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Gratis und gefährlich?
10. Oktober 2012 11:27; Akt: 10.10.2012 12:23 Print
«Die Probleme bei WhatsApp sind Tatsache»
von Oliver Wietlisbach - Seit Monaten macht WhatsApp mit Sicherheitsproblemen Schlagzeilen. Sollte man die Finger vom Gratis-Messenger lassen? Im Interview erklärt Sicherheitsexperte Oliver Kunz die Risiken.

«SMS sind schwieriger mitzulesen als WhatsApp-Nachrichten oder unverschlüsselte E-Mails», sagt IT-Experte Oliver Kunz. (Bild: Keystone/pd/Fotomontage)
Die von zwei Computerfreaks erfundene Kurznachrichten-App WhatsApp sorgt weiter für Furore. Pro Tag werden zehn Milliarden Gratis-Nachrichten verbreitet: in Echtzeit und werbefrei. Allerdings hapert es bei der Sicherheit, wie Oliver Kunz von der Sicherheitsunterehmung Scip im Interview erklärt. Die Nachrichten können nicht nur von Dritten mitgelesen werden, Angreifer können gar das WhatsApp-Konto «entführen» und im Namen ihres Opfers Nachrichten versenden.
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Herr Kunz, nutzen Sie WhatsApp?
Oliver Kunz: Ja, um mich mit meinen Kollegen auf ein Bier zu verabreden, ist WhatsApp eine tolle Gratis-Alternative zur SMS. Allerdings würde ich nie heikle Daten wie meine Kreditkartennummer darüber senden - die würde ich aber auch nicht im Zug über das Telefon mitteilen. Grundsätzlich gilt: Was man im ÖV nicht herausposaunt, sollte man auch über WhatsApp nicht tun – beide Unterhaltungen können mitgehört werden.
WhatsApp ist die Gratis-Alternative zur SMS: Heisst gratis auch unsicherer?
Auch die Kommunikation über SMS ist nicht für vertrauliche Informationen geeignet. SMS sind aber schwieriger mitzulesen als WhatsApp-Nachrichten oder unverschlüsselte E-Mails.
Das US-Startup gerät immer wieder wegen Mängeln bei der Sicherheit in die Schlagzeilen. Verbreiten die Medien Panik?
Die Sicherheitsprobleme sind Tatsache. Es war bislang für jedermann mit sehr wenig Wissen möglich, das WhatsApp-Konto eines anderen zu übernehmen und in seinem Namen Nachrichten zu versenden. Manche Medien haben aber gewiss übertrieben, wenn sie pauschal von der Nutzung abgeraten haben.
WhatsApp hat seinen Dienst vor einigen Wochen verschlüsselt. Warum gilt die App trotzdem noch als unsicher?
Die Nachrichten werden nicht durchgängig verschlüsselt, also von Endgerät zu Endgerät. Lediglich die Kommunikation zwischen Smartphone und Server wird verschlüsselt. Wer sich Zugriff auf die Server verschafft, kommt daher an alle Daten. Ich vermute, die junge Firma wurde von ihrem gewaltigen Erfolg überrascht und hat sich vor allem um die Weiterentwicklung der App gekümmert. Sicherheitsaspekte blieben dabei lange auf der Strecke.
Erst vor kurzem kam raus, dass sich ein fremdes WhatApp-Konto übernehmen lässt.
Das Problem ist, dass WhatsApp die Anmeldedaten anhand von bekannten Werten generiert. Die Benutzerkennung ist immer die Telefonnummer. Als Passwort wird beim iPhone die sogenannte MAC-Adresse verwendet. Diese Nummer lässt sich sehr einfach in den Einstellungen finden, wenn das Opfer sein Smartphone kurz unbeaufsichtigt lässt. Kennt der Angreifer Telefonnummer und MAC-Adresse, kann er das WhatsApp Konto übernehmen und im Namen seines Opfers gefälschte Nachrichten senden.
Gibt man das iPhone nicht aus der Hand, ist man auf der sicheren Seite?
Leider nein. Der Angreifer braucht keinen physischen Zugriff. Die MAC-Adresse, also das Passwort, kann mit einfachen Mitteln im WLAN mitgelesen werden.
In einem passwortgeschützten WLAN ist man aber sicher?
Nein. Der Aufwand für einen Angreifer erhöht sich zwar, aber mit speziellen Tools lässt sich auch die MAC-Adresse in einem verschlüsselten WLAN mitlesen. Es ist jedoch komplexer, als wenn sich der Angreifer bereits im gleichen WLAN befindet.
Sind Android-Nutzer genauso gefährdet?
WhatsApp nutzt bei Android die sogenannte IMEI, die 15-stellige Seriennummer des Handys, für das Passwort. Sie kann ebenfalls sehr einfach in den Einstellungen gefunden werden. Aus der Ferne ist es aber schwieriger ein WhatsApp-Konto für Android zu übernehmen, da die IMEI-Nummer im Gegensatz zur MAC-Adresse nicht über das WLAN übermittelt wird. Die Achillesferse bei Android ist der App-Store.
Warum?
Angreifer können IMEI-Nummern auch über Spionage-Apps in Erfahrung bringen, die sie in Googles App-Store platzieren. Eine solche bösartige App braucht lediglich die Berechtigung, den Telefonstatus zu lesen. Schon kann sie im Stil eines Trojaners die IMEI- und Telefonnummer, also das WhatsApp-Passwort, an den Angreifer senden. Apple verweigert den Zugriff auf die IMEI für App-Entwickler, was wohl zur Verwendung der MAC-Adresse führte.
Bei der Installation verlangen zahlreiche Apps umfassende Rechte. Warum vertrauen die Nutzer Apps aus völlig unbekannter Herkunft?
Die Berechtigungen klingen oft sehr harmlos, gewähren den Apps aber umfassenden Zugriff auf das Smartphone. Kommt hinzu: Die Apps lassen sich sehr einfach installieren und wieder löschen. Ich beobachte daher immer wieder, dass Anwendungen aus anonymer Quelle ohne viel zu überlegen installiert werden. Ich denke, wir müssen bei Smartphones zuerst noch lernen, kritisch zu werden. Am PC würden wir wohl kaum ein Programm von irgendeinem unbekannten Unternehmen installieren.
Was raten Sie konkret?
Die Nutzer sollten sich überlegen, ob sie eine App wirklich brauchen und misstrauisch sein, wenn die Applikation umfassende Zugriffsrechte verlangt. Damit das WhatsApp-Konto nicht in falsche Hände gerät, sollte das Smartphone mit einem PIN geschützt werden. Zudem sollten iPhone-Nutzer öffentliche und halböffentliche WLANs meiden, bis WhatsApp einen anderen Wert als Passwort verwendet.
Jaja :) Ich glaube das einzige Problem ist dass der Staat nicht direkt auf die Daten zugreifen kann. Plötzlich ist Datenschutz wichtig wenn es um dritte geht. Jetzt mal ehrlich: SMS sind veraltet, zu teuer und im Vergleich wird nicht's geboten. Keine Bilddateien (nur MMS), keine Audioaufnahmen und man sieht nicht ob es gelesen wurde. Short Message Service Auf Wiedersehen. – JaySamzy
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Alle 180 Kommentare

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Böses WhatsApp
Jaja :) Ich glaube das einzige Problem ist dass der Staat nicht direkt auf die Daten zugreifen kann. Plötzlich ist Datenschutz wichtig wenn es um dritte geht. Jetzt mal ehrlich: SMS sind veraltet, zu teuer und im Vergleich wird nicht's geboten. Keine Bilddateien (nur MMS), keine Audioaufnahmen und man sieht nicht ob es gelesen wurde. Short Message Service Auf Wiedersehen.
Ahnungslos
Alle die hier schreiben von wegen sie haben nichts zu verbergen etc. haben doch keine Ahnung: 1. Könnt ihr nicht von euch auf alle anderen schliessen 2. Habt ihr wirklich keine Phantasie? Ich kann mir hunderte Szenarien ausmahlen was mit dieser Lücke machbar wäre. Und wenn ich einer Person wirklich schaden will ist es ja so leicht an deren Handynr. und zugehörige MAC zu kommen. 3. Sicherheitslücken in einem Programm sind immer schlecht, da geht es ums Prinzip. Oder wie fänded ihr es wenn ein Hacker sich z.B. zugang zu eurem Facebook Account verschaffen würde und diesen verunstaltet / löscht?
Apropoz Facebook
Lieber Jonas... Leider muss ich mich da einschalten und diesen Kommentar dementieren. Facebook verfügt lediglich über ein normales Kennwort und eine Emailadresse für die Sicherheitsidentifikation. Das herausfinden der Emailadresse ist heutzutage gar kein Problem mehr, da sie ja sowieso in den meisten Fällen schon auf Facebook veröffentlich wurde. Wer eine Macadresse in einem WLAN Netzwerk nachsehen kann, hat weniger Probleme das Facebookpasswort zu knacken. Was ist nun sicherer??
Tja...
Angst um seine Daten haben und dann Facebook nutzen??? Aha...
Facebook / Datenschutz
@Josha Verstehe nicht was du mir sagen willst, habe FB nur als vergleich genommen, um die Auswirkungen einer Lücke aufzuzeigen. Mir ist auch klar das ein FB Login unter umständen relativ einfach geknackt weden kann. Ebenso habe ich geschrieben das die MAC Adresse sowie E-Mail einfach herauszufinden sind. @Roger Wo steht denn das ich Facebook nutze? Aber selbst wenn, ob nun FB meine Daten hat, mit welchen ich einen eindeutigen Vertrag habe welcher genau regelt was diese mit meinen Daten machen dürfen oder ob irgend ein krimineller meine Daten hat ist wohl noch ein gewaltiger Unterschied!
ist mir egal
kann mir doch egal sein, wenn irgendeiner den Blödsinn mitliest, den ich meinen Kollegen schreibe. Und meine KK-Nummer sage ich wenn überhaupt nur jemandem persönlich, wenn er mir gegenüber steht, von daher sehe ich kein Problem mit WA.
Mitlesen/Senden
mitlesen ist ja nicht unbedingt das Problem sondern zb die "Übernahme" des Kontos den dan könnte man zb nachrichten im Namen des anderen Nutzers schreiben wie zb "ich bin schwanger"
Senden
Mitlesen ist ja nicht das Problem. Die mit deinem Namen gesendeten Nachrichten sind schlimmer. Ueberlegt dir mal, wasman damit alles anrichten kann