:-)

12. Februar 2014 09:58; Akt: 17.06.2014 12:25 Print

Wir nehmen Smileys als echte Gesichter wahr

Emoticons sind fester Bestandteil unserer Kommunikation. Die Zeichenfolgen sind so wichtig geworden, dass unser Gehirn sie als Gesichter interpretiert, wie Forscher entdeckt haben.

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SMS, E-Mails, Tweets: In der digitalen Kommunikation werden Emoticons verwendet um eine Stimmungslage zu widerspiegeln. Mittlerweile sind die Strich-Punkt-Gesichter so fest in unseren Köpfen verankert, dass sie sogar das menschliche Gehirn austricksen. Wie Owen Churches von der Universität Flinders in Adelaide herausgefunden hat, sind Emoticons ein so grosser Bestandteil unserer Kommunikation geworden, dass Menschen auf Zeichenfolgen wie :-) gleich reagieren wie auf ein menschliches Gesicht.

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Für das Erkennen von Gesichtern sind bestimmte Teile des Gehirns, wie der occipitotemporale Kortex zuständig. Diese Regionen werden aktiviert, wenn unsere Augen ein Gesicht erfassen, wie der «Telegraph» berichtet. Steht das Antlitz auf dem Kopf, gibt es ebenfalls eine spezifische Resonanz im menschlichen Gehirn. Mithilfe moderner Gehirn-Scan-Technologie können diese Reaktionen gemessen werden.

In einer Studie mit 20 Teilnehmern hat der australische Forscher herausgefunden, dass bei der Betrachtung von Emoticons die gleichen Regionen im Gehirn aktiviert werden, wie bei echten menschlichen Gesichtern. Dies geschah allerdings nur bei der traditionellen Schreibweise :-) und nicht beim invertierten Emoticon (-:. Churches kommt zum Schluss, dass Menschen über die Jahre gelernt haben die Emoticons als menschliche Gesichter zu interpretieren. Seine Forschungsergebnisse wurden im «Social Neuroscience Journal» publiziert.

«Es ist wirklich erstaunlich»

«Emoticons sind eine neue Form der Sprache. Um diese zu entziffern, haben wir neue Muster im Gehirn entwickelt», erklärt Churches gegenüber ABC Science. Die Reaktion sei aber nicht angeboren, sagt der Forscher. «Vor 1982 gab es keinen Anlass, dass die Zeichenfolge :-) sensible Bereiche des Kortex aktiviert hätte», sagt Churches. Jetzt aber sei dies anders, weil wir gelernt hätten, hinter den Zeichen ein Gesicht zu erkennen. «Es ist sozusagen eine kulturelle Antwort und wirklich erstaunlich», so der Wissenschaftler.

Tippfehler oder Absicht?

Über die Entstehung der Emoticons kursieren verschiedene Geschichten. In einem Transkript einer Rede von Abraham Lincoln von 1862, das die «New York Times» veröffentlicht hat, kam in einem Abschnitt die Bezeichnung «Applaus und Gelächter ;)» vor. Jedoch ist unklar, ob es sich dabei um einen Tippfehler handelt oder es beabsichtigt war. Die erste dokumentierte Verwendung von :-) geht auf das Jahr 1982 zurück. Damals kommentierte Scott Fahlman in einem Online-Forum der Carnegie Mellon Universität erstmals mit der mittlerweile berühmt gewordenen Zeichenfolge. Er verwendete sie, um humorvolle und ernsthafte Beiträge zu unterscheiden. Er gilt darum als Vater des Smiley-Gesichts.

(tob)

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