Technologie-Experte

14. März 2017 17:41; Akt: 14.03.2017 17:41 Print

Dank neuer Technik wird bald jeder jeden erkennen

Mario Sixtus ist Journalist, Dok-Filmer und Grimmepreis-Träger. Im Interview erzählt der Deutsche, wie Technologie unser Leben beeinflussen wird.

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Herr Sixtus, Sie besuchen diese Woche die Schweiz. Wie sehen Sie unser Land aus technologischer Sicht?
In Sachen Digitaltechnik sehe ich die Schweiz gleichauf mit den anderen mitteleuropäischen Ländern, wie zum Beispiel Deutschland. Es ist in der Bevölkerung zwar durchaus ein Interesse sichtbar an neuen Entwicklungen, aber auch eine gewisse Scheu und Reserviertheit. Ich bin bisweilen in Asien unterwegs, wo man beispielsweise Senioren im Park beim «Pokémon Go»-Spielen zusehen kann. Diese Selbstverständlichkeit, mit der dort digitale Innovationen in den Alltag eingebaut werden, kann ich mir weder in Deutschland noch in der Schweiz vorstellen.

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Die Technologie entwickelt sich rasant. Welche Chancen und Risiken sehen Sie?
Wie bei vielem anderem ist bei technisch-gesellschaftlichen Veränderungen der grösste Feind die Angst. Es ist wichtig, Zukunftsszenarien mit einem klaren Kopf und ohne Panik durchzudenken. Wenn wir in Europa vor dem Neuen immer erst zurückschrecken und mit ängstlichen Augen darauf starren, dann verpassen wir nicht nur noch mehr den Anschluss im Digitalen, sondern erlauben auch Bremsern und Populisten, unsere Zukunft zu bestimmen. Ich wünsche mir mehr Optimismus und mehr gesellschaftliches Selbstvertrauen dem Neuen gegenüber.

Nach den Enthüllungen zu Schnüffeleien durch die NSA und die CIA: Steuern wir auf eine Big-Brother-Zukunft zu, sind wir schon da, oder ist alles halb so schlimm?
Dass alles, was wir online treiben, ob wir nun gerade einkaufen oder Pornos anschauen, von Geheimdiensten und von fremden oder eigenen Regierungen beobachtet werden kann, sollte jedem klar sein. Dagegen hilft auch verschlüsselte Kommunikation nur bedingt und Gesetze eher gar nicht. Interessant wird es – und dieses Szenario habe ich ja in meinem Spielfilm «Operation Naked» entworfen –, wenn der Zugriff auf persönliche Informationen nicht mehr nur von einem einzigen Big Brother durchgeführt wird, sondern praktisch von jedem Bürger, von unendlich vielen Little Brothers also.

Welchen Einfluss wird Augmented Reality auf unseren Alltag haben?
Augmented Reality führt das Digitale mit dem Alltäglichen zusammen, und zwar direkt vor unseren Augen. Sie erlaubt uns den Blick auf eine Informationsschicht, ohne dass wir dafür mühsam Internet-Adressen irgendwo eintippen müssten. Der Wikipedia-Eintrag zu einem berühmten Gebäude, die Gästebewertungen zu einem Restaurant, der Weg zum Hotel in einer fremden Stadt, die Inhaltsstoffe eines Lebensmittels im Supermarkt usw. – all das werden wir künftig automatisch im Blick haben.

In Ihrem Vortrag geht es um Augmented Places, also um die digitale Erweiterung von Orten. Werden wir künftig in einer Art Parallelwelt leben?
Wenn Sie sich heute eine Gruppe «Pokémon Go»-Spieler anschauen, die an einem bestimmten Ort in der Stadt mit ihren Smartphones stehen und dort Zeichentrick-Wesen einfangen, die nur sie selbst sehen, dann kann man ahnen, wohin die Reise geht. Möglicherweise steuern wir auf eine Zukunft zu, in der jeder Mensch tatsächlich einen Ort anders wahrnimmt als die Person direkt neben ihm, obwohl diese sich doch zur gleichen Zeit am gleichen Ort aufhält. Vermutlich benötigen wir für Ort dann eine ganz neue Vokabel.

Sie haben viele Jahre über digitale Trends berichtet. Welche Entwicklungen sehen Sie am Horizont?
Ich vermute das nächste grosse Disruptionspotenzial in der Technologie der Gesichtserkennung. Die Big-Brother-Szenarien, die davon ausgehen, dass Regierungen oder Konzerne mithilfe von Überwachungskameras jeden Passanten auf der Strasse erkennen, sind ja bekannt. Wenn aber jeder Zeitgenosse mithilfe seines Smartphones oder einer Datenbrille jeden Menschen, den er auf der Strasse sieht, mit Namen nennen und beispielsweise dessen Facebook-Profil einsehen kann, dann werden sich die Gesellschaft und unser Zusammenleben massiv ändern.

(swe)

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Roger von der Erde am 14.03.2017 18:01 Report Diesen Beitrag melden

    Keine Angst

    vor der Technologie. Jedoch keinerlei Vertrauen in diejenigen, welche daraus Profit schlagen. Wie immer, werden diese ohne Rücksicht auf Leben alles nur zu ihrem Vorteil benutzen. Wir können dabei nur verlieren

  • Orchidea am 14.03.2017 18:13 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Weiterentwicklung??

    Also, ich sehe weder Sinn, noch Gewinn, noch irgendeine persönliche Weiterentwicklung, im Spielen von Pokémon und Beobachten von Pokémon-go-Zombies, die in ihrer eigenen Scheinwelt durch die Gegend zirkeln.

  • Asker am 14.03.2017 18:15 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Heute Nein, morgen Ja

    Meine Generation ging für Datenschutz Wahrung vor Jahren noch demonstrierend auf die Strasse. Heute geben sie intime Details freiwillig und selber auf facebook bekannt. Es wird wieder ein Aufschrei wegen der Gesichtserkennung geben um dann wenig später als normal im Alltag Einzug zu halten...

Die neusten Leser-Kommentare

  • ne ne am 16.03.2017 07:14 Report Diesen Beitrag melden

    Überwacht

    "Wie bei vielem anderem ist bei technisch-gesellschaftlichen Veränderungen der grösste Feind die Angst." Aha! Bei mir ist es leider der überwachungsstaat, der mir Angst macht.

  • Stöff am 15.03.2017 18:20 Report Diesen Beitrag melden

    Wenn nötig mit der Faust!

    werde ich mein Recht am eigenen Bild verteidigen! Also steckt besser eure Datenbrillen weg!

    • Boris am 16.03.2017 04:52 Report Diesen Beitrag melden

      Die Faust löst das Problem sicher nicht.

      Und was machst du mit all den Kameras die sich an Bord von Sateliten, Drohnen und in den Städten überall befinden, die alle mehr oder weniger problemlos gehackt werden könnten ?

    • Boris am 16.03.2017 04:59 Report Diesen Beitrag melden

      Das Problem geht viel tiefer als wir gla

      Die Kameras in allen Computern und in sämtlichen Smartphones, Tablets und TVs lsssen sich noch viel problemloser hacken als Sateliten. Wenn du auf der Toulette mit dem Smartphone surfst, können sie dich beim grossen Geschäft beobachten und fotografieren, du würdest das nicht mal merken.

    • K.I. am 16.03.2017 11:00 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Boris

      sie machen keine fotos sie nehmen in allerruhe alles auf und verwenden irgendwas davon gegen dich vil deine eigenen leute auf dich zu bringen ausm verkehr ziehn.

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  • Chris am 15.03.2017 13:11 Report Diesen Beitrag melden

    Nicht alles Neue ist gut

    "...dass die Zukunft von Bremser und Populisten bestimmt wird." Aber er überlegt keinen Rappen weit ob solche Leute wie er nicht die Psychos sind, die den Menschen mehr und mehr zum Roboter machen, ihm das Denken und die Ruhe aberziehen durch 24/7-Informationsbelieferung, die Instinkte abgewöhnen weil alles Einengende ja NUR im Namen der Sicherheit geschieht etc. Solchen Digitalfantasten sollte auch mal etwas der Riegel geschoben werden.

  • Vanessa am 15.03.2017 07:22 Report Diesen Beitrag melden

    Ach was

    Alles was vorausgesagt wird, tritt dann doch nicht ein. Der erste grosse Schritt wäre mal, dass Autos keine Menschen mehr überfahren. Das wird auch in 10 Jahren noch nicht so weit sein. Heute bekommt man immer noch bei den Neuwägen nichts, wenn man nicht extra viel draufzahlen will. Der Bedarf ist nicht da. So schnell geht es nicht.

    • vani am 15.03.2017 13:12 Report Diesen Beitrag melden

      Ach was

      meine liebe wenn menschen überfahren wurden hat der fahrer nicht genug auf den verkehr und fussgänger geachtet. Problem beim ursprung angehen bitte

    • MasterMind am 26.03.2017 15:10 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @vani

      Wieso? Das Problem ist der Fahrer. Wenn der Fahrer durch ein selbstfahrendes System ersetzt wird, werden auch keine Fussgänger mehr überfahren. Nur so wird der Ursprung des Problems, (Mensch am Steuer) beseitigt.

    einklappen einklappen
  • Freier Mensch am 14.03.2017 22:32 Report Diesen Beitrag melden

    Oh, hab's mir anders überlegt:

    Bin jetzt doch für Burka und auch für Männer