Gut aussehen ist alles

18. September 2014 10:36; Akt: 18.09.2014 13:29 Print

Profi-Fotos sollen mehr Erfolg auf Tinder bringen

Dating-Apps wie Tinder boomen derzeit weltweit. Um im Flirt-Wettbewerb möglichst gut abzuschneiden, zahlen die Jungen auch gern mal 140 Franken für professionelle Porträtbilder.

Junge lassen professionelle Fotos für ihr Timber-Profil machen.
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In einen Club gehen, um jemanden kennenzulernen? Das war gestern. Heute zückt man das Smartphone und loggt sich auf Tinder, Badoo oder Lovoo ein. Die Flirt-Apps boomen. Allein mit Lovoo suchen nach Angaben des Unternehmens aus Dresden mehr als dreizehn Millionen Singles Gesellschaft. Bei Badoo sollen es sogar 222 Millionen sein.

Die Funktionsweisen der Single-Apps sind ähnlich: Man bewertet die Attraktivität der anderen Nutzer und knüpft so Kontakte. Bei Tinder erstellt man ein Profil mit Bild und einigen Informationen. Fortan werden einem potenzielle Flirt-Partner in der Nähe präsentiert. Gefällt einem die Person, schiebt man das Bild nach rechts, entspricht sie den Vorstellungen nicht, nach links. Empfinden sich dieselben zwei Menschen als attraktiv, werden sie benachrichtigt und können miteinander chatten.

«Dank besseren Fotos flachgelegt werden»

Wichtig bei der Nutzung dieser Apps ist in erster Linie, das richtige Profil zu haben. Das heisst insbesondere mit einem schönen Foto zu beeindrucken. Dafür sind Jugendliche offenbar bereit, viel Geld auszugeben.

Beim amerikanischen Lifestyle-Fotografen Max Schwartz kann man beispielsweise professionelle Porträtbilder von sich schiessen lassen, um noch mehr Zuspruch auf Tinder zu erzielen. Für ein bearbeitetes Bild zahlt man rund 70 Franken, für drei 140. «Die Idee ist, dank besseren Fotos flachgelegt zu werden», sagt Schwartz in einem Video-Interview zu «Elite Daily». Zunächst habe es sich um einen Gag gehandelt, unterdessen stünden die Jungen vor seinem Studio Schlange.

Das Bedürfnis nach professioneller Hilfe für erfolgreiche Flirt-Profile machen sich auch Online-Seiten zunutze: Auf dem Männer-Magazin Derberater.de werden Tipps erteilt, um noch mehr Bestätigung zu bekommen. So heisst es beispielsweise: «Fall auf. Um jeden Preis. Im echten Leben würde sich niemand einen überdimensionalen Sombrero aufsetzen, um in einer Bar Frauen anzusprechen. Ein Foto davon auf dem Tinder-Profil wirkt jedoch Wunder.»

«Unverbindlichkeit kann Junge verunsichern»

Dass dies den Druck auf Jugendliche erhöht, noch besser aussehen zu müssen, zeigt sich auf verschiedenen Internet-Foren: «Ist das normal, auf die beste Freundin eifersüchtig zu sein? Ich fühle mich neben ihr so kindisch und unerfahren. Das nervt so mega! Sie hat über 150 WhatsApp-Kontakte auf dem Handy und das meiste sind Typen, die sie bei Lovoo kennengelernt hat. Ich hatte das auch mal, aber ich hab nur fünf Kontakte mehr bekommen, fand das Ganze aber auch total niveaulos und blöd. Na ja, irgendwie fühlt man sich dann wieder hässlich,» schreibt eine junge Frau auf Mädchen.de.

Das Thema beschäftigt auch Pro Juventute: Laurent Sédano, Experte für Neue Medien, sagt: «Via App Kontakt aufzunehmen, fällt vielen leichter, als im Ausgang auf jemanden zuzugehen. Die Unverbindlichkeit kann Jugendliche aber auch verunsichern.» Wichtig sei, dass Jugendliche sich bewusst seien, dass hinter den perfekten Fotos ganz normale Menschen steckten, die auch mal einen «Bad Hair Day» oder schlechte Laune hätten. Und wenn kein gemeinsames Verständnis über den Umgang mit Dating-Apps bestehe, könne deren Benutzung vor allem zu Eifersucht und Beziehungskrisen führen.

Nutzen Sie Tinder, Badoo, Lovoo und Co.? Wie hat die Nutzung dieser Apps Ihr Leben beeinflusst? Melden Sie sich bei uns: feedback@20minuten.ch.

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