Mechatronische Wearables

27. März 2015 08:31; Akt: 27.03.2015 08:31 Print

Audi setzt auf Schweizer Exoskelett

von Philipp Stirnemann - Das Schweizer Start-up Noonee hat einen Stuhl zum Anschnallen entworfen. Audi will den «Chairless Chair» jetzt weiterentwickeln.

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Letztes Jahr gegründet, verzeichnet das Schweizer Start-up Noonee mit dem neu entwickelten «stuhllosen Stuhl» bereits erste Erfolge. Audi, einer der führenden deutschen Autohersteller, hat die an Melkschemel erinnernden Exoskelette während der letzten Monate am Standort in Neckarsulm getestet. Dort kam das ergonomische Gerät unter anderem in der Türenmontage zum Einsatz.
Noonee: The Chairolution (Video: Noonee ETH Zürich)

«Durch den Einsatz des ‹Chairless Chair› verbessern wir kontinuierlich die Ergonomie bei Montagetätigkeiten», sagt Mathias Keil von Audi auf Anfrage von 20 Minuten. Der Leiter der Abteilung Industrial-Engineering-Methoden ist sehr zufrieden mit den Testergebnissen und dem Feedback der Mitarbeiter. Der Stuhl verbessere die Körperhaltung und entlaste die Beine, «denn durch ihn ist Sitzen auch in kurzen Montageintervallen möglich. Mit dem ‹Chairless Chair› werden wir das Ergonomie-Niveau bei Audi noch weiter verbessern», so Keil.

Zwischenstation Ingolstadt

Verbesserungsmöglichkeiten sieht Keil trotz zufriedenstellender Ergebnisse. Aus diesem Grund entwickeln Noonee und Audi den Prototyp bis zur Serienreife gemeinsam weiter. Nächster Entwicklungsschritt sei es, das Gewicht des Exoskeletts von derzeit 3 auf unter 2,4 Kilo zu reduzieren sowie den Tragekomfort zu verbessern. «Danach planen wir eine zweite Testphase in der Montage in unserem Standort in Ingolstadt», verrät Keil.

Mit dem Ingolstädter Autoriesen konnte Noonee zwar einen namhaften Partner an Land ziehen. Audi soll aber nicht der einzige Kunde des Schweizer Exoskelett-Herstellers bleiben. Auch andere führende Autohersteller seien am stuhllosen Stuhl aus Rüti ZH interessiert, sagt Noonee-Mitgründerin Olga Motovilova. Ausserdem befinde man sich derzeit in Gesprächen sowohl mit multinationalen Unternehmen im Bereich Flugzeugbau als auch mit kleineren Produktionsbetrieben.

Für Industriearbeiter und Ärzte

Bisher kam der «Chairless Chair» hauptsächlich im Bereich der Industriemontage zum Einsatz. «Es gibt aber noch viel mehr Anwendungsmöglichkeiten», so Motovilova. «Wir werden beispielsweise von Ärzten kontaktiert, die den Stuhl im OP einsetzen wollen.» Zudem erkundigten sich auch Kameraleute und Gärtner nach dem Exoskelett vom oberen Zürichsee.

Schliesslich zeigten auch Privatpersonen wie etwa Fischer Interesse am Stuhl zum Anschnallen, fügt die Noonee-Mitgründerin an.

Das Exoskelett zur Sitz-Erleichterung soll für Noonee erst der Anfang der Markteroberung sein. «Der ‹Chairless Chair› ist unsere erste Erfindung, aber sicher nicht die letzte.» Viel mehr lässt sich Olga Motovilova über die Zukunft von Noonee nicht entlocken. Nur so viel: «Wir wollen Marktführer im Bereich tragbarer, ergonomisch-mechatronischer Devices sein.»

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Tante Emma am 27.03.2015 09:18 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wäre auch etwas...

    ...für überfüllte Züge der SBB! Ich würde es auf jedenfall benutzen! Vorausgesetzt der Stuhl ist bezahlbar!

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  • Sldt. Schönbi am 27.03.2015 10:46 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Militär

    Das wäre auf jeden Fall etwas für den Wk.

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  • Formantor am 27.03.2015 09:05 Report Diesen Beitrag melden

    Neue Trend-sportart?

    Cool, ein wenig aufpimpen und das Teil wird sicher eine neue Kultsportart... Sit-bouncer..

Die neusten Leser-Kommentare

  • dani am 28.03.2015 17:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    3d drucker

    Übrigens kommen die tragenden Teile aus dem 3d Drucker, komplett aus Titan.... :-)

  • Ursus am 27.03.2015 17:29 Report Diesen Beitrag melden

    Und die Kinder in China?

    Ich hoffe die Kinder in China die unsere Sachen zusammenschrauben bekommen auch solche Stühle.

    • Volkan S. am 27.03.2015 18:58 Report Diesen Beitrag melden

      Hm...

      Wieso glaubst du denn zu wissen, dass dieses Teil in China von armen Kindern zusammengebaut wird?

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  • Der Stehende am 27.03.2015 17:27 Report Diesen Beitrag melden

    Wieso nicht?

    Ich arbeite jeden Tag 8.5h im stehen und ich merke das am Abend. Ich könnte mir gut vorstellen, dass man mit diesem Gerät am abend weniger müde ist. Aber die vielen kritischen Stimmen sind nicht sehr verwunderlich. Auch beim Telefon hiess es am Anfang: "Uuhhh Böse!!!"

    • Worker am 27.03.2015 18:04 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      langsam u faul

      WOW 8,5 Std!!! Dafür bekommen sie auch mehr als genug lohn! Mehr als die meisten Länder! Also tun sie was dafür statt (faul) rumzusitzen. Bloß immer alles schön bequem und nicht Überanstrengen - man könnte ja schwitzen.

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  • Grey am 27.03.2015 16:56 Report Diesen Beitrag melden

    Nicht Sitzen...

    Der Mensch ist nicht zum sitzen gemacht. Es ist gewöhnungssache. Ein Leben lang stehen und im alter keine Ruckenprobleme.

    • pink punk am 27.03.2015 18:51 Report Diesen Beitrag melden

      nicht stehen..

      ich rate ihnen dringlichst davon ab, ihr leben im stehen zu verbringen. gönnen sie sich bewegung und ruhepausen, zum beispiel mit dieser chairolution :)

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  • Alexandra Kammermann am 27.03.2015 16:18 Report Diesen Beitrag melden

    Was kommt noch auf uns zu ?

    Bei Tieren würde sofort der Tierschutz aktiv (z.B. Verbot der Batterie-Haltung von Legehühnern) aber mit Menschen kann man es ungestraft machen. An den Arbeitsplatz angebunden bzw. gefesselt arbeiten !! Und die Entwickler dieses Ungetüms haben noch die Nerven zu behaupten, das diene der "Verbesserung der Ergonomie". In Tat und Wahrheit hat sowas nur einen Zweck: Ein Auto oder was auch immer noch schneller und billiger zu produzieren und den Gewinn zu "optimieren". Wann kommt dieser Stuhl mit eingebauter Blasen- und Darm-Entleerungsfunktion, um WC-Pausen einzusparen?