Von Mosaic bis Chrome

29. Januar 2013 10:53; Akt: 29.01.2013 10:53 Print

So surften wir vor 20 Jahren

Oft wird der Netscape Navigator als erster wichtiger Webbrowser genannt. Die Ehre gebührt jedoch mindestens zu gleichen Teilen Mosaic, der bereits 1993 das WWW eroberte.

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Der erste Webbrowser wurde vom Schöpfer des World Wide Webs im Herbst 1990 am CERN in Genf entwickelt. WorldWideWeb, so der Name des ersten Browsers, hatte zwar eine grafische Benutzeroberfläche, konnte aber Bilder noch nicht automatisch laden und darstellen. Noch vor Mosaic wurde 1992 der textbasierte Browser Lynx an der University of Kansas entwickelt. Im Screenshot wird die Seite wikipedia.de dargestellt. Lynx kommt bis heute an Text-Terminals ohne Mausbedienung zum Einsatz. Der Vorteil der Textbrowser: Sie sind im Vergleich zu ihren grafikbasierten Rivalen sehr schnell und gelten als nahezu absturzsicher. NCSA Mosaic war einer der ersten Webbrowser mit grafischer Benutzeroberfläche inklusive Eingabefeld für WWW-Adresse, Vor- und Zurück-Button etc. Die damalige Innovation: sich automatisch aufbauende Seiten mit Texten und Bildern. Mosaic lief ursprünglich auf Unix, wurde aber bald auf Apple Macintosh und Microsoft Windows portiert. Die offizielle Version 1.0 von Mosaic erschien am 1. April 1993. Auch für PDAs, die Vorgänger heutiger Smartphones, gab es schon früh rudimentäre Webbrowser. PocketWeb gilt als erster mobiler Webrowser und wurde 1994 für das Apple Newton MessagePad entwickelt. Abgelöst wurde Mosaic vom weit bekannteren Netscape Navigator. Die Firma Netscape wurde vom Programmierer und Unternehmer Marc Andreessen mitbegründet, der bereits zuvor massgeblich an der Entwicklung von Mosaic beteiligt war. Die Veröffentlichung erfolgte im Oktober 1994 unter dem Namen Mosaic Netscape 0.9. Bis etwa 1996 war Netscape Navigator der führende Webbrowser. Nebst dem Netscape Navigator basiert auch der Internet Explorer (IE) von Microsoft auf Mosaic. Die erste Version von 1995 war nicht selbst entwickelt, sondern vom Unternehmen Spyglass eingekauft worden. Spyglass war damals auch für den Vertrieb von Mosaic zuständig. Da Microsoft den IE zusammen mit Windows verbreiten konnte, verlor Netscape ab 1996 rasch Marktanteile. Opera aus Norwegen erschien in der ersten Version 1996 und gilt als einer der innovativsten Browser überhaupt. Die schlanke Alternative zum IE und Netscape Navigator war einer der ersten Browser, der Tabs und einen Pop-up-Blocker fest integriert hatte. Anfang 2003 präsentierte Apple seinen eigenen Browser namens Safari. Wie Opera konnte sich auch Safari nie in der Windows-Welt durchsetzen. Inzwischen gibt es Safari nur noch für Mac, iPhone und das iPad. Spätestens 2000 hatte Netscape den Browserkrieg gegen den Internet Explorer verloren. Wie Phönix aus der Asche stieg dafür am 9. November 2004 Mozillas Firefox. Der Open-Source-Browser zeichnet sich vor allem durch seine zahlreichen praktischen Erweiterungen (Add-Ons) aus, die neue Funktionen wie etwa Werbeblocker installieren. Im Dezember 2008 griff Google in den Browserkrieg ein. Da Chrome auf der eigenen Suchseite beworben und für alle populären Betriebssysteme angeboten wird, gewann er rasch Marktanteile. Heute liegt Chrome, je nach Statistik, bereits vor dem IE und Firefox. Chrome gilt als besonders schneller Browser, Entwickler-Google steht wegen angeblichen Datenschutzproblemen aber immer wieder in der Kritik.

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Lange vor Chrome, Firefox oder Internet Explorer gehörte das World Wide Web Mosaic. Am 23. Januar 1993 veröffentlichten Eric Bina und der spätere Netscape-Gründer Marc Andreessen die Vorabversion. Der Pionier-Browser sollte das erst vier Jahre zuvor am CERN entwickelte WWW im Sturm erobern.

Mosaic war nach ViolaWWW (1990) und Erwise (1992) einer der ersten Browser, der auf einer grafischen Benutzeroberfläche basierte und somit nicht nur Text, sondern auch Bilder darstellen konnte. Mit ihm wurde das Internet bunt und die Bedienung auch für Laien verständlich.

Erste «Killer-App»

1993 und 1994 wurde Andreessens Browser, der an der Universität von Illinois entwickelt worden war, zum Synonym für Webbrowser. Mosaic hatte eine Dominanz, die um die Jahrtausendwende nur noch von Microsofts Internet Explorer erreicht werden sollte.

Jahre zuvor war Mosaic der erste Webbrowser, der nicht nur von Forschern an Universitäten, sondern von einer relativ breiten Öffentlichkeit wahrgenommen wurde. Mosaic «wurde die erste Killer-App», sagte Danny Powell von der Universität Illinois rückblickend dem Tech-Portal TechNewsDaily. Zu seinen besten Zeiten luden sich monatlich rund 5000 Internet-Nutzer Mosaic herunter.

Der Browser-Krieg

1994 verliess Andreessen das Mosaic-Team und gründete das Unternehmen Netscape, das den erfolgreichen Netscape Navigator entwickelte. Der neue Browser verdrängte Mosaic rasch als führenden Browser, bis Netscape Ende der 1990er Jahre seinerseits von Microsofts Internet Explorer abgelöst wurde. Die Entwicklung des legendären Mosaic wurde im Januar 1997 nach der Veröffentlichung der Version 3.0 eingestellt.

Ganz tot ist der erste populäre Browser aber noch nicht. Seine Schöpfer stellen ihn auf ihrem FTP-Server noch immer zum Gratis-Download bereit.

Der erste Browser wurde am CERN entwickelt

Und wie heisst der allererste Browser mit einer grafischen Benutzeroberfläche? Schlicht und einfach WorldWideWeb (später Nexus). Programmiert wurde er von Tim Berners-Lee am CERN in Genf. Am 25. Dezember 1990 kam WorldWideWeb zum ersten Mal zum Einsatz. Im Gegensatz zum späteren Mosaic stellte er Bilder noch nicht automatisch dar, diese mussten zuerst manuell geöffnet werden.

Eine Übersicht der Browser von 1990 bis heute finden Sie in der Diashow sowie in dieser Grafik.

Mit welchem Browser waren Sie zuerst im WWW auf Surftour?

(owi)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • cyril leuenberger am 29.01.2013 11:49 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Von wegen

    Ich hab ein HP ultrabook mit Win7 und Safari drauf vonwegen Safari gibt es nur noch für den Mac/Ipod und Ipad xD

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  • John Ness am 29.01.2013 13:23 Report Diesen Beitrag melden

    Compuserve, Billboard, Mozilla

    War zuerst mit CompuServe und mit Billboard Systemen unterwegs (Rösslitor Box, Squirrelbox in Winterthur, divese andere). Mit CompuServe habe ich auch meine erste Version 2.x von PGP von einer amerikanischen Seite heruntergeladen. Das alles auf einem 740.- fränkigen 14400 Pocket Modem (Quiitung noch vorhanden). Danach kam Mozilla Netscape. Telefonrechnungen von gegen 600.- waren dann die Norm, bis Swisscom den Nachttarif von 1.- / Stunde einführte. Man das waren noch Zeiten! Heute ist alles besser, aber es gibt auch viel Schrott. Früher musste man schlanke Websites programmieren. Heute? Naja.

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  • Un Vergesslich am 29.01.2013 12:21 Report Diesen Beitrag melden

    Netscape, Opera ... Firefox!

    Herrlich! Und das Geräusch, welches das Modem beim verbinden ins Netz gemacht hat. Unvergesslich. Die Mutter, die nicht mehr telefonieren konnte weil ihr Sohn stundenlang im Web unterwegs war. Köstlich! :-)

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Martin am 01.02.2013 07:51 Report Diesen Beitrag melden

    IE Mac war auch toll hahahaha

    Ich bin erst viel später dazu gekommen. Da gabs schon den IE 5.5 der dazumal das Mass aller Dinge war (fand ich). Das würde ich von den aktuellen IE's die so rumschwirren im Netz nicht mehr behaupten. Globale Browserstats:

  • Peter Rohner am 30.01.2013 09:20 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    old times

    die ersten erfahrungen sammelte ich mit meinem 300baud akkustikkoppler am atari st. damit wurden nächtelang mailboxen (mail war nicht das was heute unter mail verstanden wird, sondern forensysteme) abgeklappert. man versuchte auch mal die eine oder andere illegal zu besuchen..... mit gopher kam dann sowas wie web und plötzlich war da mozilla und alles weitere. dazu hörte ich meist sounds von drs 3, am mic war jeweils francois mürner....das war eine coole zeit. schade ist sie vorbei (inkl larry laffer). heute bin ich weit in den 50er...

  • Ex-Student am 30.01.2013 07:26 Report Diesen Beitrag melden

    Mein 1. Browser: Mosaic auf VMS

    Mosaic (zumindest die damalige Version) konnte noch nichts mit Frames anfangen und machte Probleme, wenn man einen Link anklickte, bevor die Seite vollständig geladen war - vor allem dann, wenn ein Eingabefeld auf der Seite gewesen ist, denn das blieb einem auch die kommenden Seiten über erhalten. Hach, was waren das für Zeiten!

  • Marc Bjorg am 30.01.2013 07:19 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Zeit vergeht...

    Mosaic, Netscape... Das waren noch Zeiten. Chrome vermeide ich auf PCs weil Chrome der einzige Browser ist der System Dateien umschreiben kann, ganz ohne Malware. Da benutze ich lieber Firefox.

  • Fritz am 30.01.2013 04:42 Report Diesen Beitrag melden

    Netscape Navigator, kurz nach Mitte 90er

    Das waren noch Zeiten, kurz nach Mitte der Neunziger Jahre. Um einen mehrminütigen Film der 38MB gross war, benötigte ich mit dem 56k Modem, die ganze Nacht hindurch, so gegen die Acht Stunden war das. Wenn ich heute auf so eine ähnliche grosse Datei klicke, dann ist sie innert weniger als eine Minute weg. Was ich noch schreiben wollte, ich benutzte damals den Netscape Navigator.