Schneeballsystem

16. Februar 2018 12:59; Akt: 16.02.2018 12:59 Print

Bitcoin-Sekte knöpft Österreichern Millionen ab

Mit unrealistischen Renditen hat eine Firma aus Österreich Krypto-Investoren geködert. Mit dem System soll die Firma 100 Millionen Euro ergaunert haben.

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Eine Rendite von bis zu vier Prozent pro Woche: Das versprachen die Betreiber der dubiosen Firma Optioment den Investoren. Wer neue Mitglieder anwarb, sollte zusätzlich profitieren. Reisserische Versprechen und abenteuerliche Renditen deuten auch in diesem Fall auf ein klassisches Schnellballsystem hin. Ende November 2017 kollabierte die Plattform. Für die Anleger bedeutete dies einen Totalverlust. Das Geld ist weg, ebenfalls die Hintermänner.

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«Die Presse» schreibt zu Optioment vom «grössten Kriminalfall im Zusammenhang mit der Kryptowährung Bitcoin, die Europa bisher gesehen hat». Das Epizentrum soll in Österreich liegen.

Österreicher waren beteiligt

Wie viel Geld die Investoren insgesamt in Optioment gesteckt haben, ist noch unklar. Beteiligte sprechen von bis zu 12'000 Bitcoins, die verschwunden seien. Mit dem aktuellen Kurs wären das weit über 100 Millionen Euro. Bei einer Anwaltskanzlei in Wien liegen Meldungen von mehr als 100 Opfern vor. Insgesamt dürften rund 10'000 Personen der dubiosen Plattform ihr Geld anvertraut haben.

Wie Recherchen von «Die Presse» und dem Wirtschaftsmagazin «Eco» ergaben, sollen auch drei Personen aus Österreich an dem Vertrieb der Plattform massgeblich beteiligt gewesen sein. Für die Story wurden zahlreiche Dokumente, Fotos, Chat-Verläufe und Videos gesichtet. Die Beschuldigten – zwei Brüder aus der Steiermark und ein Niederösterreicher – würden sich jedoch selber als Opfer sehen. Hinter Optioment stünden ein Däne und ein Lette, sagen die Österreicher. Sie hätten die beiden bereits im Dezember wegen Betrugs angezeigt.

Sektenartige Veranstaltungen

Die drei Österreicher, die als die «drei Musketiere» aufgetreten seien, haben ihrerseits eine Anwaltskanzlei engagiert. Diese lässt verlauten: «Wir weisen ausdrücklich darauf hin, dass unsere Mandanten nicht in den Zahlungsfluss eingebunden waren. Unsere Mandanten haben von den Investoren daher weder Geld noch Bitcoins entgegengenommen noch Gelder oder Bitcoins weitergeleitet, sodass sie mit dem Verschwinden der Bitcoins nichts zu tun haben können.»

An Veranstaltungen von Optioment warb die Firma für das System. Eine Frau, die 10'000 Euro investiert hatte, sagte der Zeitung: «Ich habe mich dort gefühlt wie bei einer Sekte.» Zwischen Rollenspielen sei die Einlagensicherung erwähnt worden. Man behauptete, dass Optioment mit 35'000 Bitcoins abgesichert sei. Einige Monate habe es Auszahlungen gegeben, bis das System Ende 2017 zusammenbrach. Ende Januar wurde das dubiose Unternehmen von der Finanzmarktaufsicht mit dem Verdacht auf Betrug und Verletzung des Kapitalmarktgesetzes angezeigt. Auch Interpol ermittelt in dem Fall.

Die Wirtschaftspsychologin Julia Pitters erklärt gegenüber «Eco», wieso es selbst für kritische Personen nicht leicht sei, bei solchen Angeboten Nein zu sagen. «Man tut das, was andere tun, und fühlt sich darin bestärkt. Es ist ein klassisches Herdenverhalten», sagt sie. Zudem habe es eine Art künstliche Verknappung gegeben. Man habe sich an den Veranstaltungen entscheiden müssen, ob man investiere. Das habe bei den Anwesenden die Angst ausgelöst, den Zug zu verpassen – und so zu den Verlierern zu gehören.

(tob/gp)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Marmo am 16.02.2018 13:18 Report Diesen Beitrag melden

    Bitconeeeeeeeeeeeectttt

    Carlos Matos lässt grüssen. Schon wieder ein Schneeballsystem. Leute fallt nicht auf solche dinge hinein. Wenn es zu gut klingt ist es zu 99% ein Scam.

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  • DaDa am 16.02.2018 13:37 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nichts als logisch!

    Vor 20 Jahren wollte man mir schon etliche Schneeballsysteme andrehen. Nun geht es weiter, einfach nur Digital.

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  • Wahrsager am 16.02.2018 13:33 Report Diesen Beitrag melden

    Nicht die Einzigen...

    Cryptogold fällt in dieselbe Kategorie und ist immer noch aktiv in der Deutschschweiz tätig...

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Babs am 19.02.2018 09:16 Report Diesen Beitrag melden

    Selber schuld

    Da sieht man mal wieder, wie man Leute mit Geldködern rumkriegen und betrügen kann. Sorry, selber schuld.

  • Jeffrey Spector am 19.02.2018 08:00 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kriminell

    Das ist ein normaler Fall von Wirtschaftskriminalität. Dass er im Bitcoin umfeld stattfand, macht es ein gefundenes Fressen für Leser und Presse. Nur hat das Ganze natürlich nichts mit der Sicherheit von Bitcoin zu tun. Schneeballsysteme funktionieren nie, egal ob man es mit Euro, Franken, Bitcoin oder IOTA macht. Die Gier macht blind, obschon man mit einem normalen IQ ein Schneeballsystem erkennen kann wenn man kritisch hinterfragt. Vielleicht sollte die Presse als Vierte Macht im Staate, mal erklären wie man Schneeballsysteme erkennt?

  • A.a. am 17.02.2018 23:59 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schneeballsystem

    In Chur treffen sich jede Woche diese leute im Hotel Sommerau. Traurig.

  • Kritik ker am 17.02.2018 17:30 Report Diesen Beitrag melden

    Einfach ?

    Klar, bei 4% Rendite pro Woche ist jeder begeistert, und das Gehirn schaltet automatisch ab. Jeder weiss, dass das problemlos machbar ist, hat ja auch jede Bank im Angebot, darum sicherlich alles seriös.

  • Son of techology am 17.02.2018 16:50 Report Diesen Beitrag melden

    Konservative Einstellung

    Kryprowährungen braucht es nicht.... Den PC brauchte es damals auch nicht, ebenso das email, Internet, Handy, Smartfon. All das hat sich durchgesetzt. Ich war immer als erster dabei und wurde jeweils ausgelacht. Heute lachen Sie nicht mehr, denn Sie besitzen alles selbst auch. Aber verteufelt Cryptos nur weiter, am ende werden sie sich durchsetzen. Die Gewinner sind dann halt wir, welche sich neuen Technologien nicht verschliessen.

    • Kritik Ker am 17.02.2018 17:32 Report Diesen Beitrag melden

      Bitcoinionär?

      Du scheinst aber deine Millionen nicht gemacht zu haben (mit Bitcoins) sonst würdest du wohl kaum hier schreiben.

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