Digitale Schweiz 2030

24. Oktober 2014 14:51; Akt: 24.10.2014 17:35 Print

«Ohne Internet sind wir taub, blind und nackt»

von T. Bolzern - Wie vernetzen sich Schweizer im Jahr 2030? Und: Wer hat die Kontrolle über all unsere Daten? Trendforscherin Karin Frick skizziert vier mögliche Szenarien.

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Vor 15 Jahren haben wir uns via Analog-Modem ins Internet eingewählt. Heute ist das Internet mobil und (fast) überall verfügbar. Die Vernetzung hat unser Leben verändert. Fernsehen, soziale Medien, Apps – zu jeder Zeit, an jedem Ort.

Doch die Vernetzung stehe noch am Anfang, sagte Swisscom-CEO Urs Schaeppi heute am Gottlieb Duttweiler Institut (GDI) vor den Medien. Denn bald dringt die Digitalisierung in alle Segemente der Wirtschaft und der Gesellschaft vor – genauso wie in unseren Körper.

Doch wie sieht die vernetzte Schweiz im Jahr 2030 aus? Das GDI hat im Auftrag der Swisscom in die Zukunft geblickt und skizziert vier Szenarien, wie wir in 15 Jahren leben könnten. Wo liegen die Gefahren der totalen Vernetzung? Wer sind die neuen Spielmacher? Was für eine Rolle spielt das Internet der Dinge? GDI-Zukunftsforscherin Karin Frick gibt Auskunft.

Frau Frick, gibt es in 15 Jahren das Internet in der heutigen Form überhaupt noch?
Nein. Denn nichts verändert sich so schnell wie das Internet. Ich glaube aber, dass sich die Aufregung um das Internet legen wird. Denn es wird alles durchdringen. Es verbindet sich mit unseren Körpern, aber auch mit unserer Umgebung. Es wird zunehmend unsichtbar und rückt dadurch in den Hintergrund. Gleichzeitig gibt es nicht mehr ein Gerät, das wir mit uns herumtragen. Die Vernetzung wird selbstverständlich. Das hat eine Kehrseite: Wenn wir nicht angeschlossen sind, werden wir uns taub, blind und nackt fühlen.

Sie haben das Internet der Dinge angesprochen. Experten gehen davon aus, dass bis 2020 rund 50 Milliarden «Dinge» vernetzt sind. Wer kontrolliert diese unglaubliche Datenmenge, die dann generiert wird?
Hier werden neue Konzepte entstehen. Da ja zum Beispiel die Daten meiner vernetzten Nike-Turnschuhe nur an den Server des Herstellers gehen. Das ist aber nicht spannend. Spannend wird es erst, wenn auch die Daten meiner Adidas-Schuhe in einem gemeinsamen Pool landen, um ein komplettes Bild meiner Aktivitäten abzubilden. Die grosse Frage ist, wer hier den Lead für eine Suchmaschine für «Dinge» übernehmen wird. Google liefert mit dem Projekt Physical Web bereits einen möglichen Ansatz.

Wo liegt bei all dieser Vernetzung der gute Mix zwischen Freiheit und Sicherheit?
Die Frage ist hier: Wer hat die Kontrolle über diese Datenprofile? Es braucht ja einen Austausch zwischen dem Anbieter und den Nutzern. Dieser muss reguliert sein. Dann wird es wahrscheinlich verschiedene Stufen von Austauschmöglichkeiten geben, sodass der Nutzer wählen kann, wie viele Daten er von sich preisgibt.

Wie gehen Sie persönlich mit ihren Daten um?
Ich bin sehr offen und wenig ängstlich im Umgang mit meinen Daten. Jedoch habe ich nicht das Bedürfnis, mich zum Beispiel über Twitter gross zu präsentieren und dort alles kundzutun, was ich gerade mache. Doch bin ich neugierig: Wenn ich eine Dienstleistung als spannend empfinde, bin ich nicht sehr zurückhaltend mit persönlichen Daten.

In Ihrer Studie skizzieren sie vier Szenarien, wie die digitale Gesellschaft im Jahr 2030 aussehen könnte. Welches Szenario wünschen Sie sich für die Schweiz?
«Dynamic Freedom» (hoher Wohlstand, hohe Selbstkontrolle) ist sicher das positivste Szenario. Ich denke, die Schweiz hat insofern gute Voraussetzungen, da hierzulande bereits eine gewisse Abneigung gegen eine zu grosse und zentrale Macht herrscht. Zudem unterstützt dieses Szenario die Demokratie. So ist der Grundmechanismus dieses Szenarios quasi schon Teil unserer Kultur.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Nackedei am 24.10.2014 17:58 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Mit Internet

    Mit Internet sind gewisse Leute auch nackt :)

  • Beat Winsler am 24.10.2014 17:45 Report Diesen Beitrag melden

    so so

    Mit Internet sind wir durchsichtig, überwacht, ohne Privatsphäre, dem Konsum ausgeliefert, verlieren die Freiheit und verdummen.

  • selbermacher am 24.10.2014 18:17 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    bitte nicht

    ich...ein mitarbeiter von urs.....möchte in 15 jahren noch in etwa so leben wie heute! lasst mich einkaufen wann ich will und was ich will...ich möchte es auch selber heim schleppen. lasst mich nie ein auto benutzen das ich nicht selber fahren darf. ich hoffe das kommt nie so weit.

Die neusten Leser-Kommentare

  • su am 26.10.2014 11:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    internet ??

    das internet verschwindet so schnell wie es gekommen ist. andere werte werden es unwichtig machen.

  • Tom am 25.10.2014 18:19 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Immer Jugendliche

    Wenn es um Sucht geht wird immer nur von JUGENDLICHEN geredet! Dabei sind Erwachsene nicht besser!

  • Heinrich am 25.10.2014 14:39 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wahrheit

    "taub, blind und nackt" in Zukunft. Pardon, aber den Jugendlichen geht es doch jetzt schon so, wenn sie "ohne es" sind.

  • anja am 25.10.2014 13:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    low horizon

    Ich glaube, der Trend geht Richtung Low Horizon

  • liaita am 25.10.2014 13:43 Report Diesen Beitrag melden

    sicher nicht

    sorry, wer bitte will sich von einem Computer sagen lassen, was er anziehen will? Oder was er einkaufen muss? Ich hab nicht immer auf dasselbe Lust, und Kleidung muss man immer noch anprobieren. Das ist doch lächerlich, diese Berechnung.