Test

18. November 2009 19:07; Akt: 19.11.2009 08:39 Print

Bringt Microsoft mehr Spass ins Büro?

von Henning Steier - Die Redmonder haben eine offizielle Betaversion ihrer erst im nächsten Jahr erhältlichen Bürosoftware Office 2010 an einen ausgewählten Testerkreis verteilt. 20 Minuten Online gehört dazu und hat sie ausprobiert.

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Wie der Name schon sagt, soll Microsofts Büro-Suite nächstes Jahr erscheinen. Einen genauen Termin gibt es allerdings noch nicht. Neben dem Betriebssystem Windows ist das Office-Paket der Blockbuster im Programm der Redmonder und beschert ihnen daher seit Jahren satte Gewinne. Nachdem Windows 7 im Test von 20 Minuten Online durchaus überzeugen konnte, muss sich nun Office 2010 einem Check unterziehen lassen.

Das Programmpaket benötigt rund 700 Megabyte Speicher auf der Festplatte, womit es sich auf dem Niveau der Vorgängerversion bewegt. Auch bei der Startzeit auf unserem Test-PC mit Windows 7 liegt Office 2010 im Bereich der 2007er-Variante. Hier hätten wir uns mehr beziehungsweise weniger erhofft. Aus Platzgründen haben wir uns im Kurz-Test auf die am meisten genutzten Programme der Suite beschränkt und Word, Outlook, PowerPoint sowie Excel klassisch auf dem PC ausprobiert. Microsoft will später überdies Web-Versionen seiner Tools zur Verfügung stellen. In allen von uns schon heute getesteten Programmen stechen nun die so genannten Ribbons, also die Menübänder, ins Auge, die sich dankenswerterweise über eine neu hinzugekommene Schaltfläche minimieren lassen. Nicht nur auf kleinen Displays hat man so leicht und schnell mehr Platz beim Arbeiten. Ebenfalls praktisch ist, dass man über den Office-Button im Unterschied zur 2007er-Version nicht mehr in ein Menü, sondern auf eine Extra-Seite gelangt, welche alle verfügbaren Daten zum gerade verwendeten Dokument anzeigt. Dort kann man auch die Einstellungen des jeweiligen Programms vornehmen. In der rechten Spalte kann man Fakten wie Dateigrösse und Bearbeitungszeit sehen, gleichzeitig aber auch Nutzer angezeigt bekommen, welche es ebenfalls bearbeitet haben. Wer sie kontaktieren möchte, kann das beispielsweise direkt über eine E-Mail-Schaltfläche tun.

Gut gefunden

Interessant für Künstler dürfte eine neue Schaltfläche namens Texteffekte sein, über die man langweiligen Zeilen zumindest optisch Leben einhauchen kann. Deutlich interessanter für alle Nutzer dürfte die neue Suchfunktion sein, mit der man ein Dokument nun nicht mehr nur nach Textauschnitten, sondern unter anderem auch nach Bildern, Grafiken und Formeln durchsuchen kann. Man fragt sich, wie die Bürowelt ohne diese überaus nützliche Funktion leben konnte. Dabei ist sie so nahe liegend, dass man sich gleichzeitig wundert, warum es so lange gedauert hat, sie einzuführen.

Das gilt auch für ein Screenshot-Tool, welches in Word, Excel, PowerPoint und Outlook über den Einfügen-Button zur Verfügung steht. Auch hier scheint Microsoft Nutzerwünsche berücksichtigt zu haben, denn es wurde mitgedacht: Wer den Button anklickt, sieht alle geöffneten Fenster und kann sich aussuchen, von welchem er ein Bildschirmfoto machen und ins Dokument einfügen will. Die Entwickler haben auch daran gedacht, dass viele oftmals nur einen Bildschirmausschnitt einfügen möchten, was über die gleichnamige Schaltfläche problemlos möglich ist. Und wer mit einem eingefügten Bild nicht zufrieden ist, kann es nun dank aufgebohrter Bild-Tools richtig bearbeiten. So kann man beispielsweise die Helligkeit reduzieren, Bilder komprimieren oder mit künstlerischen Effekten versehen. Das Tool kann zwar eigenständige Bildbearbeitungssoftware nicht ersetzen, sollte aber für 90 Prozent der Nutzer in 90 Prozent der Fälle ausreichen.

Dokumente in geschützter Umgebung öffnen

Was man schon von Apple-Rechnern kennt, ist nun auch im Windows-Office möglich: Die auf allen Systemen ohne Verlust lesbaren PDF-Dateien lassen sich nun ohne Hilfsmittel erstellen. Ein Alleinstellungsmerkmal der neuen Office-Suite ist hingegen, dass sie vor dem Öffnen von Mail-Anhängen oder Dokumenten aus dem Netz nur eine geschützte Ansicht gewährt und so vor Viren schützen soll. Die Dokumente lassen sich erst editieren, wenn man einen entsprechenden Button angeklickt hat. Klar ist, dass die Funktion namens Protected View zwar durchaus Sinn haben kann. Doch Microsoft ist in der Vergangenheit immer wieder durch schwere Sicherheitslücken aufgefallen. Daher wäre es nicht weiter verwunderlich, wenn das Tool die meisten PC-Schädlinge nicht stoppen wird. Eine Antiviren-Lösung kann es in keinem Fall ersetzen und ist dazu laut Microsoft auch nicht gedacht. Das Ganze hat also eher die Warnfunktion, welche Outlook-Nutzer schon kennen, die das entsprechende Häkchen nicht entfernt haben. Denn sie werden bekanntlich vor dem Öffnen eines Attachments gewarnt, ob sie das wirklich tun möchten. Das neue Tool bietet nun überdies also eine Vorschaufunktion in einer Art abgesichertem Modus.

Im E-Mail-Programm Outlook kann man nun eine E-Mail-Konversation in einer Ansicht gruppieren, so dass man nicht mehr viele Nachrichten zu einem Thema und einem Absender hat, die man sich beispielsweise aus dem Posteingang mühevoll zusammensuchen muss. Ausserdem kann man dank der Funktion Quick Steps nun oft durchgeführte Aktionen definieren und sie dann beim nächsten Mal mit einem Klick ausführen - beispielsweise einen Betreff einfügen, der immer in E-Mails an einen bestimmten Empfänger stehen muss. Im Test funktionierte das ebenso tadellos wie das neue Schneide-Tool in PowerPoint, mit dem sich Videos bearbeiten lassen, die in vielen Präsentationen gern gesehen sind - wenn sie keine Überlänge haben. Wichtigste Neuerung in Excel 2010 sind die so genannten Sparklines, welche Microsoft schon im Sommer vorgestellt hatte, wie im obigen Video zu sehen ist: Grafiken lassen sich direkt in eine Zelle einfügen. So kann man beispielsweise den Umsatz eines längeren Zeitraums übersichtlich aufbereiten. Im Test klappte das intuitiv und sorgte für deutlich erhöhte Übersichtlichkeit.

Fazit

Office 2010 hat im Vergleich zur Version von 2007 zahlreiche Verbesserungen aufzuweisen. Dazu zählen die Tools zur Bearbeitung von Bildern und Videos, aber auch kleine Neuerungen wie die Möglichkeit, Dokumente endlich direkt als PDF-Datei speichern zu können sowie die Suchfunktion. Gut funktioniert auch die Integration der seit Windows 7 verfügbaren Jump Lists, so dass man einfache Aufgaben direkt ausführen kann, wenn man mit dem Mauszeiger über das Programm-Icon in der Taskleiste fährt. Was die Performance angeht, konnten wir auf unserem Test-System hingegen keine Fortschritte im Vergleich zu Office 2007 feststellen.


Update 19.11.: Mittlerweile bietet Microsoft seine Testversion allen Interessenten nach ihrer Registrierung zum Download an.