Hift

08. Juli 2015 11:09; Akt: 08.07.2015 11:59 Print

Das Tinder für Leute mit Genital-Herpes

von Philipp Stirnemann - Hift ist ein neues Datingportal, das Menschen mit sexuell übertragbaren Krankheiten zusammenbringt. Das Konzept hat Marktpotenzial.

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Unter dem Motto «Bleib positiv! Finde Liebe, Hoffnung, Betreuung und Unterstützung» ist vor kurzem die Dating-SiteHift online gegangen. Sie richtet sich an Singles mit Geschlechtskrankheiten. Ähnlich wie bei Tinder werden Profile von Menschen auf der Suche nach einem Partner zusammengeführt, die zueinander passen.

Doch Hift will nicht nur einsame Seelen zusammenbringen. Das Portal soll auch als Plattform dienen, damit sich Betroffene über Geschlechtskrankheiten austauschen können. Zudem bietet Hift Unterstützung für angemeldete Nutzer.

Krankheit gehört zum Profil

Nutzer, die an sexuell übertragbaren Krankheiten wie Herpes, HSV-1, HSV-2, HPV oder HIV leiden, können sich auf Hift einen Account erstellen. Darin geben sie nicht nur die üblichen Informationen über sich selbst an, sondern auch zu ihrer Krankheit.

Erkrankte auf der Suche nach einer Bekanntschaft können in der App in beide Richtungen durch angezeigte Profile anderer Nutzer swipen. Finden sich zwei Personen sympathisch, können sie sich gegenseitig liken und dann miteinander chatten. Bis sie ihr gegenseitiges Interesse aneinander bekundet haben, bleiben sie anonymisiert.

Safer Dating?

Die Portal-Betreiber sind darauf bedacht, die Sicherheit der Nutzer zu gewährleisten. Vor allem, wenn Nutzer Angaben über ihre Geschlechtskrankheiten machen sollen, dürfen diese natürlich nicht in falsche Hände geraten.

Aus diesem Grund reicht es auch noch nicht, jemanden zu liken, um an nähere Informationen über die Person heranzukommen. Zudem sieht niemand den Standort eines anderen Users.

Eine Marktlücke hat Hift indes nicht gefunden. Es gibt bereits mehrere Dating-Sites für Menschen mit Geschlechtskrankheiten (siehe Bildstrecke). Angebracht ist der Launch des Tinder für Leute mit sexuell übertragbaren Krankheiten aber allemal, sind doch weltweit rund 400 Millionen Menschen betroffen.

«Ein gewisses Sicherheitsrisiko besteht immer»

«Informationen über Geschlechtskrankheiten sind höchst sensible Daten», sagt Francis Meier, der Sprecher des Eidgenössischen Datenschutz- und Öffentlichkeitsbeauftragten (EDÖB). «Nutzer sollten sich dessen vor der Anmeldung auf einem solchen Portal bewusst sein.» Denn auch wenn Hift explizit darauf hinweist, sorgsam mit den Daten der Nutzer umzugehen, seien sie nicht zu 100 Prozent sicher. «Ein gewisses Risiko besteht auch auf einem seriösen Portal», sagt Meier. So könnten etwa andere Mitglieder des Netzwerks die Profildaten weitergeben oder anderswo veröffentlichen.

«Die Anbieter müssen ihre Kunden transparent darüber informieren, wozu sie die Nutzerdaten verwenden und ob sie an Dritte weitergegeben werden.» Der Eidgenössische Datenschutzbeauftragte rät Interessierten, sich vor einer Anmeldung der Seriosität des Anbieters zu vergewissern und die Datenschutzbestimmungen zu lesen.

20 Minuten hat auch beim Bundesamt für Gesundheit (BAG) nach einer Einschätzung zu derartigen Dating-Portalen nachgefragt. Das BAG habe bisher keine Kenntnis von der Hift-App «und sieht es nicht als seine Aufgabe an, das Angebot zu kommentieren», so die Antwort des BAG.

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