EPFL-Projekt

09. Juli 2017 22:44; Akt: 09.07.2017 22:44 Print

Künstliche Intelligenz lernt Songs zu schreiben

Computer werden zunehmend kreativer : Ein Algorithmus der ETH Lausanne schreibt Musik, die so originell ist wie die aus menschlicher Feder.

Die EPFL-Forscher haben einen Algorithmus entwickelt, der eigenständig Musik komponiert. (Video: EPFL)
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In Spielen wie Schach oder Go haben Computer den Menschen bereits übertrumpft. Lernende Algorithmen können sogar Fotos in Imitate von Kunstwerken bekannter Künstlerinnen und Künstler umwandeln. Aber künstliche Intelligenz (KI) holt noch in einem weiteren Feld auf, das bisher eine Hochburg menschlicher Kreativität war: Ein an der ETH Lausanne (EPFL) entwickelter «Deep Learning»-Algorithmus komponiert Melodien.

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Zugegeben, auch der «Deep Artificial Composer», den Florian Colombo und Wulfram Gerstner von der EPFL kürzlich an der EvoStar Konferenz vorstellten, imitiert schon Dagewesenes. Er erzeuge jedoch keine Plagiate, sondern ebenso originelle Stücke wie ein Mensch, teilte die EPFL am Donnerstag mit. Der Algorithmus schreibt dabei Noten und produziert keine Audiodateien. Wie es tönt, wenn eine vom Computer generierte Melodie auf einem Cello gespielt wird, kann hier (MP3) gehört werden.

Komponieren ohne Theorie

Es gibt bereits mehrere Projekte, künstlicher Intelligenz das Komponieren beizubringen. Darunter sind Algorithmen von Google und von Forschenden an verschiedenen Universitäten weltweit, die beispielsweise Jazzmusik fabrizieren oder Werke von Bach imitieren. Viele der bereits existierenden KI-Komponisten würden auf traditionelle Musiktheorie zurückgreifen, schrieb die EPFL.

Der nun vorgestellte Algorithmus jedoch lernte das Komponieren von null auf. Colombo und Gerstner fütterten ihn mit einem Datensatz aus Irish Folk und Klezmer-Stücken, die er Note für Note analysierte und Wahrscheinlichkeiten berechnete, welcher Ton als nächster folgen würde und mit welcher Länge. So erstellte der «Deep Artificial Composer» sein eigenes Regelwerk für diese Musikstile. Das Gleiche wäre aber auch mit jedem anderen Stil möglich.

Anschliessend liessen die Forscher den Algorithmus an weiteren Stücken trainieren und seine Vorhersagen verbessern. Sobald er den Folgeton mit einer Trefferquote von 50 Prozent und seine Länge zu 80 Prozent richtig vorhersagen könne, brauche er kein weiteres Training und könne ähnliche, aber doch neue Melodien von Anfang bis Ende komponieren, so die Mitteilung. Menschliche Nachbearbeitung sei nicht nötig.

Die richtige Menge Training

Wichtig ist das richtige Mass an Training: Zu wenig führt zu Melodien, die selbst für Laien nicht überzeugend klingen (MP3), während zu viel Training auch nicht gut ist: Dann nämlich ähneln die neu komponierten Stücke tendenziell zu sehr bereits existierenden. Aber auch das merkt der «Deep Artificial Composer», indem er sein neues Werk mit seinem Datensatz an bestehenden Musikstücken vergleicht.

Noch steckt der Algorithmus in den Kinderschuhen, da er nur einstimmige Melodien generieren kann, so die Forscher. Langfristig würde Colombo ihn laut eigener Aussage gern so weiterentwickeln, dass er Partituren für ein ganzes Orchester schreibt.

(tob/sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Ch.U.R. am 09.07.2017 23:10 Report Diesen Beitrag melden

    Das ist doch nichts Neues

    Die Radiostationen spielen den ganzen Tag Songs die klingen wie von einer App produziert in der lediglich ein paar Parameter verändert werden.

  • K. I. am 10.07.2017 00:32 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Funktionsweise der AI

    Hinter der KI steckt im Endeffekt ein neuronales Netzwerk, welches - rein nüchtern betrachtet - nichts anderes als pure Statistik ist. Echte Kreativität oder Intelligenz hat man leider noch nicht entdeckt.

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  • osacre am 09.07.2017 23:23 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    seelenlos

    Ich hab's gehört. Computer haben keine Seele - und so tönt auch die Musik. Alles fehlt, was Menschen mit ihren Empfindungen definiert. Musik ist Ausdruck der Seele. Algorithmen sind tot.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Shredder am 10.07.2017 12:43 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    KI

    Ich würde eher sagen, diese KI kann eine Reihenfolge von verschiedenen Tönen harmonisch und rhythmisch so zusammenstellen, dass es Für unser Ohr Sinn macht. Das hat allerdings noch nichts mit Songs Komponieren zu tun.

  • musiker am 10.07.2017 10:55 Report Diesen Beitrag melden

    einheitsbrei

    seit es computer gibt klingt pop wie ein ei dem andern , früher hatten wenigsten die einzelnen gruppen/ interpreten vielfach ihren eigenen stil

    • Theodor am 10.07.2017 14:28 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @musiker

      Gitarre, Bass, Schlagzeug, Sänger, evtl mal ein Piano, Geige, Bläser. Heutzutage mit dem Computer sind die möglichkeiten von Instrumenten ausser dem Sänger unendlich. Einheitsbrei? Sollten evtl. nicht nur 0815 Radio hören.

    • Bach am 10.07.2017 23:36 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @musiker

      Das Problem ist nicht der Computer sondern der Komerz. Wenn du Musiker bist und dich nicht nur so nennst müsstest du das wissen.

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  • Zulu am 10.07.2017 09:47 Report Diesen Beitrag melden

    smart

    Immer wieder interessant wie einige Intelligenz mit Bewusstsein gleichsetzen. Die Natur verhält sich intelligent wenn die Evolution sich den Gegebenheiten anpasst um bessere Vorteile zu erlangen. Ja wir bauen sogar intelligente Geräte. Wie Smartphones etc. Hat alles nichts mit Bewusstsein zu tun oder mit Weisheit oder sonst was. Nur das Bewusstsein kann allem einen tieferen Sinn geben. Dafür braucht man nicht mal sonderlich intelligent sein.

  • KI-Kari am 10.07.2017 08:53 Report Diesen Beitrag melden

    Kreativität

    Von einer Intelligenz sollte man erwarten, dass sie versteht, was sie gerade macht. Ich denke nicht, dass dieses ordinäre Computerprogramm versteht was Musik ist. Dieses Programm mix zudem einfach bestehende Musik und hat keine Vision von einer neuen Melodie. Kreativität ist, wenn etwas intelligentes eine Vision verwirklicht.

  • Daniel am 10.07.2017 08:51 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Konsumgut Musik

    Das hat bereits Jan Böhmerman eindrucksvoll bewiesen, als er einen 0-8-15 Singer-songwriter-stück von 4 Affen hat schreiben lassen. Zudem bestehen 99% der bekannten Lieder des letzten Jahrhunderts aus so ziemlich den gleichen Akkorden, auch weil es gar nicht so viele Töne bzw Akkorde zur Auswahl hat. Der grosse Teil der Musikkonsumenten kann mit Avantgarde sowieso nix anfangen. Das ist aber auch OK. Mann muss ja auch nicht das Rad ständig neu vermarkten.