Cloud statt Karton

07. Mai 2013 14:51; Akt: 07.05.2013 15:02 Print

Adobe schickt Raubkopierer ins Abseits

Der Software-Hersteller Adobe wagt einen radikalen Schritt: Photoshop und andere Kreativ-Programme werden künftig nur noch im Abo-Modell statt als Verkaufsversion angeboten.

Das neue Photoshop CC (Creative Cloud) im Promo-Video von Hersteller Adobe. (Quelle: adobe.com)
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Der Photoshop-Entwickler Adobe lässt sich ganz auf die Cloud ein. Software-Pakete, die man in Kartonboxen kaufen kann, sollen der Vergangenheit angehören. Stattdessen mietet man die Programme in der Daten-Wolke. Zudem gibt es von Adobe erstmals eigene Geräte.

Das aktuelle Programm-Bündel Creative Suite 6 werde zwar weiter verkauft - aber eine neue Version sei nicht geplant, teilte Adobe am Montag mit. Das Unternehmen betreibt bereits seit mehr als einem Jahr die Abo-Versionen unter der Marke Creative Cloud, die stetig Kunden gewannen.

Pro Monat bezahlen

Mit dem neuen Modell geht Adobe zum einen auf den Trend zum Cloud-Computing ein, bei dem Daten und Programme aus dem Netz laufen. Zum anderen wird auch der Fluss der Erlöse stabiler: Bisher erlebte das Geschäft einen Aufschwung, wenn eine neue Software-Version herauskam - und kühlte ab, je älter sie wurde.

Durch das Abo-Modell, bei dem rund 60 Euro pro Monat für die Nutzung der Programme fällig werden, verteilen sich die Einnahmen gleichmässiger. Adobe bietet neben dem Bildbearbeitungs-Programm Photoshop unter anderem auch Software für das Design von Websites (Dreamweaver), die Arbeit mit Videos (Premiere) oder das Layout von Publikationen (Indesign) an.

Mit diesem Schritt schlage Adobe den Raubkopierern ein Schnippchen, hält der US-Blog ReadWrite fest. Der Softwarekonzern habe seit langem mit der nicht autorisierten Nutzung seiner Programme zu kämpfen. Zwar sei der Kopierschutz mit jeder neuen Version verbesser worden. Damit habe man aber nicht verhindern können, dass Kopien in Windeseile im Internet auftauchten und über Filesharing-Plattformen weiterverbreitet wurden.

Riskantes Vorgehen

Allerdings ist der radikale Schnitt auch nicht ohne Risiken: Die Abo-Gebühren machten zuletzt nur gut ein Fünftel der Adobe-Erlöse von insgesamt rund einer Milliarde Dollar pro Vierteljahr aus.

Zugleich stieg die Nutzer-Zahl bei den Cloud-Angeboten in dem Anfang März abgeschlossenen Geschäftsquartal um 153'000 auf 479'000. Adobe warnt, dass die hohen Kosten in der Umbau-Phase zunächst einmal die Gewinne drücken werden. Bis Herbst 2015 will Adobe vier Millionen Abo-Kunden haben.

Auch andere Software-Anbieter setzen verstärkt auf Cloud-Dienste. So vertreibt Microsoft seine Büroprogramme unter dem Namen Office 365 auch im Abo-Modell. Allerdings geht der Windows-Riese nicht soweit, die Kaufversionen aufs Abstellgleis zu schieben. Auch bei Adobe wird es allerdings vor allem auf Verbraucher ausgerichtete Produkte wie die Bildbearbeitungs-Software Lightroom und Photoshop Elements, das Videoprogramm Premiere Elements sowie die PDF-Software Acrobat auch weiterhin separat zum Kaufen ausserhalb der Creative Cloud geben.

Teil der Neuerfindung von Adobe sind auch die ersten eigenen Geräte des Software-Spezialisten. Es sind ein vernetzter Stift für die Eingabe auf Touchscreens mit dem Namen «Project Mighty» sowie ein digitales Lineal mit der leicht ironischen Bezeichnung «Napoleon Ruler». Zugleich wird das Grafik-Programm Fireworks ganz eingestellt.

(dsc/sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Comdex 1998 am 08.05.2013 11:53 Report Diesen Beitrag melden

    stellt Euch vor ....

    ... ihr wollt Auto fahren, müsstet aber immer zuerst ins Internet, um die neueste Software runterzuladen, damit das Auto überhaupt anläuft. Benzin könnt Ihr auch nicht mehr an jeder beliebigen Tankstelle kaufen, sondern nur noch, wenn ihr Verbindung habt zum Benzinlieferanten, der Euch nur direkt zu Hause oder dann an den teuer zu erkaufenden Access-Mietleitungen mit Benzin versorgt. Ach, und in zwei Jahren müsst Ihr dann übrigens ein neues Auto kaufen, weil das Alte nicht mehr mit dem neuen Benzin und der entsprechenden Software läuft. Wann habe ich jetzt so etwas ähnliches schon mal gehört?

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  • KPD am 08.05.2013 11:48 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Cracks

    Adobe manövriert sich selbst ins abseits... Welcher Privatanwender will eine Software mieten? Immer Online sein(müssen)?Damit werden mit grosser Wahrscheinlichkeit cecrakte Versionen gefördert!

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  • Blub am 07.05.2013 20:29 Report Diesen Beitrag melden

    Raubkopierer? Wiederverkäufer!

    Was soll diese Lösung mit Raubkopierern zu tun haben? Für die wird es auch in Zukunft gecrackte Versionen geben. Adobe schafft auf diese Weise den Wiederverkauf gebrauchter Software ab. Außerdem können Leute nun nicht mehr bei einer Version "stehen bleiben" welche ihren Ansprüche genügt. Sie werden quasi gezwungen immer up to date zu bleiben (inklusive aller Kosten). Ein Vorteil (preislich) ist die Lösung auschl. für Leute, welche immer die neueste Version wollen.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Ein Gamer am 09.05.2013 18:35 Report Diesen Beitrag melden

    Woot?

    Was???? Ich habe viele Adobe Prdukte als Student günstig bekommen. Ich benutze sie jedoch selten, aber ich brauche sie. Vieleicht knapp einmal im Monat. Ich soll also jeden Monat bezahlen, damit ich das Programm einmal benutzen??

  • LukiSZ am 09.05.2013 10:53 Report Diesen Beitrag melden

    Zu gerne würde ich wissen

    wieviele der heutigen legalen Nutzer von Photoshop etc. sich dies nur leisten können, weil sie am Anfang ihrerer Designerkarriere auf eine sog. "Raubkopie" hatten. Angehende Künstler/Studis können es sich kaum leisten eine Software Monatlich zu Lizenzserien (60 bzw. 25 für Studierende).

  • Kurt am 09.05.2013 00:18 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Viele raubkopierer hier

    Wenn man das hier durch liest schreiben viele hier das sie raubkopien verwenden und das als normal ansehen. Der download und betrieb von raubkopien ist eine Straftat!

  • Comdex 1998 am 08.05.2013 11:53 Report Diesen Beitrag melden

    stellt Euch vor ....

    ... ihr wollt Auto fahren, müsstet aber immer zuerst ins Internet, um die neueste Software runterzuladen, damit das Auto überhaupt anläuft. Benzin könnt Ihr auch nicht mehr an jeder beliebigen Tankstelle kaufen, sondern nur noch, wenn ihr Verbindung habt zum Benzinlieferanten, der Euch nur direkt zu Hause oder dann an den teuer zu erkaufenden Access-Mietleitungen mit Benzin versorgt. Ach, und in zwei Jahren müsst Ihr dann übrigens ein neues Auto kaufen, weil das Alte nicht mehr mit dem neuen Benzin und der entsprechenden Software läuft. Wann habe ich jetzt so etwas ähnliches schon mal gehört?

    • Stefan Wälti am 08.05.2013 13:25 Report Diesen Beitrag melden

      Nicht vollkommen falsches denken.

      hahahaha herrliches Beispiel! ABER wir sind nicht zuweit weg von dieser Idee, denke ich. Hauptsache der Bürger wird kontrolliert, auf jede Art und Weise hier in der CH.

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  • KPD am 08.05.2013 11:48 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Cracks

    Adobe manövriert sich selbst ins abseits... Welcher Privatanwender will eine Software mieten? Immer Online sein(müssen)?Damit werden mit grosser Wahrscheinlichkeit cecrakte Versionen gefördert!

    • Kurt am 08.05.2013 23:49 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Gibt es ja nicht mehr

      Wenn keine software mehr verkauft wird gibt es auch keine cracks mehr. Siehe online games, da kann an mit den gecrackten versionen nicht mehr online zocken oder nur noch via eigene server.

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