1 Million Dollar

18. Januar 2016 20:57; Akt: 18.01.2016 20:57 Print

Facebook kämpft gegen Hass im Netz

Das soziale Netzwerk startet eine Initative gegen Online-Extremismus. «Robuste» Kritik bleibt erlaubt, Hassbotschaften nicht.

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Für «Stimmen des Friedens»: Facebook-Chefin Sheryl Sandberg an der Pressekonferenz in Berlin. (18.1.2016) (Bild: Kay Nietfeld)

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Facebook will gegen die wachsende Zahl von Hasskommentaren vorgehen und stellt technologisches Wissen und Geld zur Verfügung.«Facebook ist kein Ort für die Verbreitung von Hassrede oder Aufrufe zu Gewalt», sagte Geschäftsführerin Sheryl Sandberg.

Gemeinsam mit staatlichen und zivilgesellschaftlichen Partnern stellte sie in Berlin Facebooks europaweite «Initiative für Zivilcourage Online» vor. Man werde Nichtregierungsorganisationen, die sich gegen Extremismus einsetzen, mit rund einer Million Dollar fördern und in Marketingfragen beraten.

Dabei gewonnene Erkenntnisse zum Umgang mit Online-Extremismus würden anderen zur Verfügung gestellt. Damit solle die wissenschaftliche Aufarbeitung des Themas gefördert werden. Deutschland, das nach Unternehmensangaben 27 Millionen aktive Facebook-Nutzer hat, ist als Hauptstandort für die Plattform zur Gegenrede vorgesehen.

Die intensive Debatte um die Flüchtlingskrise zeige, wie sehr die Welt inzwischen vernetzt sei, sagte Sandberg. Es brauche daher partnerschaftliches Handeln von Gesellschaft, Unternehmen und Staat, um sicherzustellen, dass «die Stimmen des Friedens, der Wahrheit und der Toleranz gehört werden».

«Robuste» Kritik oder Hassbotschaft?

Der am Projekt beteiligte Politikwissenschaftler Peter Neumann sagte, das bereits zuvor von Facebook angekündigte Löschen von Hasskommentaren innert 24 Stunden könne nur ein Teil der Lösung sein.

Um nicht in die Totalzensur abzurutschen, müsse eine Gegenöffentlichkeit im Netz geschaffen und gefördert werden und der Zusammenhang zwischen Online-Hass und Offline-Gewalt besser verstanden werden. Auch müssten Polizei und Geheimdienste Extremisten im Netz noch besser observieren.

Facebooks PR-Manager für Europa, Richard Allan, sagte, falls sich künftig andere Unternehmen der Initiative anschlössen, würde Facebook diese auch längerfristig finanziell unterstützen.

In spätestens einem Jahr sollten erste konkrete Ergebnisse vorzuweisen sein, wie Online-Extremismus wirksam bekämpft werden könne. Dabei sei es wichtig, zwischen «robuster» Kritik beispielsweise an Kriegseinsätzen und eindeutigen Hassbotschaften, die gegen Gesetze verstossen, zu unterscheiden.

(ij/sda)