der Schweiz werden voraussichtlich Orange, Sunrise und Swisscom für LTE die Frequenzbänder von 800, 1800 und 2600 MHz verwenden. Apples neue Geräte verstehen davon zwar nur eine (1800 MHz), das iPhone 5 wird aber dennoch bei allen drei Anbietern das neue schnelle Mobilfunknetz 4G nutzen können.

Apple führt Tests durch

Dass iPhones bei Swisscom das schnelle LTE einige Wochen später nutzen können als die LTE-Geräte anderer Hersteller, liegt an Apple. «Apple möchte Tests auf den LTE-Netzen durchführen, bevor die Funktion per Softwareupdate freigeschaltet wird», erklärte Olaf Schulze von Swisscom. «Somit können iPhone-5-Kunden 4G nicht direkt beim Start des neuen Netzes nutzen, sondern erst mit Verzögerung.»

Wer nicht warten will, kauft Smartphones von HTC, LG, Nokia und Samsung, die meist auch alle drei Schweizer Frequenzen unterstützen. In der Praxis werden also die meisten LTE-Smartphones und USB-Sticks eines Providers auch im LTE-Netz der Konkurrenten arbeiten.

Alle LTE-Geräte kommen übrigens mit den bisherigen Funktechniken wie UMTS, HSDPA, EDGE und GPRS zurecht. Wer sich also ein LTE-Gerät vom Weihnachtsmann wünscht, kann das mobile High-Speed-Internet in den Städten bereits nutzen und in den Randgebieten die bisherige Technik verwenden.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Tja.. am 12.11.2012 14:35 Report Diesen Beitrag melden

    Hungernde Menschen?

    Ich habe 100 MB pro Monat, und es reicht mir vollkommen, warum zum Teufel muss der Mensch immermehr verschwenderisch sein und nicht einfach mal glücklich mit dem was er hat? Schade das das Geld zum entwickeln von der Technik nicht in Hungernde mitmenschen gesteckt wird, es verhungern täglich tausende von Menschen..

    • Bruno am 12.11.2012 21:14 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Sowas kommt vor

      Ja, und?

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  • egal am 12.11.2012 12:20 Report Diesen Beitrag melden

    Datenturbo?

    Das tolle daran ist, dass das einzige Abo der Swisscom welches überhaupt erlaubt mit einer Datenrate von 100 Mb/s zu surfen 169.- Fr. pro Monat kostet. Das nächste in der Reihe kostet noch 129.- und erlaubt genau 21 Mb/s. Cool Story Swisscom... Ich vermute, dass ein online Newsportal für solch affine Beiträge auch genügen Geld von demjenigen Mobilfunkanbier erhält/verlangt...

  • U. F. am 12.11.2012 12:20 Report Diesen Beitrag melden

    Perfektionismus à la Suisse

    Alle, die sich hier negativ äussern, sollen mal im Ausland, z. B. in anderen Weltstädten, sich mit dem Netz verbinden und dürften merken, dass die Schweiz bereits über eines der besten und dichtesten Netze der Welt verfügt. Auch angesichts der Topograpie und im ausgewogenen Interesse der Bevölkerung!

    • Schlaumeier am 12.11.2012 13:04 Report Diesen Beitrag melden

      Es geht auch besser

      Andere Weltstädte haben gratis flächendeckendes Wlan

    • Medicus am 12.11.2012 13:19 Report Diesen Beitrag melden

      Genau so

      Für zweckmässige Anwendungen hat es garantiert mehr als genug Kapazität. Allen, die auf ihren Smartphones etc. auch noch breitbandiges TV etc. exzessiv und überall konsumieren möchten, geht es auf der kabelverbundenen Heimelektronik am besten und erst noch in störungsfreier Qualität. Auch wenn die Industrie das für ihre Spielzeuge wider besseres Wissen unsinnigerweise propagiert. Klar besser für die Augen, die spätere Sehkraft und die Körperhaltung. Potenzielle Gesundheitskosten lassen grüssen, so nebenbei...

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  • Heinz Wegmüller am 12.11.2012 10:39 Report Diesen Beitrag melden

    Häh, was?!

    Ich dachte, die Weihnachtsgeschenke werden in der Schweiz vom Christkind gebracht...

  • Landei am 12.11.2012 10:04 Report Diesen Beitrag melden

    Andere Prios zuerst

    Swisscom soll mal lieber schauen, dass ÜBERALL ein vernünftiges Netz besteht - ich habe zu Hause praktisch null Empfang! Da ich "nahe" an der D-Grenze wohne, funkt mir dass noch das D-Netz rein und ich muss dann schauen dass mein Natel nicht auf einmal einen D-Mobilfunkanbieter aufschaltet! Ebenfalls sollte die Swisscom mal die ganzen Festnetztleitungen erneuern - auch hier (altes Haus) muss ich die langsamste Internetverbindung anwählen, sonst haut es mich immer aus dem Netzt

    • Bruno Winkler am 12.11.2012 14:18 Report Diesen Beitrag melden

      Datenturbo

      Meine Worte. Ich habe eine max. Internetübertragung von 1200kbs/s. Da verdurstet man bei grösseren Daten! Ich muss noch bis mind. Mai 2013 warten, bis ich auf 8000kbs/s komme. Träume sind Schäume.

    • J. Rusch am 12.11.2012 17:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Betrug

      Bei uns in Weiach ZH zeigt die UMTS Abdeckungskarte der Swisscom, schon seit mehr als einem Jahr, volle Abdeckung an. In der Realität aber hat es diverse Funklöcher im langsamen GSM Netz. Ein UMTS (3G)-Netz ist im ganzen Dorf nicht zu empfangen. Diese Netz-Abdeckungskarten der Swisscom sind reiner Schwindel und Betrug am Kunden und haben mit der Realität überhaupt nichts zu tun.

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