Computergeschichte

16. November 2017 18:47; Akt: 16.11.2017 18:47 Print

Auf dieser Riesendisk hatte nur 1 MP3-Song Platz

Computergeschichte zum Anfassen: Dieses Wochenende findet in der Roten Fabrik in Zürich das Vintage Computer Festival statt.

Blinkende Rechner und grosse Kisten mit wenig Speicherplatz: Elektroingenieur Jos Dreesen zeigt seine Sammlung.
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«Wie ein Smartphone als Ganzes funktioniert, das ist praktisch unmöglich zu verstehen. Die Funktionsweise früherer Computer allerdings begreift man relativ schnell», sagt der 54-jährige Jos Dreesen. Sein Hobby: Er sammelt Technik aus dem letzten Jahrhundert. «Viele der Geräte erzählen Computergeschichte», so der Sammler.

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Sein wertvollstes Stück ist die Lilith. Entwickelt 1980 an der ETH Zürich von Niklaus Wirth, war die Workstation Grundlage für zahlreiche Forschungsprojekte. Das Spezielle daran: Für die damalige Zeit hatte die Lilith High-End-Grafik und konnte mit einer Maus und Tastatur bedient werden – als einem der ersten Rechner überhaupt.

Teure Kiste aus der Schweiz

«Die Maus wurde in der Westschweiz bei einem Uhrenhersteller gebaut», sagt Dreesen. Diese – damals runde Computermaus – war später auch der Grundstein für die Firma Logitech. Ab 1982 versuchte man die Lilith zu kommerzialisieren, was aber nicht gelang. «Sie war einfach zu teuer und zu gross.»

Die Kiste kostete damals rund 25'000 Franken. «Das war extrem viel Geld für die damalige Zeit.» Heute ist die Lilith eine Rarität. Gebaut wurden nur einige hundert Stück, erhalten sind noch rund zwei Dutzend. Dreesen hat eine davon. «Vermutlich mein wertvollstes Stück», so der Sammler. Die Kiste stellte er an der letztjährigen Ausgabe des Festivals aus.

Als 20 Minuten Dreesen vergangenes Jahr besuchte, zeigte er uns auch eine Speicherdisk aus dem Jahr 1977 mit einer Kapazität von 5 MB. Das reichte damals für das Betriebssystem und die Nutzerdaten. Heute könnte man darauf nicht mal einen Song im MP3-Format abspeichern.

Rechner, so gross wie ein Schrank

Dieses Wochenende haben Besucher abermals die Chance, Computergeschichte aus der Nähe zu sehen – und auch anzufassen. Auch Dreesen wird wieder vor Ort sein. Er bringt einen Tektronix-Computer aus den 1970er-Jahren mit. Dessen spezieller Bildschirmtyp (Speicherröhre) machte damals die Computergrafik für viele erst erschwinglich.

Zu sehen sind neben dem Tektronix die ersten Heimcomputer, aber auch schrankgrosse Rechner, die vor mehr als 50 Jahren in Universitäten oder Firmen blinkend ihre Arbeit verrichteten. Auch eine Reihe alter Game-Geräte ist ausgestellt. Das Vintage Computer Festival (VCF) in Zürich findet am 18. und 19. November in der Roten Fabrik statt. Der Eintritt kostet fünf Franken.

Dieser Artikel erschien im Original bereits zum VCF im Jahr 2016.

(tob)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Peter am 17.11.2016 17:21 Report Diesen Beitrag melden

    Zeiten ändern sich

    Ich hatte die erste 1GB Festplatte in der Schweiz, SCSI, 5-1/4" mit voller Bauhöhe (ca. 15cm), es dauerte 24 h um diese zu formatieren, Kosten damals 9000.- und mit 6 Leuten gurkten wir darauf rum, sagten: Das Ding hat ein so riesiges Speichervolumen, das kriegen wir NIE voll. Und Heute: wenn in nur noch 1TB frei habe kriege ich PANIK!! (2x NAS mit 12x 8TB)

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  • Tobias Steiner am 18.11.2016 09:32 Report Diesen Beitrag melden

    Früher war alles.....anders

    Hmm....diese Dinger waren noch vor meinen Zeiten. Ich habe meinem Amiga 2000 damals eine 52MB-Harddisk gegönnt, das Teil kostete damals gut 1000 CHF, der Amiga gut 3500.-- mit Monitor und XT-Karte. Das waren noch Preise, heute muss ein 900-CHF-PC UltraHD Games unterstützen und ein paar TB Speicherplatz bieten. Andererseits bezahlen wir jedes Jahr locker über 1000 Stutz für Smartphones, die nur minimst mehr bieten als das Vorgängermodell. Die IT-Welt im Wandel ;-)

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  • Francesco S. am 16.11.2017 19:06 Report Diesen Beitrag melden

    Und was ist mit Röbi Wyss?

    Soviel ich mich erinnern mag hat Röbi Wyss das grösste Computer Museum bei sich Zu Hause in Männedorf. Er ist eine absolute Ikone auf diesem Gebiet. Meine Hochachtung Röbi!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • ichnervegernebünzlisrechteundkonservativ am 21.11.2017 07:54 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    War viel Geld?

    25000 sind auch heute noch sehr viel Feld. Ich denke nicht das ich jemals so viel haben werde aber jeder CH-er hat ja im durchschnitt 350000 auf der seite. Fail!

  • mk am 20.11.2017 09:44 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Disk

    Für uns war das auf jeden Fall eine riesige Erleichterung 1968 als wir die Lochkarten immer mehr auf Disk mit einem Gesamt-Volumen von 256 MB speichern konnten. Ebenfalls auch die Magnetbänder waren eine grosse Hilfe. Assembler, Cobol, Fortran, etc. waren unsere Programmiersprachen für kommerzielle Applikationen.

  • So old am 20.11.2017 06:40 Report Diesen Beitrag melden

    Aktuell

    Das benutzt drs 3 immernoch. Darum lief auch den genzen sommer despacito

  • Sam Lee am 19.11.2017 19:05 Report Diesen Beitrag melden

    Busbreite !!!

    Und ich sagte noch: Wer braucht schon einen 16 bit Bus?

  • Oldschool am 19.11.2017 18:04 Report Diesen Beitrag melden

    As time goes byte

    soo Retro - kann mich grad erinnern, dass ich jeweils mit den Dingern die Datensicherung des Tages machen musste. RUF90-Maschinen. Die Datensicherung der Buchhaltung musste ich jeweils um 15.30 beginnen damit ich um 17.30 Feierabend hatte. Waren vielleicht 100 - 300 Datensätze. Das Ganze Spiel, dann auch für die Einkaufsabteilung und die Verkaufsabteilung. Täglich 5 Grosse UFO-Scheiben.