Unsauberer E-Sport

17. Juli 2015 20:40; Akt: 17.07.2015 20:40 Print

«Ligen investieren nicht in Doping-Kontrollen»

von Ill-FiL - Ein Profi-Gamer hat zugegeben, an Turnieren zu dopen. Haben die illegalen Substanzen auch die Schweizer E-Sport-Szene erreicht?

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Wie bei anderen Sportarten gilt auch beim E-Sport: Je mehr Preis- und Sponsorengelder winken, desto grösser ist die Verlockung zu dopen (Symbolbild). (Bild: Flickr/VideogameVisionary.com)

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Allem Anschein nach ist Doping unter Profi-Gamern gang und gäbe. Diese Schlussfolgerung muss zumindest ziehen, wer die Aussagen eines kanadischen E-Sportlers ernst nimmt. «Counter Strike»-Crack Kory «Semphis» Friesen hatte in einem Videointerview gesagt, dass er am ESL-One-Turnier in Katowice leistungssteigernde Substanzen zu sich genommen habe. Konkret das Psychostimulans Adderall (siehe Box). Brisant an seiner Aussage ist, dass er über den Doping-Konsum redet, als ob das in Gamer-Kreisen die natürlichste Sache der Welt wäre.

Wird Doping zu einem ernsten Problem für den Bereich E-Sport? Und wie sieht es hierzulande mit Drogenmissbrauch an Game-Turnieren aus? Immerhin geniessen derartige Events auch in der Schweiz immer grösseres Interesse der Öffentlichkeit.

«Mit den Preisgeldern steigt die Doping-Gefahr»

20 Minuten hat bei Vertretern der Schweizer E-Sport-Szene nachgefragt. Es scheint, dass das Phänomen Doping im Game-Bereich noch sehr jung ist – beziehungsweise noch gar nicht thematisiert wurde. «Mit der Wichtigkeit und den Preisgeldern steigt auch die Gefahr, dass Athleten sich durch die Einnahme von Substanzen einen Vorteil verschaffen wollen», ist sich Thomas Riediker, Präsident der Vereinigung Gamerights, der Tendenz hin zu mehr Doping im E-Sport bewusst.

Vinzenz Kögler, Präsident der Schweizer E-Sport-Vereinigung SESF, findet es «erschreckend, mit welcher Selbstverständlichkeit Profi-Gamer Friesen die Tatsache auf den Tisch knallt, dass alle Spieler dieses ADHS-Medikament nehmen». Grundsätzlich würden Ligen wie die ESL One in ihrem Regelwerk leistungssteigernde Substanzen verbieten. «Der internationale E-Sport-Verband (IESF; «International E-Sports Federation») ist Mitglied bei der WADA, dem Welt-Anti-Doping-Verband, und unterzieht an den Weltmeisterschaften zumindest die Sieger einem Drogentest.»

Zu lascher Umgang mit dem Problem

Riediker und Kögler weisen darauf hin, dass derzeit (noch) die Grundlagen fehlen, um etwa die Wirksamkeit von konzentrationsfördernden Substanzen bei Profi-Gamern zu beurteilen. «Allerdings scheinen die Spieler an die Wirksamkeit zu glauben», so Thomas Riediker. «So lange aber keine Zusammenhänge zwischen guten Leistungen und den Drogen gefunden werden können, sind die gängigen Ligen wohl kaum daran interessiert, vermehrt in Doping-Kontrollen zu investieren», gibt sich Vinzenz Kögler wenig optimistisch, was den Kampf gegen Doping im E-Sport betrifft.

Damit sich Doping im E-Sport nicht auch in der Schweiz verbreitet, muss das Kontrollsystem weltweit funktionieren, ist Riediker überzeugt: «Wenn es sich für E-Sportler nicht mehr lohnt, eine Sperre wegen Dopings zu riskieren, entsteht auch eine präventive Wirkung in kleineren, nationalen Föderationen und Ligen.»