Kim Schmitz' neuster Coup

22. Juni 2012 15:12; Akt: 22.06.2012 15:44 Print

Die Rache des Riesenbabys

von Daniel Schurter - Kim Dotcom drohen viele Jahre Knast. Dem Internet-Tausendsassa ist das egal. Er provoziert mit einem neuen Gratis-Dienst. Folgt auf das MegaUpload-Imperium die MegaBox-Revolution?

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Kim Dotcom hat es wieder getan. Der deutschstämmige Unternehmer hob am Samstag den Online-Speicherdienst «Mega» aus der Taufe. Der Startschuss fiel genau auf den ersten Jahrestag seiner aufsehenerregenden Festnahme in Neuseeland. Hier auf dem Bild Dotcom beim Interview am 19. Januar 2013 in Auckland. Sind das nicht Kim Dotcom und Steve Wozniak? Tatsächlich: Der MegaUplad-Gründer lässt uns via Twitter wissen, er habe während seines Hausarrests in Neuseeland Besuch vom Apple-Mitgründer erhalten. «MegaWoz» sei ein grossartiger Typ, der sich dafür einsetze, dass die MegaUpload-Nutzer ihre vom FBI beschlagnahmten Dateien wieder zurückerhalten. Kim Dotcom twittert täglich über sein Leben zwischen Himmel und Hölle. Die USA haben ihn wegen Urheberrechts-Verstössen und weiteren Delikten angeklagt, ihm drohen bis zu 50 Jahre Gefängnis, falls er ausgeliefert würde. Das schreckt den Deutschen, der mit seiner Familie in einer gemieteten Luxusvilla lebt, offensichtlich nicht ab ... Trotzdem will er den Online-Musikdienst MegaBox lancieren. Via Twitter hat Dotcom den Screenshot einer Website veröffentlicht, die eine App für Android-Smartphones zeigt. Das Versprechen: «Unbegrenzter Platz für all deine Musik - gratis.» Seinem Humor bleibt der gewiefte Geschäftsmann treu. Er versteht es immer wieder aufs Neue, sich perfekt in Szene zu setzen. Dotcom tanzt wie immer auf zahlreichen Hochzeiten. Angeblich will er diesen Sommer ein eigenes, professionell produziertes Musik-Video herausbringen. Regelmässig hält er seine weltweite Fangemeinde über sein Familienleben auf dem Laufenden. Die Töchter beim Tisch-Fussball. Ein währschafter Zmorge - mit Ketchup. So soll das Cover zu Dotcoms erstem Musik-Album aussehen. Zwischendurch nimmt er das FBI auf die Schippe. Zu diesem Bild twitterte er, es gehe um eine Verschwörung («Racketeering») auf dem Tennisplatz. Dann wieder macht er sich über die Geldwäscherei-Anklage lustig. Und er vermisse das Online-Spielen.

Zum Thema
Fehler gesehen?

Er ist ein Mann, der keine Ruhe findet. Das mag mit seinem schwierigen Start ins Leben zu tun haben. Kim Schmitz wuchs in der norddeutschen Stadt Kiel als Sohn eines Deutschen und einer Finnin auf. Der Vater war Alkoholiker - der Sohn flüchtete sich in eine Fantasiewelt, in der er vom übergewichtigen Teenager zum geheimnisvollen Superhacker mutierte.

Es blieb nicht bei kleinen Betrügereien und jugendlichen Allmachtsfantasien. Der intelligente junge Mann schuf mit der Megaupload-Plattform ein Geschäftsmodell, das ihm Millionen einbrachte und die Internet-Welt veränderte. Und genau das wird er nun wieder tun, davon ist seine weltweite Fangemeinde überzeugt. Zwar drohen ihm bis zu 50 Jahre Knast, falls er von seiner Wahlheimat Neuseeland an die USA ausgeliefert würde. Doch Dotcom lässt sich nicht einschüchtern. Im Gegenteil: Das 1,95 Meter grosse, über 140 Kilogramm schwere Riesenbaby geht in die Offensive.

MegaBox kommt doch

Über seinen neuen Twitter-Account kündigte Dotcom diese Woche einen neuen Angriff auf die Unterhaltungsindustrie an. Dabei liess ein Wort die Alarmglocken läuten: MegaBox.

Sein neues Angebot soll ein Internet-Musikdienst sein, bei dem die Künstler ihre Werke kostenlos zum Download anbieten können und indirekt - sprich über Online-Werbung - dafür entschädigt werden. Ein via Twitter verbreitetes Foto zeigt den Screenshot einer Website: Darauf wird für eine Android-App geworben, die «unbegrenzten Platz für all deine Musik» verspricht.

Verschwörungstheorie?

Im Januar - nach der Verhaftung Dotcoms - hatten Gerüchte die Runde gemacht, dass der FBI-Schlag gegen MegaUpload auf Drängen der US-Musikindustrie erfolgt sei. Im Internet wurde eine Verschwörungstheorie verbreitet, wonach die Polizeiaktion erfolgte, um die Lancierung von MegaBox zu verhindern.

Das sei kein so abwegiges Szenario, vermuteten Kommentatoren. MegaUpload war zu jenem Zeitpunkt auf Platz 13 der weltgrössten Websites, mit monatlich über einer Milliarde Nutzer. Ausgehend von diesen Zahlen kann man sich unter MegaBox einen iTunes-Herausforderer vorstellen, der gratis ist und bis zu 50 Millionen Nutzer pro Tag hat.

Ketchup zum Frühstück

Kim Dotcom ist längst zur Pop-Ikone geworden. Auf Twitter, wo er innert eines Tages über 1000 Follower gewann, lässt er die Welt an seinen verrückten Einfällen und seinem Familienleben teilhaben. Zum Frühstück gebe er den Kindern Ketchup, witzelt der fünffache Vater. Dann wieder nimmt er das FBI auf die Schippe, schimpft über die «Hollywood-Marionetten» und tut so, als würde er auf dem Tennisplatz seiner Villa etwas Kriminelles planen.

Mit Raikkönen auf dem Nürburgring

«Ich habe gerade erst angefangen», singt der 38-Jährige in einem Song, den er angeblich selbst komponiert hat. «Take me away», heisst der Titel, der ein verrücktes Video vom legendären Nürburgring untermalt. Hauptdarsteller, neben Dotcom, ist der Formel-1-Fahrer Kimi Raikkönen. Kim und Kimi in einer Kopf-an-Kopf-Fahrt auf der deutschen Rennstrecke. Dotcom hat den professionell produzierten Clip, der 2011 gedreht wurde, im Frühjahr auf YouTube hochgeladen.

(Quelle: youtube.com/MrKimDotcom)

Song Anfang nächster Woche

Dass er sich gerne mit Prominenten schmückt, ist hinlänglich bekannt. Den Song zum Rennvideo hat er mit Printz Board produziert - ein berühmter Musikproduzent aus Los Angeles, der auch schon mit den Black Eyed Peas gearbeitet hat. Der Amerikaner soll angeblich auch Dotcoms erstes Musik-Album produzieren, das in diesem Sommer herauskommen soll.

Schon bald werde es einen musikalischen Vorgeschmack geben, verriet nun Dotcom via Twitter. Den Song «Mr. President» stelle er Anfang nächster Woche ins Netz - natürlich gratis.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • K.K am 22.06.2012 20:30 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Geld ist alles !

    Super typ.. Man sollte lieber Mörder und Vergewaltiger jagen und diese einspeeren.

  • F.Moussa am 24.06.2012 23:45 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Altes Geschäftsmodel

    Viel zu altes geschäftsmodel seitens der Multimedia Industrie. Es müssen neue wege gefunden werden musik gewinnbringend zu vermarkten. Cd's kaufen ist out.

  • Ivan Huber am 25.06.2012 06:44 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Riesenbaby

    Sagt ihm doch einfach Mr. Dotcom. Ständig diese dämliche Übernamen wie Riesenbaby oder Kleiner. Sobald jemand grösset ist, kriegt er die dümmsten Übernamen. Dotcom mach was du willst, du bist alt genug um selber zu entscheiden aber auch dann die Konsequenzen zu nehmen wie sie kommen.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Der Egon am 25.06.2012 21:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Das ganze erinnert mich

    doch sehr an den Bill Gates Grössenwahn...

  • Nico am 25.06.2012 11:31 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    1A

    Der hats einfach drauf ;D

  • Ivan Huber am 25.06.2012 06:44 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Riesenbaby

    Sagt ihm doch einfach Mr. Dotcom. Ständig diese dämliche Übernamen wie Riesenbaby oder Kleiner. Sobald jemand grösset ist, kriegt er die dümmsten Übernamen. Dotcom mach was du willst, du bist alt genug um selber zu entscheiden aber auch dann die Konsequenzen zu nehmen wie sie kommen.

  • Johnny B. am 24.06.2012 23:45 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Cooler Typ

    Genialer Typ und Geschmack was die Autos betrifft hat er auch. Ist glaube ich ein Mercedes CLK DTM AMG, extreeeem selten.

  • F.Moussa am 24.06.2012 23:45 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Altes Geschäftsmodel

    Viel zu altes geschäftsmodel seitens der Multimedia Industrie. Es müssen neue wege gefunden werden musik gewinnbringend zu vermarkten. Cd's kaufen ist out.