Gleichbehandlung

11. Juli 2017 13:55; Akt: 11.07.2017 13:55 Print

«Ohne Netzneutralität gäbe es kein Pornhub»

In den USA soll die sogenannte Netzneutralität abgeschafft werden. Am 12. Juli protestieren deshalb bekannte Online-Unternehmen gegen die Pläne.

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Im Prinzip geht es bei der Debatte zur Netzneutralität um Gebote für ein offenes Internet und dass alle Firmen und Privatpersonen bei der Nutzung von Datennetzen gleich behandelt werden. Dies ist mit ein Grund, warum das Web so vielfältig und lebendig ist.

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Konkret sollen die Internet-Anbieter keine Inhalte oder Dienste im Netz sperren oder künstlich verlangsamen dürfen. Ebenfalls dürfen sie weder eigene noch Inhalte oder Dienste von anderen Firmen, beispielsweise durch eine höhere Bandbreite, bevorzugen.

Baldiges Ende

In den USA kümmert sich die Federal Communications Commission, kurz FCC, um die Regulierung des Internets. Der Vorsitzende der Behörde, Ajit Pai, möchte diese Gleichbehandlung nun allerdings aufweichen oder sogar ganz abschaffen, wie er in einer Rede im April verkündete. Gegen diese Pläne regt sich nun Widerstand.

Verschiedene Online-Unternehmen wie Google, Amazon und Reddit, die zu den fünf meist besuchten Websites der USA gehören, aber auch Seiten wie Youporn, Kickstarter oder Github vereinigen sich am 12. Juli zu einer Protestaktion. Auf über 60 Websites werden entsprechende Banner aufgeschaltet, die zum Erhalt der Netzneutralität im «Kampf für das Internet» aufrufen.

«Ohne Netzneutralität hätten wir Pornhub vor zehn Jahren nicht gründen können», sagte Cory Price, Vizepräsident der Porno-Website, gegenüber Motherboard.vice.com. «Das Internet wäre unter der Kontrolle der Kabelfirmen, die dadurch eine unfaire Macht hätten, die Gewinner und Verlierer am Markt zu bestimmen.»

Wie sieht es in der Schweiz aus?

Auch hierzulande gibt es Fälle von Verletzungen der Netzneutralität. Beispielsweise bei Sunrise, wo Daten, die für Whatsapp benötigt werden, nicht dem abonnierten Datenvolumen angerechnet werden, erklärt Andreas Von Gunten, Mitglied der Digitalen Gesellschaft Schweiz. Die anderen Messaging-Anbieter wie Telegram oder Threema aus der Schweiz hätten so das Nachsehen und könnten kaum Kunden akquirieren, die Mobile-Abos von Sunrise benutzen.

Ein Vorstoss zur gesetzlichen Verankerung der Netzneutralität in der Schweiz wurde 2015 vom Nationalrat abgelehnt. Firmen wie Swisscom, Sunrise, UPC Cablecom, Orange und der Verband Swisscable haben jedoch einen entsprechenden Verhaltenskodex ausgearbeitet.

Wie Simon Schlauri, Mitglied der digitalen Gesellschaft Schweiz, in einem Blogeintrag bemerkt, bedeutet dies jedoch nicht, dass dadurch Verletzungen der Netzneutralität nicht mehr möglich sind.

Im Gegenteil, es handle sich um «eine Mogelpackung». Die Internet-Provider könnten sehr einfach bestimmte Angebote im Netz privilegieren oder diskriminieren. Nur das Blockieren von Daten wird vom genannten Verhaltenskodex untersagt.

Erklärung der Netzneutralität in einem älteren Beitrag der ZDF-Sendung «Elektrischer Reporter». (Youtube/Blinkentv)

(swe)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Simba74 am 11.07.2017 14:06 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schwerwiegende Konsequenzen

    einfaches Beispiel. Googlesuche für eine Auskunft z.B. über Krebs für einen Vortrag. Anhand der Neutralität und Anonymität kein Problem. Wenn nun sämtliche Suchresultate wie Texte und Bilder und Ort in andere Hände gelangen, kann es sein, dass mir die Krankenkasse keine Zusatzversicherung oder die Bank kein Hypokredit gibt......... wir rutschen in eine gefährliche Online Zeit. Ich überlege mir anonym zu surfen oder eine Fakeprofil zu erstellen..künftig.

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  • ChlapfadohrepunktCH am 11.07.2017 14:30 Report Diesen Beitrag melden

    Frei sein

    Wenn wir uns gegenseitig helfen VPS's zu betreiben, bereitstellen und erklären kann unser lieber Staat machen was er will um andere Meinungen zu unterdrücken und er wird scheitern. Zugang zu Informationen/www sollte niemals eingeschränkt werden.

  • Marc am 11.07.2017 14:04 Report Diesen Beitrag melden

    Das blockieren von Daten wird verhindert

    Süss. Deshalb haben NR und SR Anfang dieses Jahres auch die #Netzsperre eingeführt für Online-Casinos.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Cavi33 am 05.08.2017 19:15 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Hallo Wahlberechtigte aufwachen

    Das zeigt mir wieder einmal mehr wie dumm und einfältig unsere Politiker agieren. Möglichst die ganze Gesellschaft soll am Gängelband von Kabelbetreiber und der Politik hängen und nur die Infos erhalten die dann für richtig angesehen werden.

  • kiki am 24.07.2017 08:26 Report Diesen Beitrag melden

    das Netz ist wie das Leben

    Auf der Strasse bin ich auch nicht anonym. Einige kennen mich andere nicht. Ich kann mich auffallend verhalten oder eben nicht. Das Böse im Netz herausfiltern ist ebenso schwer wie das Böse im Leben zu sehen bevor es zuschlägt. Also lassen wir halt alles so wie es ist. Jeder muss für sich selber aufmerksam sein. Auch hier wichtig. Wer was verdächtiges merkt soll das bitte melden und nicht denken ein anderer tuts. Goggle ist gratis. Wer nutz diesen Dienst nicht beinahe täglich? Nun, dafür nehme ich halt die Werbung in kauf. Geben und Nehmen.

  • Sarkas Mus am 12.07.2017 07:04 Report Diesen Beitrag melden

    Definition der neuen Meinungsfreiheit

    Wann werden die Sinngemäss diesen neuen Gesetzesartikel einführen? "Es ist jedem erlaubt, das zu denken, zu fühlen und zu predigen, was unsere Politik und Wirtschaft für richtig erachtet. Abweichende Meinungen sind unmenschlich und daher kein Menschenrecht".

  • Giorgio de Luca am 12.07.2017 07:03 Report Diesen Beitrag melden

    Weitere Abzockerei?

    Die Netzneutralität muss bleiben. Soll neben freiem WiFi zum Service Public auch in der Schweiz gehören. Schon reiben sich die Geschäftemacher wieder die Hände... Besser mal die Hausaufgaben in den Parlamenten zum Vorteil des Volkes machen!

    • @Giogio de Luca am 12.07.2017 09:32 Report Diesen Beitrag melden

      Abzockerei

      Sie haben schon gelesen, dass wir in der Schweiz eben keine Netzneutralität geniessen, oder?

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  • Alfred A. am 12.07.2017 06:32 Report Diesen Beitrag melden

    Zurück zur Prohibition

    Dieses Mal nicht mit Alkohol. Dieses Mal mit Internet. Offenbar entwickeln sich die Zensurbefürworter und Neutralitätsbekämpfer, denen die Freiheit des Internets ein Dorn im Auge ist, zurück in mittelarlerliche Zustände. Wo das hinführt hat gerade Amerika leidvoll erfahren müssen. Den Blödsinn Prohibition sollte man nicht noch einmal machen.