Fluch und Segen

16. Mai 2012 18:18; Akt: 17.05.2012 00:10 Print

Tausende Android-Geräte - App-Entwickler ächzen

Vom Billig-Handy bis zum Luxus-Tablet: Die Auswahl in der Android-Welt ist riesig. Und im Herbst sollen die ersten Android-5-Geräte kommen. Für Entwickler und Nutzer hat die Vielfalt auch Nachteile.

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Schon 4000 Android-Geräte und es werden täglich mehr. Die Konkurrenz zum iPhone ist weltweit das beliebteste Betriebssystem für Smartphones und Tablets. Bereits 56 Prozent der mobilen Geräte laufen mit Googles Android, wie die neusten Zahlen der Marktforschungsfirma Gartner zeigen. Apple kommt lediglich auf 22 Prozent. Überbordende Freude kommt bei den meisten Anroid-Geräteherstellern trotzdem nicht auf.

Samsung dominiert

Im Android-Lager zementiert Samsung seine Führungsposition immer stärker und schöpft den Grossteil der Gewinne ab. Dahinter streiten sich Dutzende Rivalen um die Brotkrumen (siehe Bildstrecke). Selbst Giganten wie HTC oder LG hinken weit hinterher oder vermelden gar Rekordverluste, wie Sony.

Samsung wurde von Google als Hardware-Partner auserkoren für seine Vorzeige-Handys aus der Nexus-Reihe. Andere Hersteller, die bislang nicht von dieser Vorzugbehandlung profitieren konnten, seien mit Google nicht besonders glücklich, zitiert das «Wall Street Journal» eine anonyme Führungskraft aus der Branche. Die Android-Lizenznehmer befürchten zudem, dass der Suchmaschinenriese den übernommenen Handy-Pionier Motorola bei der Entwicklung neuer Geräte bevorzugen könnte.

Neue Android-5-Geräte im Herbst

Die Sorgenfalten der bislang eher glücklosen Gerätehersteller wolle Google mit einer neuen Produktstrategie glätten, berichtet das WSJ. Der Suchmaschinenriese werde bis November 2012 mindestens fünf Smartphones und Tablets aus der Nexus-Reihe mit Android 5 alias Jelly Bean vorstellen. Für die neuen Nexus-Geräte arbeite Google nicht wie bislang mit einem, sondern mit fünf Geräteherstellern zusammen. Die Nexus-Linie besteht aus speziellen Android-Geräten, auf denen jeweils das Original-Betriebssystem läuft - ohne Anpassungen durch Gerätehersteller oder Mobilfunkbetreiber.

Bisher verfolgte Google eine andere Strategie: Eine neue Android-Version wurde zunächst auf einem Nexus-Vorzeigemodell präsentiert, das mit einem ausgesuchten Hardware-Partner entwickelt wurde. Nun aber werde die nächste Android-Version den Geräteherstellern frühzeitig zur Verfügung gestellt, damit diese bereits zur Einführung von Android 5 die neuen Modelle ausliefern können.

Android 4 noch kaum verbreitet

Google muss Lehren aus der langwierigen Einführung von Android 4 ziehen und die neue Strategie mit mehreren Hardware-Partnern hätte gewichtige Vorteile: Die aktuelle Android-Version wurde im November 2011 lanciert, die meisten Hersteller brachten aber erst rund sechs Monate später die ersten Android-4-Geräte heraus. Da zudem Monate verstrichen, bis von Samsung, Sony und Co. die ersten Updates für bereits verkaufte Geräte eintrudelten, kamen Ende April erst fünf Prozent der Android-Nutzer in den Genuss des neuen Betriebssystems.

Im Mai lief das veraltete Android 2.3 (Gingerbread) noch immer auf rund 55 Prozent aller Geräte, die noch ältere Version 2.2 findet sich auf 20 Prozent der Geräte. Die aktuelle Version 4 war hingegen auf weniger als zehn Prozent der Geräte zu finden. Die Zersplitterung der Android-Plattform ist einerseits für die App-Entwickler ärgerlich, die ihre Apps für mehrere Betriebssystem-Versionen entwickeln und theoretisch auf Dutzenden Geräten testen müssen. Andererseits leiden auch die Smartphone-Nutzer darunter, die teils schlecht optimierte Apps erhalten.

Vielfalt ist Segen und Fluch

Anfang Jahr wollte Google-Verwaltungsrat Eric Schmidt seine Zuhörer an der Consumer Electronics Show davon überzeugen, dass man bei Android nicht von Fragmentierung, sondern Vielfalt sprechen solle. Tatsächlich gibt es aktuell rund 4000 Geräte und die Kunden finden in der Android-Welt vom Billig-Handy bis zum Premium-Tablet alles, was das Herz begehrt. Schmidt sieht daher keine Probleme, solange jeder Android-Nutzer die gleichen Apps installieren kann.

Diese Argumentation könnte ziemlich kurzsichtig sein. Zahlreiche Android-Entwickler scheitern täglich daran, ihre Programme auf tausenden Geräten mit unterschiedlichster Hardware und unterschiedlichen Android-Versionen stabil zum Laufen zu bringen. Das WSJ spricht gar vom «Wilden Westen», der bei Android herrsche.

(owi)

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Ausgewählte Leser-Kommentare

Die Hauptprobleme der langsamen Verbreitung von Ice Cream Sanwich (Android 4) liegen vor allem bei: - sinnlosen Verschlimmbesserung der Benutzeroberfläche durch die Geräte- Hersteller - Unendliche Anzahl von Untermodellen (hunderte bei Sony (Ericsson) für jeden Markt, für jeden Anbieter, so kann man nur Miese machen) - Einsatz alter SoC in Einsteigergeräten Es ist unverständlich, dass Google diesem Unfug noch lange zuschaut. Man stelle sich vor, jeder PC Hersteller baut eine eigene Benutzeroberfläche auf Windows, ersetzt den Grossteil der Standardanwendungen durch eigene Kreationen - das Chaos wäre perfekt. Während sich die Android-App-Entwickler mit einer Vielfalt von Displaygrössen, Auflösung, Schriftgrössen usw. herumschlagen muss (die autom. Anpassung funktioniert eher schlecht) kennen IOS Entwickler diese Probleme (noch?) nicht - gibt es doch effektiv nur gerade zwei Varianten iPhone/iPad und iPad. Die hochauflösenden Displays dienen ausschliesslich zur Verfeinerung der Darstellung. – Kurt Schumacher

Ich bin selbst privater Entwickler von Mobile-Apps und muss dem Autor vollkommen recht geben. Mittlerweile unterstütze ich in meinen Android-Apps nur noch die verbreitetsten Geräte und Konfigurationen - sprich, die Galaxy-Geräte. Nichtsdestotrotz ist aus Entwicklersicht Android noch immer sehr angenehm - wer einmal den App-Approval-Prozess bei Apple mitgemacht hat, will das kein zweites Mal erleben. Wäre iOS nicht so erfolgreich, würde sich diese Willkür kein Mensch freiwillig antun. – Markus Bodenmann

Ich bin Entwickler von Android-Apps und kann dazu sagen, dass dieses Fragmentations-Problem hauptsächlich von den Medien verbreitet wird. Google hat sehr intelligente Tools entwickelt, die genau diese Probleme behebt. So kann eine einzelne App auf allen Betriebssystemen laufen, egal über welche Displaygrösse, Prozessorgeschwindigkeit, Sprache ect. das Smartphone verfügt. Das ganze Problem sind nicht die verschiedenen Spezifikationen der Geräte, sondern Entwickler die (sorry) keine Ahnung haben! Und mal ehrlich, Android hebt sich dadurch ja von der Konkurrenz ab, dass es auch günstigere, kleinere oder grössere Smartphones gibt. Aus meiner Sicht ist das also kein Problem, sondern eine Chance, für dieses System Apps zu entwickeln, die im höchsten Mass flexibel einsetzbar sind. Ist doch allemal besser, als wenn alle Personen das gleiche Gerät haben! – Martin

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Franzi am 18.05.2012 07:17 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Apple ist besser

    Ich bin von Android zu Apple gewechselt und bereue es kein Stück. Mein Android-Phone (HTC) hat immer gestockt und sonstwelche Macken gehabt, mein iPhone läuft dazu im Vergleich 1000x mal besser. Mir ist mein iPhone bis jetzt einmal abgestürzt, und hatte alle meine Daten wieder dank iTunes und dem Backup. Mein HTC durfte ich damals wieder neu bestücken ;-)

  • Markus Bodenmann am 16.05.2012 18:34 Report Diesen Beitrag melden

    Guter Artikel

    Ich bin selbst privater Entwickler von Mobile-Apps und muss dem Autor vollkommen recht geben. Mittlerweile unterstütze ich in meinen Android-Apps nur noch die verbreitetsten Geräte und Konfigurationen - sprich, die Galaxy-Geräte. Nichtsdestotrotz ist aus Entwicklersicht Android noch immer sehr angenehm - wer einmal den App-Approval-Prozess bei Apple mitgemacht hat, will das kein zweites Mal erleben. Wäre iOS nicht so erfolgreich, würde sich diese Willkür kein Mensch freiwillig antun.

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  • Martin am 16.05.2012 18:30 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nicht gleicher Meinung

    Ich bin Entwickler von Android-Apps und kann dazu sagen, dass dieses Fragmentations-Problem hauptsächlich von den Medien verbreitet wird. Google hat sehr intelligente Tools entwickelt, die genau diese Probleme behebt. So kann eine einzelne App auf allen Betriebssystemen laufen, egal über welche Displaygrösse, Prozessorgeschwindigkeit, Sprache ect. das Smartphone verfügt. Das ganze Problem sind nicht die verschiedenen Spezifikationen der Geräte, sondern Entwickler die (sorry) keine Ahnung haben! Und mal ehrlich, Android hebt sich dadurch ja von der Konkurrenz ab, dass es auch günstigere, kleinere oder grössere Smartphones gibt. Aus meiner Sicht ist das also kein Problem, sondern eine Chance, für dieses System Apps zu entwickeln, die im höchsten Mass flexibel einsetzbar sind. Ist doch allemal besser, als wenn alle Personen das gleiche Gerät haben!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • s.w am 20.05.2012 19:01 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    das beste

    das beste an android ist das es kein iphone ist. android 4 ever

  • Hinco am 18.05.2012 17:04 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    5 vs. 4000+

    Jetzt mal im Ernst: Wie kann man 5 iPhone Generationen ( also 5 Handys) mit 4000+ Android Handys vergleichen? Wenn es 5 Geräte schaffen, die Hälfte des Marktes von 4000+ Handys zu ergattern, dann ist das eine deutlich grössere Leistung.

  • MrToastbrot am 18.05.2012 16:31 Report Diesen Beitrag melden

    Warum nicht wie bei Windows

    Ich kann bei meinem Windows auch verschiedenste Software installieren und auch die Oberfläche verändern. Und trotzdem ist es möglich, dass jedes Windows (von der gleichen Version) ein Update bekommt. Warum kann nicht Google ihr System so umprogramieren, dass die Hersteller weiterhin ihre Oberflächen einfügen können, aber die Updates trotzdem von Google selbst kommen. Dieses Fragmentierungsgeschiss geht mir langsam auf die Nerven. Übrigens zu dieser Tabelle mit den Geräten: Teilweise kommen Geräte auch mehrmals vor, wenn sie z.B. eine andere Rom benutzen. Es sind nie und nimmer 4000 Geräte.

  • Thomas am 18.05.2012 12:00 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Konsequent!

    Ich bleibe bei meinem iphone 4s!

  • sagich nicht am 18.05.2012 09:49 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    kein ersatz

    android ist kein ERSATZ für ios es ist einfach etwas anderes wie ein dell und ein microsoft computer