Neue Facebook-App

27. März 2012 17:24; Akt: 27.03.2012 18:34 Print

Diese Person als «Feind» hinzufügen

Mit einer neuen Facebook-App kann man verhasste Personen und ungeliebte Unternehmen auflisten. Doch der fragwürdige Service hat selbst mit Problemen zu kämpfen.

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Facebook-Freund oder -Feind? Die «EnemyGraph»-Anwendung funktionierte am Dienstagnachmittag nicht. (Bild: Keystone)

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Das Hinzufügen von «Freunden» gehört bei Facebook zum Alltag. Neu sollen die Mitglieder des sozialen Netzwerks aber auch ihre «Feinde» markieren können. Dazu muss eine Gratis-Anwendung namens «EnemyGraph» installiert werden.

Mit der Facebook-App kann man alle möglichen Personen zu «Feinden» erklären. Das Hinzufügen funktioniert mit Leuten aus dem Freundeskreis, bekannten Persönlichkeiten, Produkten und Unternehmen. Also schlicht mit allem, was im sozialen Netzwerk mit einer eigenen Seite präsent ist? Für Online-Mobbing soll es nicht zu gebrauchen sein - wer die App nicht nutzt, kann nicht markiert werden. Ebensowenig Nutzer, die nicht in den eigenen Freundeslisten erscheinen.

Die Liste mit den Facebook-Feinden wird dann auf der eigenen Profilseite des Nutzers angezeigt. Zudem werden auf der Projekt-Website die meistgehassten bekannten Namen veröffentlicht.

Ein kurzer Test von 20 Minuten Online am Dienstagnachmittag liess sich allerdings kaum durchführen: Die Anwendung reagierte äusserst langsam und erst nach mehreren Minuten auf die Nutzereingaben. Das Hinzufügen eines ungeliebten Unternehmens klappte zunächst, hingegen war das Hinzufügen von Namen aus der eigenen Freundesliste nicht möglich. Schliesslich fiel der Service komplett aus - begleitet von Fehlermeldungen, dass der Dienst überlastet sei.

Von Studenten entwickelt

«EnemyGraph» ist kein offizielles Facebook-Produkt, sondern an der Universität von Texas entwickelt worden. Ein Professor und zwei Studierende zeichnen für das Projekt verantwortlich, wie «Mashable» berichtet. Was ihn bei Facebook immer beschäftigt habe, sei die erzwungene Kultur der Nettigkeiten, sagte der Medienwissenschaftler und Dozent Dean Terry gegenüber «Mashable». «Wir wollten den Leuten eine Chance geben, auch ihr Missfallen auszudrücken.» Er denke, Social Media brauche eine Störung, sagte Terry, der das Projekt «Social-Media-Blasphemy» nennt. «Es braucht seine Dosis Johnny Rotten.»

Ob bewusste Provokation oder tatsächlich ernst gemeinte Erweiterung: Die Facebook-Feinde-App sei auch für Wissenschaftler und Marketing-Leute interessant, liessen die Entwickler verlauten. Man könne eine Menge über die Leute lernen, wenn man das anschaue, was sie nicht mögen.

Zukunft ungewiss

Seit einiger Zeit fordern Mitglieder des sozialen Netzwerks einen sogenannten Dislike-Button, um auch Nicht-Zustimmung ausdrücken zu können. Facebook hat das Anliegen bislang geflissentlich ignoriert. Darum ist auch die Zukunft der am 15. März lancierten Facebook-App mehr als ungewiss. Selbst die Initianten rechnen damit, dass der US-Konzern eingreift und ihre fragwürdige App sperrt.

Das würde ihnen nicht zum ersten Mal passieren. Im vergangenen Jahr hatten sie einen Twitter-Service lanciert, mit dem sich gelöschte Mitteilungen (Tweets) wiederherstellen liessen. Nachdem das «Undetweetable»-Projekt bekannter wurde, mussten es die Initianten auf Druck von Twitter beenden.

(dsc)