Social-Media-Wettbewerb

30. März 2012 14:22; Akt: 30.03.2012 14:29 Print

Facebooker jagen Juwelendiebe

In Europa und Nordamerika findet am Samstag ein gross angelegtes Internet-Experiment statt, bei dem 5000 Dollar winken. Doch die spielerische Verbrecher-Fahndung hat einen Haken.

storybild

Wer einen der gesuchten Verbrecher auf offener Strasse sieht, soll ihn fotografieren. (Bild: Screenshot tag-challenge.com)

Zum Thema
Fehler gesehen?

Am Samstag, 31. März, um 8 Uhr morgens, beginnt die Menschenjagd. Daran beteiligen können sich Facebook-Mitglieder in Europa und Nordamerika. Das Ziel: Einer internationalen Bande von Juwelendieben soll das Handwerk gelegt werden. Die mutmasslichen Mitglieder sind in London, Bratislava, Stockholm, New York City und Washington DC untergetaucht und sollen nun anhand von Fahndungsfotos aufgespürt werden. Als Belohnung winken 5000 Dollar. Keine virtuellen Facebook-Taler, sondern richtige amerikanische Dollars.

Was nach einer fragwürdigen Hetzjagd klingt, ist in Tat und Wahrheit ein Social-Media-Wettbewerb namens «Tag Challenge». Hinter dem Wettbewerb verbirgt sich die offenbar ernst gemeinte Frage, ob eine weltweite Social Community wie Facebook den Behörden behilflich sein kann. Etwa bei der Suche nach Verbrechern oder anderen grenzübergreifenden Aufgaben.

Von US-Regierung gesponsert

In der simulierten Verbrecherjagd geht es darum, dass sich Facebook-Nutzer auf verschiedenen Kontinenten organisieren. Sie sollen die fünf mutmasslichen Verbrecher ausfindig machen und fotografieren. Die gesuchten Personen laufen während 12 Stunden durch die Strassen und tragen ein auffälliges T-Shirt. Teamwork ist zwingend erforderlich: Denn nur wer alle fünf Verbrecherbilder auf die Wettbewerbs-Website hochlädt, gewinnt.

Und jetzt wird es komisch: Der «unabhängige Non-Profit-Anlass» wird vom US-Aussenministerium und der amerikanischen Botschaft in Prag gesponsert. Laut Angaben auf der Website stammt das Konzept von einer Gruppe von Studenten aus sechs verschiedenen Ländern. Sie wollen mithilfe des Wettbewerbs herausfinden, wie die «transatlantische Sicherheit» (Europa/Nordamerika) verbessert werden kann. Die Veranstalter versichern, dass alle wissenschaftlichen Erkenntnisse anschliessend im Internet veröffentlicht würden. Der Anlass stehe mit keiner Strafverfolgungs-Behörde in Verbindung.

Staatliche Suche

In der Schweiz ist die Verbrechersuche via Facebook bereits Realität. Seit November 2011 veröffentlicht die Stadtpolizei Zürich via Facebook und Twitter Medienmit­teilungen oder postet Zeugenaufrufe und Links zu ent­­­sprechenden Fotos. «Bei Fahndungen nach Vermissten oder Straftätern können ausserdem schnell viele Menschen erreicht werden», sagte Sprecher Michael Wirz gegenüber 20 Minuten Online. Aber auch andere Schweizer Polizeibehörden haben ihre Präsenz im Internet spürbar verstärkt.