ZKB-Analystin

13. Februar 2014 08:57; Akt: 13.02.2014 12:10 Print

«Bei Nachhaltigkeit ist Apple eher Nachzügler»

Apple will komplett auf den Einsatz von Rohstoffen aus Konfliktregionen verzichten. Laut einer Expertin ist der IT-Riese in Sachen Nachhaltigkeit aber keineswegs ein Vorreiter.

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Konfliktmineralien wie das Erz Coltan werden hauptsächlich in Zentralafrika gefördert. Aus Coltan wird das Metall Tantal gewonnen, das in der Mikroelektronik für die Produktion von kleinsten Kondensatoren mit hoher elektrischer Kapazität verwendet wird, die zum Beispiel in Mobiltelefonen und Laptops eingesetzt werden (Bild: Ariana Cubillos)

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Apple will fairer werden. Das für die Produktion der Apple-Produkte wichtige Mineral Tantal stamme inzwischen nachweisbar vollständig aus konfliktfreien Quellen, teilte das Unternehmen in einem Bericht am Mittwoch mit (PDF-Download).

Tantalerze wie Tantalit und Coltan werden als sogenannte Konfliktmineralien eingestuft, da die Förderminen im Osten der Demokratischen Republik Kongo von Rebellen kontrolliert werden. Diese Betriebe stehen im Verdacht, Menschenrechtsverletzungen mitzufinanzieren.

Transparenz wird gefördert

Für andere kritische Rohstoffe kann Apple den Beweis einer ethisch sauberen Quelle noch nicht lückenlos liefern. «Wir drängen unsere Zulieferer von Zinn, Wolfram und Gold hart, nur verifizierte Quellen zu verwenden», erklärte das Unternehmen.

Um die Verantwortung der Zulieferer zu betonen, veröffentlichte Apple zusammen mit dem Bericht eine komplette Liste aller Erzhütten, die Rohstoffe für Produkte wie das iPhone, das iPad und die Macintosh-Rechner liefern. Bei Zinn, Wolfram und Gold ist die Elektronikbranche aber nur ein vergleichsweise kleiner Abnehmer.

Apple reagierte nur unter Druck

Wie sich dies auf die Nachhaltigkeitsbewertung von Apple auswirken wird, sei noch völlig offen, sagt ZKB-Analystin Simone Schärer zu 20 Minuten. «Zuerst muss das Unternehmen die Vorsätze auch glaubhaft in die Tat umsetzten.» Für Apple als weltweit bekannte Marke sei die Reputation aber enorm wichtig, so Schärer weiter.

In Sachen Nachhaltigkeit sieht sie den Computerhersteller aber keineswegs als Vorbild für andere Firmen. «Im Bereich der Nachhaltigkeit ist Apple eher ein Nachzügler». Der IT-Riese habe bisher immer nur unter Druck reagiert, anstatt selbst aktiv zu werden.

Ausbeutung und Kinderarbeit

Auch in Bezug auf faire Arbeitsbedingungen hat Apple reagiert. Dem Bericht zufolge habe man bei der Einhaltung der maximalen wöchentlichen Arbeitszeit von 60 Stunden enorme Fortschritte gemacht. Im vergangenen Jahr hätten sich 95 Prozent der Zulieferer daran gehalten. Im Jahr 2011 waren dies nach Apple-Angaben lediglich 38 Prozent gewesen.

Inzwischen sei die durchschnittliche Arbeitszeit auf unter 50 Wochenstunden gesunken. Für Apple sei wichtig, dass die Arbeiter nur freiwillig länger als gewöhnlich arbeiten. Der Kampf gegen zu lange Arbeitswochen war in den vergangenen Jahren zum Teil sogar auf Proteste der Arbeiter in China gestossen.

Apple-Chef Tim Cook hatte nach dem Amtsantritt vor gut zwei Jahren das Augenmerk auf die Arbeitsbedingungen gerichtet und mehr Transparenz versprochen. Die Mitarbeiter des Unternehmens unternahmen im vergangenen Jahr 451 Kontrollen bei Zulieferfirmen. Dabei seien 23 Arbeiter entdeckt worden, die bei ihrer Einstellung noch nicht 16 Jahre alt waren.

(pst/ame/sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • smithy am 14.02.2014 06:05 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    rohstoff wahl

    da man sowieso jedes Jahr ein neues Natel oder TV kauft, kann man zum bsp. die Verschalung gleich aus Karton machen ;)

  • Josef Rusch am 14.02.2014 08:06 Report Diesen Beitrag melden

    Verbesserung

    Jemand will sich verbessern und trotzdem wird auf einen eingeprügelt.

  • Martin Scholl am 13.02.2014 15:01 Report Diesen Beitrag melden

    Das öffentliche Gewissen

    Gerade weil die Öffentlichkeit bei Apple genauer hinschaut und Druck ausübt, hat sich einiges zum Besseren gewendet. Die Produktion von Elektronikgeräten in China erfolgt leider per se nicht nach umweltfreundlichen oder nachhaltigen Kriterien, sondern nach rein ökonomischen Regeln. Auch das geschäftliche Gebaren der ZKB, dessen Analystin als "Expertin" zitiert wird, ist nicht zwingend nachhaltig (Stichwort unversteuerte Vermögen von US-Kunden). Auch hier bedarf es öffentlichen Drucks, damit sich etwas an der Situation ändert...

Die neusten Leser-Kommentare

  • Martin M. am 14.02.2014 09:39 Report Diesen Beitrag melden

    Immer nur Negativ berichten

    Sehr erfreulich, dass wenigster einer der Grossen was machen will. Nicht zu vergessen, dass Apple als einziger Grosser den eigenen Strombedarf aus alternativen Energien decken will. Dies jetzt schon zu über 30% macht und in absehbarer Zeit zu 100% machen will. Statt nun auf dieser Firma rumzutramplen, sollte man sie diesbezüglich als Vorbild nehmen. Für andere Beispiele von ähnlich grossen Firmen wie diese wäre ich dankbar. Langfristig ist das Ziel von Apple auch, die gesamte Produktion zurück in die USA zu holen. Solche Prozesse dauern halt. Aber davon will die Sensationspresse nichts hören.

  • Josef Rusch am 14.02.2014 08:06 Report Diesen Beitrag melden

    Verbesserung

    Jemand will sich verbessern und trotzdem wird auf einen eingeprügelt.

  • Roger am 14.02.2014 07:04 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Witz

    Die gleichen Firmen beliefern Samsung etc. Also alles nur bla bla!

  • wechsler am 14.02.2014 06:48 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    augenwischerei

    als ob nachhaltigkeit auch nur einen der grossen konzerne wirklich interessieren würde. nach uns die sintflut, einzig die rendite muss stimmen. eines tages wird diese "elite" erkennen, dass man geld nicht essen, nicht lieben und nicht atmen kann. und wie nachhaltig ist denn die genannte bank - ausser natürlich in ihrem leitbild?

  • Mahus am 14.02.2014 06:38 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ökoschrott

    Ich will auch kein Ökohandi sonder eins das funktioniert.