Schweizer Studie

12. Juni 2012 15:46; Akt: 12.06.2012 15:46 Print

Das Web macht Schüler schlauer

Wird das Internet richtig in den Unterricht integriert, können Schulkinder ihre Schreibfähigkeiten markant verbessern, wie eine neue Untersuchung belegt.

storybild

Mädchen profitieren laut Studie weniger vom Internet als Buben. (Bild: Colourbox)

Zum Thema
Fehler gesehen?

Das Internet ist Teil der Lebenswelt von Kindern und Jugendlichen. Vier Fünftel der 6- bis 13-Jährigen nutzen in Deutschland den Computer einmal pro Woche und häufiger, ein Drittel ist Mitglied einer Internetgemeinde und beteiligt sich mindestens einmal pro Woche an Chats.

Viele Erwachsene betrachten diese Entwicklung mit Argwohn: Das Internet erscheint ihnen primär als Quelle unnützer Zerstreuung und möglicher Gefährdung durch sexuelle und andere Gewalt.

Doch das Internet lässt sich auch für die Verbesserung der schriftlichen Ausdrucksfähigkeiten nutzen, wie nun eine Studie des Teams um Hansjakob Schneider vom Zentrum Lesen der Pädagogischen Hochschule FHNW zeigt. Sie bezog 724 Kinder im Alter von 7 bis 10 Jahren in den Kantonen Aargau, Zürich und Baselland ein.

Freies Schreiben

Die Hälfte der 44 Schulklassen erhielt Zugang zu einer anmeldepflichtigen Internetplattform namens «myMoment», auf der die Kinder frei Texte schreiben, lesen und sich darüber austauschen konnten. Die zweite Gruppe erhielt keine Plattform, sondern Stift und Papier, um ihre Texte zu formulieren.

Die Lehrer absolvierten zudem eine schreibdidaktische Weiterbildung. Die Texte werteten die Forschenden zwischen 2009 und 2012 aus, wie der Schweizerische Nationalfonds (SNF), der die Studie unterstützte, am Dienstag mitteilte.

Reichere und emotionalere Sprache

Der Unterschied zwischen den zwei Gruppen war nach drei Jahren deutlich: Die Kinder mit der Internetplattform hatten ihre schriftlichen narrativen Fähigkeiten deutlich verbessert.

Der Unterschied war besonders markant bei sprachlichen Merkmalen, die an der Textoberfläche sichtbar sind: Sie verwendeten häufiger zeitliche Wendungen wie «zuerst .... danach», spannungserzeugende Signalwörter wie «plötzlich» oder «vorsichtig» sowie emotional involvierende Adjektive und Verben wie etwa «erschrocken» und «lachen».

Ihre Texte waren lebendiger als die der zweiten Gruppe, da sie ihre Leser mehr einbanden: Sie wollten ihnen gefallen. Welche Texte die Leser mochten, konnten die Kinder den «häufig gelesenen Texten» auf der Plattform entnehmen. Auch die Rechtschreibung in ihren Texten war besser, obwohl diese von den Lehrpersonen nicht korrigiert wurde.

Buben profitieren stärker vom Internet

Bei der Web-Gruppe haben sich zudem die Geschlechterdifferenzen weniger ausgeprägt entwickelt als bei den anderen Kindern: Alle verbesserten sich markant. Bei der Papier-Gruppe entwickelten nur die Mädchen bessere Schreibfähigkeiten. Die Forschenden vermuten, dass Computer und Internet den Jungen einen besonderen Schreibanreiz bieten.

Sie sind der Ansicht, dass sich die Plattform für den schulischen Sprachunterricht eignet. «Die Plattform MyMoment könnte zudem so weiterentwickelt werden, dass die Kinder nicht nur lernen, besser erzählend zu schreiben, sondern auch besser Anleitungen zu verfassen oder Texte zu überarbeiten», wird Hansjakob Schneider in der Mitteilung zitiert.

(sda)

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Deshalb können Storys, die älter sind als 2 Tage, nicht mehr kommentiert werden. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Seppetoni am 13.06.2012 00:41 Report Diesen Beitrag melden

    Grufti

    Ich kenn dieses myMoment nicht, werde es mir aber anschauem. Was mir aber auf gefallen ist. WTF, LOL ,F...You, ROFL und wie sie alle heissen, hat mit den Internet - Seiten sehr stark zu genommen. Ob das gut sein soll, ich weiss es nicht. Aber Sprache lernt man zu Hause und Schreiben in der Schule. Dazu braucht es keine solche Programme. Es gab schon früher Lernprogamme nur das hat die Kinder nie interessiert. Wenn ich meine Lebenspartnerin sprich Freundin anhöhre spricht sie von ihren Kindern von KIDS und von ihren Schwestern als SIS. Na ja ich bin wohl aus der Mode gekommen. Oder altmodisch.

  • Christian am 12.06.2012 21:55 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Apple 

    Wieso immer Apple? Man kann auch einen billigen HP Mini kaufen mit Windows 7. Und das für 300Franken! Und apples Mac oder wie das heisst kostet 1200Franken! Schade :(

  • Emoticons am 13.06.2012 19:13 Report Diesen Beitrag melden

    Natürlich übers Internet lernen!

    Ohne jetzt irgendwen beleidigen zu wollen, aber alle die immer noch denken, das Internet sei nur zum Spass da und habe nichts mit dem Lernen zu tun, der ist irgendwo im 20. Jahrhundert stecken geblieben. Das Internet ist nicht nur für Medien gut. Die Auffassungsgabe der Menschen unterscheidet sich sehr stark, wie man immer wieder sieht...

Die neusten Leser-Kommentare

  • Emoticons am 13.06.2012 19:13 Report Diesen Beitrag melden

    Natürlich übers Internet lernen!

    Ohne jetzt irgendwen beleidigen zu wollen, aber alle die immer noch denken, das Internet sei nur zum Spass da und habe nichts mit dem Lernen zu tun, der ist irgendwo im 20. Jahrhundert stecken geblieben. Das Internet ist nicht nur für Medien gut. Die Auffassungsgabe der Menschen unterscheidet sich sehr stark, wie man immer wieder sieht...

  • Sarah Matter am 13.06.2012 07:12 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Unsinnige studie

    Mir käme nie in den Sinn, meine unter 10 jährigem Kinder ins Internet zu lassen. Schreiben lernen sie, indem sie ihren Omas und Opas Briefe schreiben mit dem Genuss, dass sie antwortpost erhalten. Es muss nicht immer Computer sein!

    • peter hasler am 13.06.2012 18:07 Report Diesen Beitrag melden

      Umgang muss gelernt werden...

      Und wie soll ihr Kind den verantwortungsvollen Umgang mit dem Internet erlernen? Das Internet ist heute REALITÄT - deal with it...

    • Philipp am 14.06.2012 00:35 Report Diesen Beitrag melden

      Es muss nicht, aber

      Das Internet und dessen Anwendung wird für die heutigen Kinder u.a. im Berufsleben noch eine viel zentralere Rolle spielen als es heute der Fall ist. Der Drang, den Jungen das Internet zu verbieten, empfinde ich als etwas konservativ und verkrampft. Sie sollen den Umgang damit möglichst früh lernen, denn das ist wichtiger, als man auf den ersten Blick vermuten könnte.

    einklappen einklappen
  • Seppetoni am 13.06.2012 00:41 Report Diesen Beitrag melden

    Grufti

    Ich kenn dieses myMoment nicht, werde es mir aber anschauem. Was mir aber auf gefallen ist. WTF, LOL ,F...You, ROFL und wie sie alle heissen, hat mit den Internet - Seiten sehr stark zu genommen. Ob das gut sein soll, ich weiss es nicht. Aber Sprache lernt man zu Hause und Schreiben in der Schule. Dazu braucht es keine solche Programme. Es gab schon früher Lernprogamme nur das hat die Kinder nie interessiert. Wenn ich meine Lebenspartnerin sprich Freundin anhöhre spricht sie von ihren Kindern von KIDS und von ihren Schwestern als SIS. Na ja ich bin wohl aus der Mode gekommen. Oder altmodisch.

  • Rolleyes am 12.06.2012 22:57 Report Diesen Beitrag melden

    Tragisch

    Und für diese Erkenntnisse müssen weltfremde Akademiker ein jahreslanges Studium absolvieren und danach für teures Geld "forschen"... der gesunde Menschenverstand würde diese einfache Fragestellung ganz einfach beantworten.

  • Christian am 12.06.2012 21:55 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Apple 

    Wieso immer Apple? Man kann auch einen billigen HP Mini kaufen mit Windows 7. Und das für 300Franken! Und apples Mac oder wie das heisst kostet 1200Franken! Schade :(