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Skala der Entrüstung
01. Mai 2012 12:39; Akt: 01.05.2012 12:40 Print
Bei Stufe 6 wütet der Shitstorm mit voller Wucht
von Daniel Schurter - Zwei Social-Media-Profis haben eine Methode entwickelt, mit der man die Intensität von «Empörungswellen» im Internet beurteilen kann. Die Skala reicht von harmlos bis bedrohlich.
Ein unappetitliches Wort ist in aller Munde: Shitstorm. Selbst die «Neue Zürcher Zeitung» gab sich letzte Woche der Fäkalsprache hin. Die Wirtschafts-Professorin Miriam Meckel durfte in einem Gastbeitrag von den «scheissstürmischen Gefilden» schreiben, in denen wir lebten. Heute brauche es nur wenig Aufwand, um grosse Empörungswellen auszulösen.
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Sprachwissenschaftler stellen fest: Der aus den englischen Wörtern «Shit» und «Storm» zusammengesetzte Begriff macht im deutschsprachigen Raum rasant Karriere. Im Februar ist er zum Anglizismus des Jahres 2011 gewählt worden. Die Fachjury begründete ihre Entscheidung damit, dass es keine passende Übersetzung für das vor allem im Internet gebräuchliche Wort gebe.
Wie bei der Windskala
Die Social-Media-Experten Daniel Graf und Barbara Schwede haben eine Skala entwickelt, mit der sich die Schwere eines Shitstorms beurteilen lässt. An einer Fachtagung zu Social Media in Zürich haben die beiden kürzlich ihre Kreation vorgestellt - und damit vor allem in ausländischen Medien ein beträchtliches Echo ausgelöst.
«Wir haben versucht, die Beaufort-Skala auf die Social-Media-Welt anzuwenden», erklären die Erfinder im Firmenblog. Die berühmte Windskala basiere ebenfalls auf Beobachtungen, argumentieren sie. Wenn Zweige von Bäumen brechen und hohe Wellenberge mit Schaumstreifen zu sehen seien, spreche man von stürmischem Wind der
So weit nach oben geht die Shitstorm-Skale nicht - sie endet bei
Es gibt keine Wunderwaffe
Die Stärke eines Shitstorms lasse sich mit ihrer Skala genauer beschreiben und analysieren, sagen die Erfinder. «Gleichzeitig liefert das grobe Raster ein Verständnis dafür, wie sich ein laues Lüftchen zu einem Orkan entwickeln kann.» Shitstorm-Analysen zu machen, sei keine exakte Wissenschaft, sondern vielmehr mit den Muotathaler Wetterschmöckern vergleichbar. Was zähle, seien persönliche Erfahrung und genaues Hinschauen. So ist auch die Shitstorm-Skala entstanden.
Aber wie überlebt man einen Shitstorm? Einfache Antwort der Social-Media-Profis: Ruhig bleiben und genau beobachten, wie sich die Situation entwickelt. Jeder weitere Schritt will gut überlegt sein. Eine Wunder-Gegenwaffe gebe es nicht.
Politiker und Grosskonzerne sind gleichermassen machtlos, wenn sich die geballte Wut der Internet-Nutzer endtlädt und ein Shitstorm losbricht. Die deutsche Bundeskanzlerin sagte kürzlich, man dürfe sich «nicht wegducken bei Massenbewegungen im Internet».
Die Empörungswellen rollen über Online-Foren, Blogs und soziale Netzwerke wie Twitter und Facebook heran. Irgendwann ist das Interesse der Journalisten geweckt und die herkömmlichen Medien greifen das Thema auf.
Facebook und Co. als Brandbeschleuniger
Da der Ruf eines Unternehmens oder gar die Existenz auf dem Spiel steht, ist guter Rat teuer. Zahlreiche Social-Media-Agenturen bieten mittlerweile ihre Dienste an. Zu den Anti-Shitstorm-Dienstleistern gehört auch die Zürcher Werbeagentur Feinheit, die die Shitstorm-Skala veröffentlicht hat.
«Shitstorms gehören zum Internet wie der Wind zum Wetter», sagen die Fachleute. Die sozialen Netzwerke funktionierten als eigentliche Brandbeschleuniger. Den Betroffenen bleibt der Trost, dass jedem Sturm früher oder später die Luft ausgeht.
Mit Material der Nachrichtenagentur SDA
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Vollgas
Je mehr Stürme es gibt, desto mehr verlieren sie ihre Wirkung und es braucht immer mehr Power und Gründe für berechtige Stürme... Daher Vollgas durch, damit bald nur noch echte Stürme "überleben"
Shit Shitstorm
Um eines mal vorab zu nennen, viele dieser "Stürme" sind gerechtfertigt und absolut nachvollziehbar! Was mir aber immer mehr auffällt, ist diese Heulmentalität vieler Leute. Da wird wegen allem rumgeheult und gleich eine Mega-Protestwelle ausgelöst, die eine unglaubliche Dynamik entwickelt. Wenn du dann Tage, Wochen, Monate später einzelne nach der Ursache fragst, weiss keiner Bescheid. Ich würde den Begriff Shitstorm zu den Lemmingen zu ordnen. Einer heult... Alle Heulen!
"Shitstorm"
Manchmal ist doch Empörung auch gerechtfertigt und wird mit anständigen, seriösen Argumenten kommuniziert. Wird etwa für solche Fälle auch das negativ bewertende Wort "Shitstorm" benutzt?
Wer entscheidet?
Wer entscheidet, ob die Empörung gerechtfertigt ist? Die Empörten selbst finden ihre Empörung ja immer gerechtfertigt, sonst hätten sie sie nicht. Ich habe jedenfalls noch nie erlebt, dass bei Shitstorms mit seriösen Argumenten kommuniziert wurde, auch wenn das Grundanliegen dahinter durchaus "gut gemeint" war.