Musik-Streaming

19. April 2012 16:47; Akt: 19.04.2012 16:47 Print

Coca-Cola will nun auch Musik verkaufen

Der Süssgetränke-Konzern plant einen Internet-Musikdienst und geht eine Allianz mit dem Streaming-Anbieter Spotify ein. Streaming soll den illegalen Download-Markt trockenlegen.

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Spotify stammt aus Schweden und ist seit November 2011 auch in der Schweiz verfügbar. (Bild: Fotomontage)

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Der Coca-Cola-Musikdienst basiert auf der Spotify-Technologie und wird unter anderem auf der Facebook-Seite des Getränkeriesen eingebunden.

Coca Cola betonte, das Unternehmen habe in seiner 126-jährigen Geschichte schon immer auf Musik gesetzt, um seine jungen Kunden zu erreichen. Im 19. Jahrhundert etwa gab der Softdrink-Hersteller bereits Notenblätter mit seinem Logo heraus. Zur grossen Zeit des Radios sponserte Coca Cola beliebte Sendungen.

Spotify stammt aus Schweden und ist seit kurzem auch in Deutschland und in der Schweiz verfügbar. Der Dienst bietet quasi unbegrenzten Zugriff auf Musik - eine Internetverbindung vorausgesetzt. Die Basisversion ist kostenlos und werbefinanziert, für rund sechs Franken gibt es unbegrenzten Zugriff vom Computer aus, für knapp 15 Franken auch vom Smartphone.

Streaming ist «Brücke zum legalen Konsum»

Florian Drücke vom deutschen Bundesverband Musikindustrie wertete Streaming «vor allem auch als Brücke zum legalen Konsum». Es werde eine Gruppe angesprochen, die sehr internetaffin sei. In Schweden, dem Heimatland Spotifys, macht der Umsatz mit Streamingdiensten inzwischen 82 Prozent der Umsätze aus.

Mit Blick auf die unterschiedlichen Formen des Musikkonsums betonte er: «Wir haben gegenwärtig einen gesunden Mix der Anteile.» Der Markt biete vom Vinyl bis zur Cloud eine «unglaubliche Vielfalt». Gorny sagte: «Wichtig ist, dass die Leute Musik hören wollen, egal wie sie diese hören wollen.»

Der Vorstandsvorsitzende forderte zudem erneut eine Stärkung des Urheberrechtes - etwa durch Einführung eines Warnhinweises bei Rechtsverletzungen im Netz. Der Politik warf er «Wegducken» vor. Zwar gebe es ein Bekenntnis zum Urheberrecht, es fehle aber ein entsprechendes konsequentes Handeln.

Digital-Markt wächst weiter

Der deutsche Musikmarkt hat im Jahr 2011 erstmals seit 15 Jahren keine Umsatzverluste verzeichnet. Stattdessen gab es beim Gesamtumsatz aus allen Musikverkäufen und Einnahmen ein ganz leichtes Plus von 0,1 Prozent, vor allem dank des weiter stark wachsenden Digitalmarktes, wie der Bundesverband Musikindustrie (BVMI) am Donnerstag in Berlin bilanzierte. Der Umsatz mit physischen Produkten ging um 3,8 Prozent zurück, während der Umsatz aus digitalen Geschäftsfeldern um 21,2 Prozent zulegte.

Der Vorstandsvorsitzende Dieter Gorny sagte, die aktuellen Zahlen seien zwar «positive Signale», aber noch «keine Trendwende». Der Markt sei nur noch «halb so gross, wie er mal war». «Die illegale Konkurrenz ist nach wie vor stark», betonte Gorny. 2010 hatte die Branche ein Minus von 4,6 Prozent verbucht.

«Die CD ist nicht tot»

Neben den Downloads (Umsatzplus 28,8 Prozent) wuchs 2011 auch Vinyl erneut stark - beim Absatz um 10,3 Prozent und beim Umsatz um 15,6 Prozent. Laut BVMI-Geschäftsführer Florian Drücke ist Vinyl mit einem Umsatz von 14 Millionen Euro aber eine «Liebhabernische». Die CD sei mit einem Marktanteil von 73,8 Prozent und einem Umsatz von 1,098 Milliarden Euro trotz der zum Teil starken Rückgänge der vergangenen Jahre das Rückgrat der Branche. «Die CD ist nicht tot.»

Intensivkäufer sorgen für mehr als ein Drittel der Umsätze

Der Kauf von Musik ist aber generell ein Nischen-Hobby: Die Mehrzahl der Deutschen gibt kein Geld dafür aus. Die nur vier Prozent ausmachende Gruppe der Intensivkäufer, die mehr als neun Käufe pro Jahr tätigen, sorgt für 36 Prozent aller Umsätze im Musikmarkt. Der Anteil der Nichtkäufer stieg auf rund 61 Prozent - obwohl 84 Prozent angaben, dass ihnen Musik wichtig oder sogar sehr wichtig sei.

Gorny wies mit Nachdruck die anhaltende Kritik zurück, die Branche sei nach wie vor nicht für das digitale Zeitalter gerüstet. Die Zahl der in Deutschland verfügbaren Online-Musikdienste habe sich 2011 fast verdoppelt auf 70 Angebote. Der Anteil des Digitalmarktes am Gesamtumsatz kletterte auf 16,6 Prozent.

Die Einnahmen mit Werbung und Abonnements bei Audio- und Musikvideostreamings spielten 2011 mit einem Anteil von zehn Prozent am Digitalmarkt noch eine untergeordnete Rolle. Laut einer aktuellen Studie gaben sechs Prozent der Deutschen an, über ein Musik-Abo zu verfügen. 22 Prozent können sich vorstellen, eins abzuschliessen.

(sda/dapd)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Fabio Parente am 19.04.2012 17:48 Report Diesen Beitrag melden

    Zahlunsmethoden

    Ich downloade schon seit mind. 7-8 Jahren Musik aus dem Netz und bin damit gut gefahren. Wenn ich aber den Umbruch in der digitalen Welt der Musik sehe, könnte ich mir sofort vorstellen 15 Fr. im Monat zu zahlen. Das Geld kann man in einem Monat auch "blöder" ausgeben zb. 2 Zigarettenpackungen. Wird es jedoch keine Änderungen bei den Zahlungsmethoden geben, wird diese Art Musik zu konsumieren nicht überleben. Wenige Leute besitzen eine Kreditkarte, noch weniger bei den Jungen. Es muss ein neues Zahlungssystem erarbeitet werden, die es jedem erlaubt von einem Abo zu profitieren.

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  • Flup am 19.04.2012 19:00 Report Diesen Beitrag melden

    Spotify braucht:

    Bis ich mir ein Spotify Abo kaufe braucht es folgende Dinge: - Auch alte Musik (z.B. AC/DC) - Offiziell unterstützen Linux-Client (gleichwertig wie Mac & Win) - Einen günstigeren Preis (180 Fr im Jahr ist mir zuviel) Bis diese Punkte (mindestens die ersten beiden) nicht erfüllt sind genügt mir das gratis Abo um auch auf der Arbeit alle Musikhören zu können die ich will.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Flup am 19.04.2012 19:00 Report Diesen Beitrag melden

    Spotify braucht:

    Bis ich mir ein Spotify Abo kaufe braucht es folgende Dinge: - Auch alte Musik (z.B. AC/DC) - Offiziell unterstützen Linux-Client (gleichwertig wie Mac & Win) - Einen günstigeren Preis (180 Fr im Jahr ist mir zuviel) Bis diese Punkte (mindestens die ersten beiden) nicht erfüllt sind genügt mir das gratis Abo um auch auf der Arbeit alle Musikhören zu können die ich will.

  • Fabio Parente am 19.04.2012 17:48 Report Diesen Beitrag melden

    Zahlunsmethoden

    Ich downloade schon seit mind. 7-8 Jahren Musik aus dem Netz und bin damit gut gefahren. Wenn ich aber den Umbruch in der digitalen Welt der Musik sehe, könnte ich mir sofort vorstellen 15 Fr. im Monat zu zahlen. Das Geld kann man in einem Monat auch "blöder" ausgeben zb. 2 Zigarettenpackungen. Wird es jedoch keine Änderungen bei den Zahlungsmethoden geben, wird diese Art Musik zu konsumieren nicht überleben. Wenige Leute besitzen eine Kreditkarte, noch weniger bei den Jungen. Es muss ein neues Zahlungssystem erarbeitet werden, die es jedem erlaubt von einem Abo zu profitieren.

    • Ted M. am 19.04.2012 21:02 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Bezahlungssystem Apple

      Da ist das System von Apple iTunes super. Hier muss man keine Kreditkarte besitzen und kann Musik und co herunterladen und sogar Abos abschliessen (iTunes Match). Man lädt einfach den Account via iTunes-Karten auf...

    • Marco Meier am 20.04.2012 14:41 Report Diesen Beitrag melden

      Zahlungsart

      Die Zahlungsart ist eigendlich schon in Ordnung, denn dass wenige Leute eine Kreditkarte besitzen ist falsch. Es besitzen mittlerweile sehr viele Personen eine Karte. Gerade im Jungensegment zwischen 20-30 Jahren gibt es eher wenige, welche keine Karte besitzen. Auch gibt es sogenannte Prepayd-Kreditkarten. Die Handhabung ist wie bei einem Bankkonto, man kann nur dieses Geld brauchen, welches man vorgängig auf die Kreditkarte geladen hat. Dadurch kann man auch die Jugendverschuldung eingrenzen.

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