Sicherheit an Mega-Events

12. Dezember 2012 14:50; Akt: 12.12.2012 17:25 Print

App soll Massenpaniken verhindern

Forscher haben eine App entwickelt, die das Verhalten von Menschenmassen in Echtzeit berechnet - und so für Sicherheit sorgt. Erstmals zum Einsatz kommt sie in der Silvesternacht in Zürich.

Bildstrecke im Grossformat »

An einer Massenpanik an der Loveparade in Duisburg im Jahr 2010 kamen 21 Menschen ums Leben. Ähnliches soll mit der App künftig verhindert werden.

Zum Thema
Fehler gesehen?

Um Grossanlässe sicherer zu machen, werden Besucherströme künftig in Echtzeit berechnet und auf interaktiven Karten dargestellt. Dazu haben europäische Forscher eine App entwickelt, die in der Silvesternacht in Zürich erstmals in der Schweiz zur Anwendung kommt.

Umfrage
Würden Sie die App installieren, wenn Sie an den Silvesterzauber gehen?
13 %
68 %
19 %
Insgesamt 904 Teilnehmer

Rund 200'000 Zuschauerinnen und Zuschauer sehen sich für gewöhnlich das Feuerwerk über dem Zürcher Seebecken an. Erstmals werden in diesem Jahr auch Smartphone-Besitzer dabei sein, deren Aufenthaltsort von Forschern registriert wird. Die offizielle App zum Silvesterzauber kann den Standort der Smartphone-Besitzer übermitteln und der Polizei auf einer interaktiven Karte frühzeitig zeigen, wo sich kritische Menschenansammlungen bilden (siehe Diashow). Dies teilten die ETH Zürich, die Stadtpolizei Zürich und die Veranstalter des Feuerwerks am Mittwoch mit.

Besucher werden per Push-Nachricht informiert

Kommt es zu einer kritischen Situation, kann die Polizei die Besucher mit einer Push-Nachricht auf die Smartphones warnen. So sollen dereinst Gefahren wie etwa die Massenpanik an der Loveparade in Duisburg im Jahr 2010 minimiert werden. Die Anwendung ist allerdings noch in der Entwicklungsphase und wurde bisher beispielsweise an den Olympischen Spielen in London 2012 getestet. Der Silvesterzauber ist der erste Testlauf in der Schweiz.

Nach der Katastrophe mit 21 Toten an der Loveparade in Duisburg sind die Veranstalter von Grossanlässen gewarnt. «Die App ist ein Mosaikstein, um den Silvesterzauber sicherer zu machen», sagte Thomas Irniger vom Organisationskomitee.

Denkbar ist auch, dass den Besuchern per App gesagt wird, auf welchem Weg sie das Festgelände ohne grössere Staus verlassen können. Da der Standort der Festbesucher bekannt ist, können die Nachrichten ortsbezogen verschickt werden. Gibt es beispielsweise beim Bahnhof Stadelhofen eine Überlastung, werden nur Personen informiert, die sich in der Nähe aufhalten. Die Polizei kann den Nutzern so frühzeitig die bestmögliche Alternative vorschlagen, um rasch und sicher nach Hause zu kommen.

Standortdaten sind anonymisiert

Auf die anonymisierten Standortdaten haben nur die Forscher Zugriff, nicht aber die Polizei oder die Organisatoren des Silvesterzaubers. Da keine Rückschlüsse auf Personen möglich seien, habe auch der Eidgenössische Datenschutzbeauftragte nichts gegen die App einzuwenden, versicherte Martin Wirz von der ETH Zürich.

Die Handy-Besitzer machen am Versuch freiwillig mit, indem sie beim Herunterladen der offiziellen Silvesterzauber-App ihr Einverständnis dazu geben. Von der App gelangen die Handydaten zu einem Server der ETH, wo sie anonymisiert werden und von dort zur Stadtpolizei, welche Zugriff auf die interaktive Menschenmassen-Karte hat. Die App kann aber auch genutzt werden, ohne die Standortdaten freizugeben. Die Anwendung für das iPhone und Android-Geräte liefert Informationen zum Festprogramm, beinhaltet einen ÖV-Fahrplan sowie eine Übersichtskarte des Festgeländes.

(sda/owi)

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Deshalb können Storys, die älter sind als 2 Tage, nicht mehr kommentiert werden. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • hansi am 12.12.2012 17:23 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    gut gemeint doch....

    die idee ist ja gut, aber dass die polizei dann ungeahnt immer weis wo man sich befindet....das kligt nach überwachung und das hat nichts mit sicherheit zu tun. besser organisieren und planen, dann ist auch keine app nötig!

  • Stef am 13.12.2012 11:04 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Duisburg als Beispiel ?

    Duisburg war so unmöglich schlecht organisiert, dass eine App. nichts verhindert hätte.

    einklappen einklappen
  • meta data am 13.12.2012 00:08 Report Diesen Beitrag melden

    macht das netz das mit ?

    das netz wird an silvester eh mal wieder nicht zu gebrauchen sein. bin gespannt auf ergebnisse!

Die neusten Leser-Kommentare

  • F. Ferdinand am 14.12.2012 12:38 Report Diesen Beitrag melden

    Freiheit stirbt mit Sicherheit.

    Punkt... Amen...

  • Heribert am 13.12.2012 14:07 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Klasse

    Sylvester bekommt man nicht einmal eine SMS ohne stundenlange Verspätungen raus, aber jetzt noch mehr Traffic verursachen? Und wie soll das gehen?

  • Stef am 13.12.2012 11:04 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Duisburg als Beispiel ?

    Duisburg war so unmöglich schlecht organisiert, dass eine App. nichts verhindert hätte.

    • Kurt am 14.12.2012 12:02 Report Diesen Beitrag melden

      Tunneleffekt

      In Duisburg spielte ein Tunneldurchgang in dem sich die Massen stauten eine entscheidende Rolle. Falls viele ihre Handys eingeschaltet hatten, war der Empfang nicht optimal und die Handys suchten mit erhöhter Leistung/Abstrahlung den Verbindungsaufbau zu den nächsten Antennen.

    einklappen einklappen
  • meta data am 13.12.2012 00:08 Report Diesen Beitrag melden

    macht das netz das mit ?

    das netz wird an silvester eh mal wieder nicht zu gebrauchen sein. bin gespannt auf ergebnisse!

  • User am 12.12.2012 23:02 Report Diesen Beitrag melden

    Welt von "Apps"

    Erstaunlich für was es alles Apps gibt und geben soll. Selbstverständlich stets mit grossem Nutzen und sinnvoll. Was wenn tausende von eingeschalteten Smartphones an Massenveranstaltungen dicht and dicht mit ihrem beachtlichem E-Field im einstelligen Voltbereich nicht selber Ursache für panisches Verhalten sein könnten? Vor allem wenn sich alle gleichzeitig einwählen und verbinden und die Leistung "hochgefahren" wird.

    • Hegla am 13.12.2012 06:16 Report Diesen Beitrag melden

      Oha!

      1 Volt verursacht Panik?

    • Ingenieur am 14.12.2012 12:15 Report Diesen Beitrag melden

      @ Hegla, leider falsch

      Das Feld, das ein Handy umgibt ist je nach Standort beim Einloggen wesentlich höher. Bei mehreren Verbindungen gleichzeitig am gleichen Standort umsohöher. Interessant und aufschlussreich wären objektiv durchgeführte flächendeckende Messungen bei Massenveranstaltungen der tatsächlichen Strahlenwerte, Peak und Durchschnitt.

    einklappen einklappen