Darknet für jedermann

02. Oktober 2013 19:48; Akt: 04.10.2013 08:47 Print

McAfee will Schnüffler der NSA ausschalten

IT-Exzentriker John McAfee sorgt wieder für Schlagzeilen: Dieses Mal nicht mit Drogen und Waffen sondern mit einem Gerät, das die staatliche Überwachung stören soll.

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«Mit D-Central wird es unmöglich sein herauszufinden, wer sie sind, oder wo sie sich aufhalten», sagt der IT-Unternehmer John McAfee. (Bild: Keystone/AP/cm Guerrero)

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Der 68-jährige John McAfee ist eine der schillerndsten Figuren der IT-Welt: Vor über 25 Jahren gründete er die gleichnamige Antiviren-Software-Firma. Obwohl er seit 1994 nichts mehr damit am Hut hat, erklärte er jüngst in einem satirischen Video, wie man den Antiviren-Schutz richtig deinstalliert.

McAfee arbeitete nach seinem Ausstieg als Yogalehrer in Colorado, verfasste mehrere Bücher zum Thema, bis er 2008 nach Belize auswanderte und dort an der Entwicklung von Antibiotika forschte. Nachdem sein Nachbar erschossen wurde, tauchte er unter. Der 68-Jährige bestreitet jegliche Beteiligung an dem Mord und lebt seither wieder in den USA.

Ein verschlüsseltes Mini-Netzwerk

Nun will das Enfant terrible offenbar ein Tech-Comeback geben. Wie die Webseite Mercury News berichtet, soll er an einem Gerät arbeiten, mit dem man sich angeblich der staatlichen Überwachung komplett entziehen kann. «Damit wird es unmöglich sein herauszufinden, wer sie sind, oder wo sie sich aufhalten», sagt McAfee bei der Präsentation an der C2SV Technology Conference in San Jose.

Sein Plan: Die kleine Box namens «D-Central» soll ein dezentrales und verschlüsseltes Mini-Netzwerk aufbauen. Das Gadget soll weniger als 100 Dollar kosten. Die Idee sei, ein privates Netzwerk (mit einem Radius von bis zu 400 Metern) aufzubauen, ein sogenanntes Darknet, das sich komplett vom Internet abkapselt. Vom Erfolg ist McAfee überzeugt: «Ich kann mir keinen Student auf der Welt vorstellen, der diese Box nicht haben will», sagt er.

Prototyp in sechs Monaten

Gebaut ist die Box aber noch nicht. Derzeit sei man auf der Suche nach geeigneten Hardware-Partnern. Ein erster Prototyp soll in sechs Monaten fertig sein. «Und wenn der Verkauf in den USA verboten werden sollte, werde ich das Teil aus England, Japan oder von sonst wo verteilen», sagt er.

Wie McAfee an der Konferenz in San Jose sagte, hatte er die Idee für «D-Central» schon lange vor den Veröffentlichungen von Edward Snowden zum NSA-Abhörskandal. Aber nachdem die Bespitzelung der NSA publik wurde, «sei nun der richtige Zeitpunkt zu handeln».


An der C2SV Technology Conference in San Jose sprach John McAfee über seine Flucht aus Belize und die Pläne mit «D-Central»

(tob)

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Ausgewählte Leser-Kommentare

Offenbar gibts doch noch Leute, die sich aus Überzeugung für den Schutz der Privatsphäre und damit für die Freiheit des Einzelnen einsetzen. Möge das Projekt von Erfolg gekrönt sein. Und wenn er damit noch richtig Geld verdient, sei es ihm gegönnt. – Jol Bear

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Jol Bear am 02.10.2013 20:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Good luck John!

    Offenbar gibts doch noch Leute, die sich aus Überzeugung für den Schutz der Privatsphäre und damit für die Freiheit des Einzelnen einsetzen. Möge das Projekt von Erfolg gekrönt sein. Und wenn er damit noch richtig Geld verdient, sei es ihm gegönnt.

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  • Anonymer am 02.10.2013 20:40 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Top

    Super das würde ich sofort kaufen

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  • Besser Anonym am 02.10.2013 21:23 Report Diesen Beitrag melden

    Darknet 2.0

    Ohne Frage ein kluger Mann mit noch besseren Ideen. So kann man gewissen Industrien zeigen wie das der Hase heute hoppelt, und das man eben nicht jeden und alles verklagen kann. Wenn die Box richtig funktioniert kann man das Darknet 2.0 (das Darknet gibt es chon heute) verklagen. Aber Wer ist Darknet 2.0? Nieman und zugleich alle. Dieser Mann kennt das Geschäft von anfang an. Ihm muss man nicht beibringen wie so etwas funktioniert. Ich hoffe, dass das Projekt erfolgreich ist, und dass die Hardware (wie schon angetönt) nicht teuer wird.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Kariny am 03.10.2013 18:55 Report Diesen Beitrag melden

    Auch wenn jeder meint er spinnt

    Für mich ist der Typ ein Genie. Neben dem Dotcom mein liebster IT Millionä, der der Welt auch zeigt, dass es anders geht.

  • Hoschi am 02.10.2013 22:48 Report Diesen Beitrag melden

    Zusammenfassung der Security-Konferenz

    der UNI Lausanne vorgestern mit Ex-NSA-Mitarbeitern, Hackern etc: Als Nicht US-Bürger hast du keine Rechte. Jede Verbindung, E-Mail etc. wird min. 15Jahre gespeichert. Weder SSL noch AES sind sicher. Die Top 10% aller Mathematiker arbeiten für die NSA (5Mio MA) ... Details beim Guardian. Träumen kann man daheim im Bett.

  • Hacker am 02.10.2013 22:35 Report Diesen Beitrag melden

    Ich vertraue keinem.

    Genau, bauen Sie die Box noch in den USA, mit proprietärer US Software und jeder Student wird ihnen vertrauen. Oder in GB. Oder ... ja wo denn wohl?

  • Technophobie am 02.10.2013 22:33 Report Diesen Beitrag melden

    Ein 400m weites Netzwerk?

    Also, das klingt für mich dann doch etwas seltsam. Vieleicht ist es ja nur schlecht übersetzt, aber was bitteschön bringt mir ein maximal 400m weites komplett vom Internet abgekapseltes Netzwerk? Das klingt in etwa so als würde er ein LAN (falls kabelgebunden vermutlich auf BroadR-Reach Technologie bei dieser Reichweite) aufbauen und einfach alle Gateways in andere Netze irgendwie unterbinden. Oder gibt es dann eine Verknüpfung zwischen allen Geräten in der Umgebung, so dass quasi ein globales Parallel-Netz zum Internet aufgespannt werden kann? Und wer bestimmt dort wie genau wer mithören kann

  • V.V. am 02.10.2013 22:24 Report Diesen Beitrag melden

    Wie sich alles reimt...

    Was für ein netter Zufall. Heute fällt die "Silk Road" wie ein Kartenhaus zusammen und schon wird hier das nächste Darknet verkauft. Die Freiheit finden wir nicht im Netz. Wir sind die Freiheit wenn wir nicht mehr mitmachen.