Zugang zum Netzwerk

07. Dezember 2017 22:01; Akt: 07.12.2017 22:01 Print

Hacker wollte Freund aus dem Gefängnis entlassen

Der Amerikaner verschaffte sich Zugang zum Computer-Netzwerk der Behörden, um seinen Freund aus dem Gefängnis zu holen. Nun muss er selbst hinter Gitter.

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Mangelnde Kreativität kann man Konrad Voits nicht vorwerfen. In mehreren Anläufen verschaffte sich der Amerikaner den Zugang zum Computer-Netzwerk der Behörden von Washtenaw County, einem Bezirk im US-Bundestaat Michigan. Von dort aus versuchte er, mit einer Änderung im Gefangenen-Register, die frühzeitige Entlassung seines Freundes aus dem Bezirksgefängnis zu veranlassen. Dummerweise kam ihm das FBI zuvor.

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Laut einer Mitteilung des US-Justizdepartements erstellte der 27-jährige Voits Anfang 2017 eine Website namens Ewashtenavv.org, die der offiziellen Website des Bezirks — Ewashtenaw.org — offenbar täuschend ähnlich sah. Allein den letzten Buchstaben der Adresse änderte Voits. Auf seiner Website platzierte der Informatiker dann eine Malware, die sich auf den Computern der Besucher einnistete.

Unter falschem Namen schickte Voits E-Mails an die Beamten des Bezirksgerichts und bat um ihre Hilfe bei Gerichtsakten. In den Mails befand sich jeweils ein Link, der auf die gefälschte Website von Voits verwies.

Login-Daten geklaut

Gleichzeitig stellte er sich bei anderen Behörden telefonisch als IT-Sicherheitsmitarbeiter vor, der das Gefangenen-Register von Washtenaw neu aufzusetzen habe. Erneut bewog er Beamten dazu, die von ihm gefälschte Website aufzurufen. Dadurch liess sich Voits' Malware im Computer-Netzwerk der Behörden installieren.

Voits erlangte auf diese Weise Zugriff auf die Systeme von Washtenaw, einschliesslich der Passwörter, Benutzernamen und persönlicher Informationen von rund 1600 Mitarbeitenden. Darunter auch den Zugang für eine Software, mit der die Gefängnisinsassen im County registriert sind und deren Aufenthaltsdauer festgesetzt wird.

Voits drohen 10 Jahre Haft

Mit den gestohlenen Informationen versuchte Voits anschliessend, die Entlassung seines Freundes aus dem Knast herbeizuführen. Allerdings schaltete sich unterdessen auch das FBI auf Hinweis mehrerer Bezirksbeamter ein. Konrad Voits' Aktivitäten konnten von der Behörde zurückverfolgt werden und er wurde festgenommen. Vor Gericht gestand Voits, sich in die Systeme von Washtenaw County hineingehackt zu haben.

Dank einer sorgfältigen Überprüfung der Gefängnis-Mitarbeiter wurden keine Insassen vorzeitig entlassen. Voits drohen eine Strafe von zehn Jahren Haft und eine Busse von 250'000 Dollar.

(hau)

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Carla Muller am 08.12.2017 07:39 Report Diesen Beitrag melden

    Freundschaft

    Das muss ein sehr guter Freund gewesen sein.

  • Roman am 08.12.2017 07:15 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Tatsache

    Spätestens nach diesem Artikel sollte klar sein, dass es die Hacker von Filmen nie gab und geben wird. Man hackt sich nicht so einfach von aussen in Systeme rein, man braucht die Hilfe der Mitarbeiter durch Social Engineering.

    einklappen einklappen
  • Fox993 am 08.12.2017 10:29 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    member

    erinnert mich an dir Folge aus MR.ROBOT war genau so bis auf das, dass der protagonist nicht verhaftet wurde

Die neusten Leser-Kommentare

  • Herr Max Bünzlig am 12.12.2017 19:06 Report Diesen Beitrag melden

    ja genau

    mit Hacken hat das Ganze aber eher wenig , bis gar nicht zu tun

  • deuxjardins am 08.12.2017 21:31 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    der muss seinen freund...

    wirklich geliebt haben!

  • Techniker am 08.12.2017 12:59 Report Diesen Beitrag melden

    Dummes Phishing

    Darum nutzt man VPN und schnüffelt nicht mit direkter Leitung auf der Website mit geklauten Logins oder verschickt sogar E-Mails. Dann wär das FBI irgendwo auf einem Chinaserver gelandet und gestrandet.

    • informatiker am 08.12.2017 16:05 Report Diesen Beitrag melden

      nicht so einfach

      naja, vpns geben nur so viel sicherheit wie der betreiber auch bereitstellt. damit meine ich, das viele vpn betreiber auf anfrage von regierungsorganisationen die benutzer preisgeben. auch tor ist nicht mehr so sicher wie zu beginn, da viele der routing server angeblich von der cia etc betrieben werden. was ich damit sagen will ist, totale sicherheit und anonymität gibt es im internet nicht, der aufwand um eine person zu identifizieren wir einfach grösser

    • Mario am 09.12.2017 08:49 Report Diesen Beitrag melden

      Keine Antwort auf Geheim IP

      Hätte er VPN oder TOR benutzt um sein IP zu verbergen, da hätten die Behörden Mitarbeiter auf seine Falle gar nicht reingefallen, denn die Netzwerk Sicherheit hätte seine E-Mails als SPAM entlarvt, und sie hätten auch nicht sein Malware Link betätigt. Ich persönlich clicke kein Link in E-Mails - nicht mal von Bekannten und Freunden. Und das habe ich auch meine beide Söhne in Teenager Alter unterrichtet.

    • Logiker am 12.12.2017 08:04 Report Diesen Beitrag melden

      @Mario

      Der Informatiker meinte dass man VPN Lösungen hätte nutzen können um die Pishing Webseite auf zu setzen. So dass zwar die Infrastruktur im öffentlichen WWW steht aber der Betreiber nicht gefunden werden kann. Er hat aber recht wenn er sagt, dass das TOR Netzwerk infiltriert wurde von irgendwelchen Geheimdiensten! Was mich dann noch mehr nervt wenn ich wieder Mal im TOR Netzwerk per Zufall auf Kinderpornos stosse: Wenn es so einfach ist das TOR Netzwerk zu überwachen warum gibt es die noch?

    einklappen einklappen
  • Nervensäge am 08.12.2017 12:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    prison break

    Er sieht auch ein bisschen aus als wäre er der kleine bruder vom Hauptdarsteller.

  • Fox993 am 08.12.2017 10:29 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    member

    erinnert mich an dir Folge aus MR.ROBOT war genau so bis auf das, dass der protagonist nicht verhaftet wurde