«Grössere Expansionen»

16. Januar 2014 08:07; Akt: 16.01.2014 11:25 Print

Netflix will Angebot in Europa weiter ausbauen

Der beliebte US-Streaming-Anbieter Netflix will in Europa weiter expandieren: Schon bald könnte es Netflix auch in Deutschland und Frankreich geben. Doch wann kommt der Dienst in die Schweiz?

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Ein Stelleninserat von Netflix deutet darauf hin, dass der Video-on-Demand-Anbieter nach Deutschland und Frankreich expandieren will.

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Während Netflix in den Vereinigten Staaten das Video-on-Demand salonfähig gemacht hat, glänzt der Anbieter in den meisten europäischen Ländern noch mit Abwesenheit. Nach England, Irland und den skandinavischen Ländern ist Holland seit Ende 2013 das siebte Land Europas, in dem man Netflix nutzen kann. In allen anderen Ländern werden mit dem Hinweis «Sorry, Netflix ist in Ihrem Land noch nicht verfügbar» auf der Website des Anbieters vertröstet – dazu gehört auch die Schweiz.

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Jetzt verdichten sich aber die Indizien, dass die US-Firma weiter expandieren will. Laut dem Blog Gigaom.com baut Netflix eine eigene Vermarktungsabteilung in Holland auf. Künftig soll das Team helfen, die Expansionpläne in Europa umzusetzen. Dafür werden auch Mitarbeiter mit französischen und deutschen Sprachkenntnissen gesucht. Die Jobbeschreibung könnte ein Hinweis darauf sein, dass Deutschland und Frankreich ganz oben auf der Liste der von Netflix anvisierten Ländern stehen.

«Grosse Pläne für 2014»

Immer wieder haben ranghohe Mitarbeiter von Netflix angekündigt, dass mehr Länder dazukommen sollen. CEO Reed Hastings hat letzten Oktober gesagt: «Für das Jahr 2014 haben wir einige grössere Expansionen geplant.» Deutschland und Frankreich würden ins Beuteschema von Netflix passen. Gemessen an der Zahl der Internetkunden rangieren die Länder auf Rang vier und sechs in Europa.

Mit der Schweiz scheint Netflix bis anhin nicht zu liebäugeln. Das hat hiesige Video-on-Demand-Anbieter animiert, gleich selbst vergleichbare Angebote zu lancieren. Mit Teleboy-Serien gibt es seit November 2013 eine Flatrate für Serienjunkies. Das Angebot umfasst rund 55 Shows (in Deutsch und Englisch) – zu einem Kampfpreis von 14.90 Franken im Monat.

Teure Mehrsprachigkeit

Ist der Schweizer Markt für Netflix schlicht zu klein? Der Grund, dass wir bei Netflix in die Röhre schauen, könnte anderswo liegen: bei der Vielsprachigkeit. Denn um die gesamte Schweiz abzudecken, müsste Netflix die Rechte für verschiedene Sprachversionen von Filmen und Serien anschaffen.

Das kann schnell teuer werden. Wie ein Branchenkenner gegenüber SRF sagt, kostet dies pro Sprache schnell über 1000 Franken. Da um die ganze Schweiz abzudecken neben der Originalsprache auch Lizenzgebühren für Deutsch, Französisch und Italienisch anfallen würden, vervierfacht sich die Summe. Für ein Angebot mit 3000 Filmen würden also für die verschiedenen Sprachversionen Kosten von rund zwölf Millionen Franken fällig.

Netflix bereits heute in der Schweiz

Interessierte können aber mit folgendem Trick bereits heute das Angebot von Netflix nutzen. Dafür notwendig ist aber eine in den USA oder in einem anderen Netflix-Land registrierte Kreditkarte. Strafbar macht man sich damit nicht. Fliegt es aber auf, könnte Netflix das Konto sperren. Ob Netflix Pläne hegt, auch offiziell in die Schweiz zu kommen, ist nicht bekannt. Mehrere Anfragen beim US-Unternehmen blieben unbeantwortet.

Die Chancen für Deutschland und Frankreich stehen hingegen gut. Bereits im Mai 2013 gab es Stelleninserate, die auf den Eintritt in den niederländischen Markt hinwiesen.

Seit 2011 auch Serienproduzent

In Amerika zieht der Streaming-Dienst Netflix die Massen vor den Fernseher: 1997, einst als Versand-Videothek gestartet, ist die Firma 2011 in die Produktion von eigenen TV-Shows eingestiegen. Das erfolgreichste Format bis dato: «House of Cards» mit Schauspieler Kevin Spacey in der Rolle des machtbesessenen Politikers Frank Underwood.

Das Video-on-Demand-Konzept hat Erfolg: Laut einer Analyse des kanadischen Unternehmens Sandvine ist Netflix für einen Drittel des Downstream-Traffics in den USA verantwortlich. Weltweit hat der Dienst über 40 Millionen Abonnenten, davon knapp drei Viertel in den USA. Gemessen an den Nutzerzahlen hat Netflix in Nordamerika bereits mehr Zuschauer als herkömmliche TV-Sender wie etwa der Pay-TV-Kanal HBO, hierzulande bekannt für die Produktion der Erfolgsserie «Game of Thrones».

(tob)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Zogger am 16.01.2014 09:41 Report Diesen Beitrag melden

    Englisch genügt

    Ich sehe kein Problem mit der Vielsprachigkeit. Englisch allein würde ja schon genügen! Wenns sein muss, können sie andere Sprachen ja immer noch nachreichen.

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  • Tinu am 16.01.2014 09:49 Report Diesen Beitrag melden

    Netflix in der Schweiz? Wohl kaum.

    Da wir in der Schweiz leben und alle Welt ja weiss, dass wir Geld haben, werden die uns garantiert einen angepassten Schweizer Preis von Faktor X pro Monat fordern und dann noch zusätzliche Gebühren, damit die Billag und Suisa ja noch auch profitieren kann.

  • Hans am 16.01.2014 09:33 Report Diesen Beitrag melden

    Der Grund

    warum soviele Schweizer Filme illegal runterladen, ist das fehlen von Netflix. Die verfügbaren Services hierzulande sind massiv zu teuer für das vergleichsweise extrem beschränkte Angebot.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • bumsi am 17.01.2014 02:06 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    unsinn

    Macht bei uns zur zeit noch gar keinen sinn. es gibt soviele gratis videound streamportale die man nach wie vor straffrei konsumieren darf.

  • TVerie am 16.01.2014 22:42 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nicht fürs Streaming...

    ...aber super um den Überblick über die Serien zu behalten, ist die Seite TVerie.com. So weiss man auch nach den Staffel-Pausen noch um was es zuvor ging ;)

  • Beat am 16.01.2014 21:24 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kosten?

    Fragt sich was es bei uns dann kosten würde... Wahrscheinlich massiv teurer als in DE oder FR (die übliche Abzockerei von ausländischen Unternehmen)... Und die Ausrede mit den Sprachen zählt nicht, schliesslich brauchen sie diese Lizenzen ja bereits für den deutschen und französischen Markt.

  • Andy S. am 16.01.2014 19:31 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    nicht wirklich

    ich habe mir vor einigen monaten zwar einen fernseher gekauft, diesen benutze ich aber lediglich für videospiele (mit billag ziemlich teuer für einen studenten) Serien und filme schaue ich nur noch online auf gratisportalen oder als dvds/blurays.. Und mir ist der fernseher kit den ganzen werbungen bereits fremd geworden. Daher bin ich mir sicher, dass ich kein Netflix abo machen würde, begrüsse aber die idee das fernsehprogramm so auszubreiten - genau was in der schweiz fehlt!

  • Movieaddict am 16.01.2014 17:26 Report Diesen Beitrag melden

    Kinox.to - Filmstudios selber schuld

    Solange die grossen amerikanischen Filmstudios nicht gewillt sind die Lizenzierung für Streaming-Dienste wie Netflix so zu vereinfachen, dass diese auch kleine Länder wie die Schweiz bedienen können, solange sollte das Herunterladen und Streamen von Filmen in der Schweiz legal sein! Wenn es keine flexiblen Angebote mit einem grosser Auswahl an Filmen zu fairen Preisen gibt (schliesst damit Apple TV aus), dann hat die Filmindustrie auch nicht das Recht zu fordern, dass man das Streamen und Herunterladen von urheberrechtlich geschützen Filmen verbietet!