Hacken nach Dienstplan

26. Februar 2013 22:22; Akt: 27.02.2013 13:11 Print

Chinas «Online-Armee» arbeitet nur werktags

von Christopher Bodeen, AP - Im Westen geben die Cyber-Attacken aus China zu reden. Die chinesische Regierung gibt Chaoten die Schuld. Doch dagegen sprechen vor allem die Zeitpunkte der virtuellen Angriffe.

Zum Thema
Fehler gesehen?

Hinter Onlineangriffen aus China stecken angeblich Militär und Geheimdienste. Chinas Regierung weist die Vorwürfe zurück, aber Experten argumentieren mit aussagekräftigen Details - wie etwa geregelte Arbeitszeiten der Hacker.

Chinas Führung will mit Hackenangriffen auf ausländische Ziele nichts zu tun haben. Dafür müssten Chaoten verantwortlich sein, heisst es in Peking. Aber ein Umstand spricht laut Experten dafür, dass doch professionelle Internetspione am Werk sind: Chinas Hacker machen am Wochenende frei.

Wenig Beweise

Spekulationen, dass Chinas Militär nicht nur militärischen Geheimnissen nachjagt und Dissidenten schikaniert, sondern auch Firmeninterna sammelt, sind nicht neu. Genährt wurden die Gerüchte vergangene Woche erneut durch einen Bericht des US-Sicherheitsunternehmens Mandiant.

China spiele in einer anderen Liga als die anderen, sagt Martin Libicki, der sich für das Forschungsinstitut mit dem Thema Cyberkrieg befasst. Ihm und anderen Experten ist seit langem aufgefallen, dass China zugerechnete Attacken vor allem werktags erfolgen. Öffentliche Beweise für die Schuld des chinesischen Militärs gibt es allerdings wenige.

Eine professionelle Armee

Mandiant erklärte in seinem Bericht, Hackerangriffe auf 141 Ziele unter anderem in den USA und Grossbritannien seien zur Einheit 61398 der chinesischen Volksbefreiungsarmee zurückverfolgt worden. Die Einheit residiert in einem unauffälligen zwölfstöckigen Gebäude in einem Vorort Schanghais. Experten ordnen die Einheit 61398 der Dritten Abteilung des Generalstabs der Volksbefreiungsarmee zu. Diese Abteilung überwacht elektronische Signale wie E-Mails und Telefonanrufe und ist laut Studien der US-Regierung bestens ausgestattet. Sie betreibt zwölf Büros, drei Forschungseinrichtungen und beschäftigt geschätzte 13 000 Linguisten, Techniker und Wissenschaftler.

Bei den Angriffen wurden vertrauliche Informationen über Preise, Vertragsverhandlungen, Produkttests und Firmenübernahmen gestohlen. Die Hacker hätten regelmässig ab acht Uhr morgens Pekinger Zeit begonnen und meist einen normalen Arbeitstag lang gewerkelt, heisst es. Für Experten ist das ein Hinweis darauf, dass es sich hier nicht um von Patriotismus getriebene Internetkriminelle handelt, sondern um eine professionelle Armee.

Wenige Informationen des Militärs

China weist eine offizielle Beteiligung weit von sich. Derartige Vorwürfe seien haltlos, Peking selbst werde immer wieder von Hackern angegriffen, vor allem aus den USA, heisst es. Ein Sprecher des chinesischen Aussenministeriums dementierte nicht, dass von China Hackerangriffe ausgehen, erklärte aber, es sei falsch, die Regierung oder das Militär dafür verantwortlich zu machen.

Cyberkrieg hat für die Volksbefreiungsarmee seit mehr als einem Jahrzehnt laut Experten hohe Priorität. Offiziell äussert sich Chinas Militär selten zu diesem Thema, im Mai 2011 erwähnte ein Sprecher des Verteidigungsministeriums allerdings Chinas «Online-Armee». Eine bessere Informationstechnologie und ein besserer Schutz der Netzwerksicherheit seien für eine Armee wichtige Bestandteile der militärischen Ausbildung, sagte der Sprecher seinerzeit.

«Diese Diebe kann man nicht so leicht verhaften»

Er habe die von Mandiant für die Angriffe verantwortlich gemachte Hackergruppe «Comment Crew» der Einheit 61398 im Einsatz erlebt, berichtete der Experte für Internetsicherheit Greg Walton. Ebenso aktiv sei eine andere Gruppe der Generalstabsabteilung drei, die von Chengdu aus indische Geheimdienste und Denkfabriken sowie die in Indien residierende tibetanische Exilregierung angreift. Auch die «Elderwood Group» soll Verbindungen zur Volksbefreiungsarmee haben. Sie hat dem IT-Sicherheitsunternehmen Symantec zufolge Rüstungsfirmen, Menschenrechtsorganisationen, Nichtregierungsorganisationen und Dienstleister ins Visier genommen.

Auch das Ministerium für öffentliche Sicherheit, dem die Polizei untersteht, sowie das Ministerium für Staatssicherheit werden mit Hackerangriffen in Verbindung gebracht. Die zu den führenden Geheimdiensten des Landes zählende Behörde soll hinter Angriffen auf ausländische Akademiker stecken, die sich mit innerchinesischen Gesellschaftsthemen und Unruhen in Tibet und Xinjiang befassen. Eine Hierarchiestufe darunter stehen nach Einschätzung von Experten private Akteure wie zivile Universitäten und Forschungseinrichtungen oder Staatsunternehmen, aber auch Studenten.

Chinas Regierung ist nicht die einzige, der Internetspionage vorgeworfen wird, aber laut Experten kann Peking niemand das Wasser reichen, was den Einsatz von militärischen Ressourcen für den Diebstahl von Wirtschaftsgeheimnissen angeht. «Diebstahl von Geheimnissen ist Diebstahl von Geheimnissen, unabhängig vom Medium», sagte Sicherheitsexperte Richard Forno von der Universität Maryland Baltimore County. «Der Unterschied besteht vor allem darin, dass man diese Diebe nicht so leicht verhaften kann, weil sie höchstwahrscheinlich nicht einmal im Land sind. Das unterscheidet sich von der Art und Weise, wie das Spiel während des Kalten Kriegs gespielt wurde.»

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Silas A. am 27.02.2013 00:13 Report Diesen Beitrag melden

    USA nicht besser

    Ist das denn so viel schlimmer, als die amerikanische Aussenpolitik? Wir haben eine neue Weltmacht, die auf ihre eigene Art unsympathisch ist.

  • markus christopher am 26.02.2013 23:11 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    cyberkrieg

    es wäre auf eine art und weise beruhigend wenn krieg in zukunft nur noch im www stattfinden würden. die schäden wären gewiss gewaltig vorallem in der wirtschaft, bestimmt jedoch geringer innerhalb der bevölkerung.

    einklappen einklappen
  • MergimMuzzafer am 27.02.2013 01:05 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Habe Angst 

    China macht mir langsam Angst! Amerika müsste da schon längst einschreiten, aber solange die USA nur auf Pump leben, können wir das vergessen. China verachtet Menschenrechte, überfährt friedlich demonstrierende Studenten mit Panzern und ist der grösste Umweltverschmutzer der Welt. Wir müssen die Chinesen bremsen.

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • Bernhard Wach am 03.03.2013 11:17 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Augen auf, es passiert vor der Haustüre

    Und die Swisscom kauft für mehrere Hundert Millionen bei Huawei... Dies trotz allen Warnungen. Somit hat der Chinesische Geheimdienst ja nächstens Zugriff auf die gesamte Schweiz.

  • A.A am 27.02.2013 17:31 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wer glaubt ....

    Mir machen mehr die amis angst als die chinesen. Die amis vertuschen gerne mal sachen...

  • hans muster am 27.02.2013 11:14 Report Diesen Beitrag melden

    erinnert mich an

    unsere luftwaffe... :) aber mal im ernst: hier darf die schweiz nicht schlafen! der bund muss seine systeme schützen und verteidigen! ich hoffe sehr, dass sich maurer damit befasst! dies ist viel höher zu priorisieren, als die luftwaffe!

  • hack am 27.02.2013 07:23 Report Diesen Beitrag melden

    Gibt mir zu denken...

    wenn ich sehe was für kompetene Leute China/Amis etc. haben. Wenn ich die IT des Bundes anschaue könnte ich weinen.

  • Theodora D. Camisch am 27.02.2013 06:57 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    CH ist zu langsam

    Neht das Geld vom Grippen und baut die stärkste Cyber-Defensiv-Armee. " Sicherheit" ist das Geschäft von Morgen. Warum tun wir da nichts und setzen auf alte Technologien, mit denen man im unwahrscheinlichen Fall einer direkten Konfrontation nur kurz dagegenhalten kann. Die Schweiz vergibt sich hier Chancen, die für den Wohlstand und Wohlfahrt Sicherheit bedeuten.

    • nico am 27.02.2013 07:10 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      richtig

      ausnahmsweise geb ich dir hier mal Recht. cyber attacken werden unterschätzt.

    • King Buzz am 27.02.2013 07:28 Report Diesen Beitrag melden

      BuzzKing

      Buzzwords und Cyber-Atom-Granaten sind kein Grund in eine Nerd-Staffel zu investieren...

    • Franz Hackintosh am 27.02.2013 08:46 Report Diesen Beitrag melden

      Der Computer sagt Nein.

      Die Schweiz hat den Cyberkrieg schon verloren. Das Know How und die Infrastruktur fehlt in unserem Land, um sich gegen solche Arten von Angriffen zu schützen.

    • Rico am 27.02.2013 09:13 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      haha, zu alt

      naja, vielleicht sind die PC Anlagen der schweiz bereits veraltet, als das sie noch kompatibel mit den neuen sind, letztens sah ich noch ein Atari im Lager. ;-p

    • Patrik Huber am 27.02.2013 11:58 Report Diesen Beitrag melden

      Blabla

      Wenn du schon alles besser weisst warum sitzt du nicht im Bundesrat?

    einklappen einklappen