Evernote-Boss Libin

08. Februar 2013 15:10; Akt: 08.02.2013 17:57 Print

«Googles Smart-Brille - das nächste grosse Ding»

von Oliver Wietlisbach - 50 Millionen Private und Firmen vertrauen der Notizen-App Evernote ihre Geheimnisse an. Firmengründer Phil Libin über die Vorteile der Schweiz, Online-Sicherheit und Steve Jobs.

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Evernote-Gründer Phil Libin hat einen guten Riecher für neue Geschäftsideen. Sein Online-Notizbuch Evernote gehört zu den erfolgreichsten Apps für Android, iPhone oder Windows Phone. (Bild: Evernote)

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Notizen online speichern und jederzeit mit dem Smartphone, Tablet oder PC abrufen. Mit dieser simplen Idee hat Evernote in wenigen Jahren 50 Millionen Nutzer gewonnen. Im Interview erklärt Evernote-Chef Phil Libin, warum er Zürich als internationales Hauptquartier auserkoren hat, warum er Geschäftsgeheimnisse online speichert und warum Googles Hightech-Brille die Zukunft gehört.

Evernote ist wie Apple oder Google im kalifornischen Sillicon Valley gross geworden. Warum haben Sie Zürich als internationales Hauptquartier ausgewählt?
Phil Libin
: Es gibt hier zahlreiche Design- und Informatik-Talente. Zudem ist es einfach, Leute aus dem Ausland nach Zürich zu locken.

Spielten auch die tiefen Unternehmenssteuern eine Rolle?
Ja. Dies und das unternehmerfreundliche Klima. Es ist der perfekte Mix, der für Zürich sprach.

Wie viele Mitarbeiter haben Sie in Zürich?
Wir sind vor ein paar Monaten mit einer Person gestartet und haben nun rund 12 Angestellte in Zürich. Diese Zahl wollen wir dieses Jahr verdoppeln und dann geht es weiter. Zürich ist unser weltweites Hauptquartier und soll das grösste Büro ausserhalb von Kalifornien werden.

Was wird in der Schweiz entwickelt?
Das Zürcher-Team arbeitet im Moment an Evernote für Mac. Eigentlich wollte ich letzte Woche nach Zürich fliegen und mit dem Team besprechen, welche Projekte hier realisiert werden sollen. Fest steht, dass künftig mehrere neue Produkte in Zürich entwickelt werden.

Evernote gehört zu den populärsten Apps. Wie viele Menschen vertrauen Ihnen ihre Ideen und Notizen an?
Wir haben rund 50 Millionen Nutzer.

Und wie viele sind zahlende Kunden?
Knapp zwei Millionen User haben ein Abo gelöst und nutzen die zusätzlichen Funktionen.

Sind Sie damit zufrieden?
Ich bin nie restlos zufrieden (lacht). Aber um Ihre Frage zu beantworten: Das Freemium-Modell funktioniert sehr gut für uns. Die Basisversion ist gratis und sie beinhaltet alle zentralen Funktionen. Wir versuchen nicht, die Nutzer mit einer schlechten Gratis-App zu einem Abo zu verführen.

Wirklich nicht?
Nein. Das Ziel ist, die Leute mit der Gratis-Version glücklich zu machen. Wir wollen, dass die User Evernote so sehr lieben, dass sie es ihr ganzes Leben nutzen. Je länger sie Evernote nutzen, desto grösser ist die Chance, dass Sie zu zahlenden Kunden werden.

Wie wollen sie die vielen Gratis-Nutzer dazu bringen, für Evernote ins Portemonnaie zu greifen?
Das hat viel mit Psychologie zu tun. Ich sehe das bei mir selbst. Jedes Mal wenn ich in einem Apple Store bin, habe ich das Bedürfnis, etwas zu kaufen.

Nun wollen Sie, dass die Menschen auch Evernote lieben?
Ja, aber Sie sollen keinen Druck spüren, etwas kaufen zu müssen. Die Leute geben gerne Geld aus für Produkte, die sie lieben, aber sie hassen es, zum Kauf gedrängt zu werden. Wenn wir den Leuten eine tolle Gratis-App zur Verfügung stellen, steigt die Chance, dass sie später zur Bezahlversion greifen.

Sie haben inzwischen ein ganzes App-Portfolio. Womit können wir als Nächstes rechnen?
Wir denken aktuell über eine Notizen-App für Eltern nach, die kleine Kinder haben und vieles organisieren müssen. 80 bis 90 Prozent unserer Zeit investieren wir aber in die Verbesserung der bestehenden Apps, für die Entwicklung neuer Apps bleibt nur wenig Zeit.

Wird Evernote vorwiegend privat oder geschäftlich genutzt?
Zwei Drittel unser Nutzer verwenden Evernote für geschäftliche und private Notizen.

Vermutlich lagern auf den Evernote-Servern Geschäftsgeheimnisse in Hülle und Fülle. Wie sicher ist Ihre App?
Wir geben den Nutzern die Möglichkeit, alle Daten zu verschlüsseln. Nicht einmal wir haben dann Zugriff auf diese Notizen. Die Daten sind gleich gesichert wie beim Online-Banking oder militärischen Systemen. Ich muss aber sagen, dass es nie eine Garantie gibt, dass Informationen nicht in falsche Hände geraten.

Ihr Unternehmen zählt zu den erfolgreichsten Start-up-Firmen der letzten Jahre. Hat Sie Evernote schon reich gemacht?
(Lacht) Evernote ist meine dritte Firma. Die ersten beiden habe ich verkauft, ich hatte also schon zuvor ein wenig Geld. Geld ist aber keine Motivation für mich. Meine Motivation ist es, die Welt mit Evernote ein klein wenig zu verändern. Ich arbeite 12 Stunden pro Tag und daran wird sich vermutlich für den Rest meines Lebens nichts ändern.

Welchen Moment Ihrer bisherigen Karriere werden Sie nie mehr vergessen?
2009 waren wir noch ein kleines Start-up. Ich war an der Apple-Keynote eingeladen und konnte wenige Sekunden mit Steve Jobs sprechen. Zu meiner Überraschung kannte er mich und Evernote. Ich weiss nicht, ob er uns mochte, aber es war eine grosse Anerkennung für mich, dass er von unserer damals noch sehr kleinen Firma Notiz genommen hatte.

Sie haben mit Evernote einen guten Riecher für Innovationen bewiesen. Was ist das «nächste grosse Ding» in der Tech-Branche?
Ich bin begeistert von Googles Datenbrille. Ich kanns kaum erwarten, bis ich meine erhalte. In drei Jahren könnten Smart Glasses so selbstverständlich sein, wie es heute Smartphones sind. Die Leute werden es lieben, all die Informationen ständig zur Verfügung zu haben.

So funktioniert Evernote

Quelle: YouTube/Evernote

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Ausgewählte Leser-Kommentare

ich halte die smartbrille durchaus für interessant. elektroniker, die sich beim reparieren von geräten das schema anzeigen lassen. das navi beim autofahren im sichtfeld, ohne den blick von der strasse zu nehmen, chirurgen, die sich während der op werte des patienten wie herzrhytmus und blutdruck anzeigen lassen... im professionellen bereich lassen sich durchaus verbesserungen mit der smartbrille erzielen. für private anwendung ists wohl eher spielerei. PS: nicht nur bei google wird getrackt und ausgewertet. alle anderen machen das auch. oder glaubst du suchbegriffe in bing oder itunes werden nicht ausgewertet? safari und ie und firefox erstellen keine userstatistik für die betreiber? sei nicht naiv... wenn du deine infos nicht zur verfügung stellen willst bleibt dir nur offline-mode – lukas h

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • David am 08.02.2013 16:58 Report Diesen Beitrag melden

    Smart Glasses juchu

    Ich freu mich schon auf die ersten Nachrichten zu den AGBs dieser Google Glasses. Wahrscheinlich verkauft man damit die Rechte an seinem Leben auch noch an Google. Nein ehrlich, das Ding ist aus Datenschutzsicht der absolute SUPER-GAU. Und darum werde ich mir auch nicht so eine holen (auch wenn sie in gewissen Bereichen sicher nützlich ist). Aber die Internet-Seelen-Exhibitionisten freuen sich sicher darauf.

  • Hansi am 10.02.2013 13:55 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Aha

    Wird Evernote vorwiegend privat oder geschäftlich genutzt? Zwei Drittel unser Nutzer verwenden Evernote für geschäftliche und private Notizen. UND DER DRITTE DRITTEL?

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  • Mac Schlatter am 08.02.2013 15:44 Report Diesen Beitrag melden

    Primitiv

    Es ist einfach beschämend für unsere Zivilisation, dass es für so etwas simples wie Plattform übergreifende Notizen ein ganzes Unternehmen braucht, und es wird "a big thing genannt", dann gibt deswegen auch noch all das Finanz-Theater, Shareholder, Börsengang, reiche Manager. Dasselbe gilt für solch primitive Anwendungen wie Foto-Sharing oder 160 Buchstaben-Sharing, "social media". Lächerlich.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • baba am 10.02.2013 20:29 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wer kauft so was?

    Da sieht man aus wie Vegeta bei Dragon Ball. Dann lieber ein iPhone.

  • Hansi am 10.02.2013 13:55 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Aha

    Wird Evernote vorwiegend privat oder geschäftlich genutzt? Zwei Drittel unser Nutzer verwenden Evernote für geschäftliche und private Notizen. UND DER DRITTE DRITTEL?

    • Peter am 11.02.2013 05:00 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Was wohl...

      Nur privat!

    • Greti am 11.02.2013 09:31 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      genau

      sehr wahrscheinlich nur privat oder nur geschäftlich... ;)

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  • Marco am 09.02.2013 15:40 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Müll

    Nicht einmal wenn das Ding aus dem Hause Apple wäre, würd ich es kaufen. Sowas braucht es nicht. Aber die Firma die das entwickelt, ist bekannt für Spionage. Ein Smartphone von denen kommt mir auch nicht ins Haus.

    • P. Ryan am 10.02.2013 11:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      ja genau

      Und du denkst ernsthaft Apple oder Microsoft wären besser als Google puncto Spionage?

    • Kanki am 10.02.2013 11:46 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Apple

      Aber wenn es von Apple wäre würdest du es sicherlich kaufen....

    • Markus W. am 11.02.2013 19:37 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Spionagebrille

      Mein Chef und ich sind genau der gleichen Meinung. Er und ich tragen lieber eine normale Sonnenbrillen mit spiegelnden Gläsern, bei denen von aussen nicht nach innen geblickt werden kann. So eine Google Spionagebrille kommt mir nicht auf die Nase.

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  • Ewiggestrige am 09.02.2013 14:12 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Von Hand

    Ich schreibe Notizen viel schneller von Hand in ein kleines Heftchen, das ich immer bei mir habe. Notizen mit dem sp schreiben ist viel mühsamer. Kann mich jemand überzeugen trotzdem evernotes zu gebrauchen?

  • Kommentator am 09.02.2013 09:44 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gut im Programmieren?

    In der Schweiz soll es Informatikertalente geben? Habe noch kaum zuvor solch schlechte Programmierer gesehen wie hier. Zuviel Code, keine Lust um zu vereinfachen, zuviel Redundanzen in den Datenbanken... In Indien oder im Osten findet man die besten Programmierer (natürlich auch USA).

    • Reto am 09.02.2013 14:25 Report Diesen Beitrag melden

      @Kommentator

      Was glaubst Du wohl, wessen Einschätzung für mich überzeugender ist? Die von Phil Libin, welcher bewiesen hat, dass er was kann, oder Deine?

    • Thomas welti am 09.02.2013 15:39 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Du bist der Einzige!

      Aha - und du Kommentator bist natürlich das Mass aller Dinge und natürlich absolut Fehlerfrei. Und vermutlich auch der einzige Programmierer der hierzulande was kann?!

    • o.l. am 09.02.2013 15:51 Report Diesen Beitrag melden

      Reto

      Sie sollten sich nicht nur an der Meinung von Phil orientieren...

    • Hans Wurst am 09.02.2013 16:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Jap

      Muss ich Reto Recht geben

    • Pierre Lang am 10.02.2013 21:24 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Nach 25 in der Software-Entwicklung...

      ... weiss ich, wie recht Reto hat. Wenn jeweils Amis bei uns vorbeikommen trifft die fast der Schlag, wie hoch integriert unsere Software ist. Bei denen werden meist triviale Insellösungen entwickelt und der Rest von Hand erledigt.

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