Cyberkrieg gegen IS

19. November 2015 09:02; Akt: 19.11.2015 11:15 Print

Hacker im Anti-Terror-Krieg – Fluch oder Segen?

Das Hackerkollektiv Anonymous hat dem IS den Krieg erklärt. Was bringen die Aktivisten im Kampf gegen den Terror?

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Am Tag nach den verheerenden Terroranschlägen in Paris hat das Hackerkollektiv Anonymous dem sogenannten Islamischen Staat den Krieg erklärt. Es ist nicht die erste Kampfansage der Cyberaktivisten gegenüber dem IS. Auch nach den Anschlägen gegen «Charlie Hebdo» und einen jüdischen Supermarkt in Paris Anfang des Jahres hatte Anonymous gegen die Terrormiliz mobilgemacht.
Anonymous‘ Kriegserklärung gegen den IS vom 14. November 2015. (Video: Anonymous)

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Gekämpft wird seitens der Hacktivisten mittels «massiver Cyberattacken», wie ein Sprecher des Kollektivs in der nach den Paris-Attentaten veröffentlichten Video-Erklärung sagt. Das Kollektiv legt etwa Websites der Islamisten lahm oder greift gezielt Social-Media-Accounts von Jihadisten an, um deren Kommunikations- und Propagandakanäle zu stören (siehe Bildstrecke). «Wenn wir die Kommunikation unterbrechen, hat der IS weniger Kräfte im Kampfeinsatz», sagt ein Sprecher der Hackergruppe GhostSec gegenüber Zeit.de.

Tausende Twitter-Accounts entfernt

Die derzeitigen Cyberattacken gegen den «Islamischen Staat» werden unter dem Namen Operation Paris geführt. Angaben der Hackergruppe zufolge seien schon 5500 Twitter-Accounts von IS-Anhängern vom Netz genommen worden.


«Anonymous nimmt 5500 ISIS-Twitter-Accounts vom Netz.»

Die Anonymous-Aktionen beschränken sich nicht nur auf die Störung der IS-Propaganda. Die Hackergruppe veröffentlicht auch Namen und Adressen mutmasslicher IS-Extremisten und Sympathisanten:


Die Cyber-Attacken des Hackerkollektivs setzen ein Zeichen im Kampf gegen den IS. Statt lange über Massnahmen gegen die Terrororganisation zu diskutieren, gehen die Hacktivisten mit vermeintlich gutem Vorbild für die freiheitlich denkende Welt voran. Allerdings stellt sich die Frage, ob der Kampf im Netz tatsächlich den gewünschten Effekt erzielt, ob Anonymous mit der Kriegserklärung lediglich Aktionismus betreibt oder ob die Massnahmen am Ende gar kontraproduktiv sind.

Zweifel am Anonymous-Krieg

Schon seit Längerem gibt es kritische Stimmen gegen das Vorgehen der Hackergruppe. Denn obwohl es wünschenswert wäre, der IS-Propaganda im Netz einen Riegel zu schieben, kritisieren Sicherheitsexperten das Vorgehen von Anonymous. Für sie stellt das Hackerkollektiv sowie der IS eine Bedrohung für die Sicherheit in Europa dar. Dies sagte ein Sicherheitsberater im Frühling gegenüber dem Techportal Wired.de.

Nehme man Terror-Seiten und -Accounts vom Netz, werde die Kommunikation der Terroristen zwar gestört. Allerdings hätten dann Geheimdienste und andere staatliche Organisationen auch keinen Zugriff mehr darauf, was die Fahndung nach Extremisten erschwere. Zudem würden die Anonymous-Aktionen die fanatischen Gotteskrieger vermehrt ins Deep Web oder zur Nutzung verschlüsselter Messenger drängen, was deren Verfolgung ebenfalls erschwere.


«Es spielt keine Rolle, WER wir sind. Es ist wichtig, WAS wir tun. Wir agieren im Namen der Menschlichkeit.»

Kontroverse Rolle

Kritisch muss auch das Selbstverständnis des Hackerkollektivs und seiner Sympathisanten betrachtet werden. Anonymous ist per se keine moralisch agierende Gruppierung, sondern eine Hacker-Vereinigung, die sich zwar den Kampf für ein freies Internet auf die Fahne geschrieben, dafür aber schon selbst Online-Dienste wie das Playstation Network, Banken und Unternehmen angegriffen hat.

Mit der Kriegserklärung gegen den IS und ähnlichen Aktionen (wie etwa dem Vorgehen gegen den Ku-Klux-Klan) macht sich Anonymous, auf (medien-)wirksame Weise zum Vorkämpfer westlich-moralischer Werte. Es scheint, als nutze die Gruppierung die Terrorbedrohung für Werbung in eigener Sache.

Über den eigenen Schatten springen

Geht es dem Kollektiv wirklich darum, das Terrornetzwerk nicht nur im Internet, «sondern den IS selbst zu zerschlagen», wie der mutmassliche Hacktivist hinter dem Twitter-Account Operation Paris gegenüber der BBC sagte, dann muss Anonymous über den eigenen Schatten springen.

Wenn nämlich so effektiv wie möglich gegen die Dschihadisten vorgegangen werden soll, muss das Kollektiv mit Behörden, Geheimdiensten oder allenfalls der Presse kooperieren und Informationen über die Netzaktivitäten der Terroristen weitergeben. Allerdings ist eine derartige Zusammenarbeit der anti-staatlich eingestellten Gruppe eher unwahrscheinlich.

Dass Behörden aufgrund von Informationen aus Hackerkreisen effektiv gegen den Terror vorgehen können, zeigt das Beispiel der nicht zu Anonymous gehörenden Hackergruppe GhostSec. Auch sie macht im Netz Jagd auf IS-Anhänger und hat Geheimdienstvertretern und Sicherheitsbehörden schon gesammelte Daten weitergeleitet, wie Bild.de schreibt. Dank dieser Kooperation seien etwa geplante Terroranschläge in Tunesien am 4. Juli dieses Jahres vereitelt worden.

(pst)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Nick Born am 19.11.2015 09:08 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Anonymous

    Wenn man in Anonymous mehr Hoffnung hat als in die Regierung...

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  • Seeed am 19.11.2015 09:23 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ich finds gut

    Die Regierungen haben doch nur schiss, dass sie die nächsten sind die attackiert werden und missbräuche öffentlich gemacht werden. Es gibt lange nicht nur die IS die Dreck am Stecken hat.

  • P.R. am 19.11.2015 09:08 Report Diesen Beitrag melden

    Handeln, statt reden

    Ich finde gut, dass Anonymus handelt und nicht lange Strategien plant, die schlussendlich nichts nützen.

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • Donna M. am 19.11.2015 15:14 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Anonymus

    Das ist doch gut. Anonymus bringt Nervosität rein. Die IS hat eine zu Grosse Präsents im Netz. Ausserdem hätte gerade der Geheimdienst diese Möglichkeit auch. Warum wird sie nicht genutzt?

  • fruitcamper am 19.11.2015 11:54 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Aus Fehlern lernen?

    Haben wir aus dem 20 Jahrhundert keine Lehren gezogen? Wiso wird so lange zugeschaut und diskutiert und verschoben und abgestimmt und und und bis es schlussendlich zu spät ist? Politiker nutzen Ereignisse zu Propaganda zwecken für sich selbst anstatt die Karriere den notwendigen Massnahme unterzuordnen! Go Anonymus!

  • Mike Reinmann am 19.11.2015 11:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    You Have Been Hacked

    Anonymous ist der richtige weg! Das Internet ist viel zu mächtig geworden und mit diesem "Projekt" geben sie ein positives Zeichen. Nämlich das sie sich gegen den IS einsetzen und das was sie tun ist erstaunlich. Ich hoffe sie entlarven noch viele andere IS Anhänger und kämpfen weiter mit diesem Ehrgeiz.

  • Fbbe am 19.11.2015 11:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Neiinn..

    ... jaa nicht koorperierenmit der Regierung!! Die wollen nur Informationen vertuschen um alles wieder besser steuern zu können, was wir erfahren dürfen und was nicht.

  • Maurice Grossen am 19.11.2015 11:50 Report Diesen Beitrag melden

    Schweizer Banken

    Wird die Schweiz wie schon im 2. Weltkrieg von sämtlichen Gräueltaten verschon bleiben weil wir (wir im sinne von DIE SCHWEIZER BANKEN) abermals die Schatzmeister des Bösen (diesmal IS) sind? !