Ferngesteuerte Fracht

03. Juli 2012 00:30; Akt: 03.07.2012 00:47 Print

«Jede Drohne könnte zur Waffe werden»

In drei Jahren soll der US-Flugraum für Drohnen geöffnet werden. Doch die unbemannten Fracht-Flugzeuge könnten mit gefälschten GPS-Signalen leichte Beute für Terroristen werden.

Mit manipulierten GPS-Signalen lassen sich Drohnen kapern. (Quelle: YouTube)
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Es geschah im letzten Dezember irgendwo im Hinterland des Iran. Die Militärs des Gottesstaates erbeuteten nach eigener Darstellung ein unbemanntes Aufklärungsflugzeug der USA und brüsteten sich später mit angeblichen Bildern der Drohne im Staatsfernsehen (20 Minuten Online berichtete). Es handle sich um eine RQ-170 Sentinel, eine geheime Drohne mit Tarnkappen-Technologie, die nach ihrem Stützpunkt «Biest von Kandahar» genannt wird, hiess es aus iranischen Militärkreisen. Man habe die Drohne nicht etwa abgeschossen, sondern mit einer Cyberattacke die Kontrolle übernommen und sanft gelandet.

Stimmt die Darstellung der Iraner, ist ihnen ein Hightech-Gerät des US-Geheimdienstes in die Hände gefallen. Das US-Militär versuchte daher zu retten, was zu retten war: Wegen eines technischen Fehlers sei die Drohne tief in den iranischen Luftraum geraten und schliesslich im Hinterland abgestürzt, als ihr der Treibstoff ausging.

Studenten übernehmen Drohne

Nun zeigen ausgerechnet US-Forscher, dass die Darstellung der Iraner zumindest nicht völlig abwegig ist. Mit einfacher Technik im Wert von rund 1000 Franken ist es einer Gruppe von Studenten gelungen, ein unbemanntes Flugobjekt mit gefälschten GPS-Daten auf einen neuen Kurs zu bringen. Dass die feindliche Übernahme tatsächlich funktioniert, führten die Studenten der University of Texas in Austin dem US-Heimatschutzministerium kürzlich in einem Stadion in White Sands (New Mexico) mit einem ferngesteuerten Modellbau-Helikopter vor. Im Video ist zu sehen, wie der eigentlich auf der Stelle schwebende Helikopter wie von Geisterhand verschoben wird.

Wie genau die Studenten die Originalsignale gestört und durch neue ersetzt haben, um die Kontrolle zu übernehmen, verraten sie aus Sicherheitsüberlegungen nicht. Die USA stellten sich bislang auf den Standpunkt, es wäre äusserst anspruchsvoll, vom Boden aus in das Lenksystem von Drohnen einzudringen. Für militärische Drohnen mit verschlüsseltem GPS-Signal mag dies zutreffen. Bei zivilen Drohnen sind die Signale indes meist nicht verschlüsselt, was sie offenbar zu leichter Beute für Kriminelle macht.

Gefahr für Luftverkehr

Der gelungene Versuch mit dem «entführten» Modellhelikopter zeigt, dass autonome Luftfahrzeuge – wie sie schon bald von Frachtunternehmen wie Fedex, UPS und DHL eingesetzt werden könnten – Risiken bergen. In den USA soll der Luftraum für Drohnen voraussichtlich bereits in drei Jahren geöffnet werden. Grosse Frachtdrohnen würden sich dann den Luftraum mit bemannten Flugzeugen teilen. Gelingt es Terroristen, die Steuerung der Drohnen zu übernehmen, könnte dies zu schweren Flugunfällen führen.

«Wenn man es mit den Kleinen machen kann, dann kann man es auch mit den Grossen», sagte Todd Humphreys, Leiter des Forschungsprojekts gegenüber Fox News. In fünf oder zehn Jahren könnten 30 000 Drohnen im US-Luftraum verkehren, sagt er voraus. «Jede von ihnen könnte zur Waffe werden.»

(owi)