Viele Gründe

27. Juli 2016 23:35; Akt: 27.07.2016 23:35 Print

Darum sind Sie in Ihr Handy verliebt

von J. Panknin - Ein Foto des eigenen Smartphones löst im Hirn dieselbe Reaktion aus wie ein Bild des Partners. Ein Experte erklärt die Gefühle zu Geräten.

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Das Handy nicht sofort finden zu können, löst bei vielen Nutzern eine Art Panikattacke aus. Und ist es tatsächlich mal verloren gegangen, schmerzt das ähnlich schlimm wie ein ordentlicher Liebeskummer. Aber was hat es mit diesen Emotionen auf sich? Der Computerwissenschaftler Frank Steinicke von der Universität Hamburg erforscht die Interaktion zwischen Mensch und Maschine. Dass der Mensch eine emotionale Bindung zu seinem Handy aufbaue, könne mehrere Gründe haben, sagt er. Einerseits interagiere man ständig mit dem Gerät und spreche sogar damit: «Siri ist das klassische Beispiel. Ich spreche mit dem Computer und nehme ihn so als echten Kommunikationspartner wahr.» Der Sprachassistent gaukelt uns quasi vor, wir hätten es mit einem Lebewesen zu tun. Andererseits könnten auch Design und verwendete Materialien Einfluss darauf haben, wie sehr sich der Nutzer mit dem Gerät verbunden fühle. Zum Beispiel können weiche Kanten und Oberflächen sanfter und damit liebevoller wirken. (Im Bild: Samsung Galaxy S7 Edge) Dazu kommt: Das Smartphone ist heute sowohl der Draht zu unseren Freunden und unserer Familie als auch Sammelplatz für Fotos und Dokumente, die mit Emotionen verbunden sind. Man assoziiere das Gerät deshalb mit etwas Positivem. «Auf ein Foto des eigenen Smartphones reagiert das Hirn in den ersten Millisekunden ähnlich wie wenn man ein Bild des eigenen Ehepartners sieht», sagt Steinicke. Diese Reaktion geschehe im sogenannten Mandelkern (im Bild rot), einem Hirnareal, das blitzschnell eine positive, neutrale oder negative Einordnung vornehme. Trotzdem gibt der Computerwissenschaftler Entwarnung: «Man muss sich keine Sorgen machen, dass man das Handy irgendwann mehr lieben wird als den Partner.» Es könne aber vorkommen, dass sich vereinzelt Personen zu Robotern oder Maschinen hingezogen fühlten.

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Forscher der Universität Hamburg erklären sich dieses Phänomen mit einem sozialen Bedürfnis: «Ein Gerät einer bestimmten Firma kann eine Gruppenzugehörigkeit symbolisieren. Besitze ich dieses oder strebe den Besitz an, gibt mir das das Gefühl, Teil einer Gemeinschaft zu sein. Selbst wenn man sich nicht kennt, kann man sich gemeinsam auf die neue Technologie freuen», sagt der Computerwissenschaftler Frank Steinicke von der Universität Hamburg.

Smartphone wirkt lebendig

Gleichzeitig würden heute viele eine Art emotionale Bindung zu ihren Smartphones aufbauen. Schliesslich interagiere man ständig mit dem Gerät und spreche sogar damit: «Siri ist das klassische Beispiel. Ich spreche mit dem Computer und nehme ihn so als echten Kommunikationspartner wahr.» Der Sprachassistent gaukelt uns quasi vor, wir hätten es mit einem Lebewesen zu tun.

Das Design und die verwendeten Materialien könnten ebenfalls einen Einfluss darauf haben, wie sehr sich der Nutzer mit dem Gerät verbunden fühlt. Zum Beispiel können weiche Kanten und Oberflächen sanfter und damit liebevoller wirken. «Der haptische Sinn spielt mit Sicherheit, genau wie der auditive und der visuelle, eine starke Rolle», so Steinicke. «Wie bewusst die Hersteller dies beachten, kann ich leider nicht beantworten, weil das nicht mein Forschungsgebiet ist.»

Sammelplatz für Emotionen

Dazu kommt: Das Smartphone ist heute sowohl der Draht zu unseren Freunden und unserer Familie als auch Sammelplatz für Fotos und Dokumente, die mit Emotionen verbunden sind. Man assoziiere das Gerät deshalb mit etwas Positivem, so der Experte.

«Auf ein Foto des eigenen Smartphones reagiert das Hirn in den ersten Millisekunden ähnlich wie wenn man ein Bild des eigenen Ehepartners sieht», sagt Steinicke. Diese Reaktion geschehe im sogenannten Mandelkern, einem Hirnareal, das evolutionär sehr wichtig sei. «Dieser Teil ist dazu da, schnell zu erkennen, ob eine Gefahr droht. Ein Feuer wird beispielsweise blitzschnell mit etwas Negativem assoziiert. Der Partner oder eben das Handy hingegen sind für gewöhnlich ungefährlich und werden deshalb positiv bewertet.»

«Ich werde mein Handy nicht mehr lieben als meine Ehefrau»

Trotzdem gibt der Computerwissenschaftler Entwarnung: «Man muss sich keine Sorgen machen, dass man das Handy irgendwann mehr lieben wird als den Partner.» Es könne aber vorkommen, dass sich vereinzelt Personen zu Robotern oder Maschinen hingezogen fühlten. «Das ist dann aber eher dadurch bedingt, dass diese Personen ohnehin irgendwelche Krankheiten oder sozialen Phobien in der realen Welt haben und deswegen in mediale Welten fliehen.»

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Mina am 27.07.2016 23:57 Report Diesen Beitrag melden

    Portable Husband

    Ich habe meinen Ehemann betrogen, mit meinem Handy. Es ist sogar anatomisch geformt und passt überall rein.

  • Dino Schön am 27.07.2016 23:59 Report Diesen Beitrag melden

    Grund der Liebe

    Natürlich liebe ich mein Handy! Es wärmt mich und ist immer nackt! ;-)

  • Dangschön am 27.07.2016 23:49 Report Diesen Beitrag melden

    Top Beitrag!

    Ja ich strebe auch dieses Gerät an!

Die neusten Leser-Kommentare

  • Boris am 28.07.2016 21:47 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Frage

    Was ich nie verstehen werde sind Menschen, die das Gerät im Bett noch verwenden. Aber wenn das letzte was man vom Tag sieht der Bildschirm eines Gerätes ist - um eigentlich noch was zu tun damit?? - und das erste was man vom neuen Tag sieht auch das Gerät ist - um eigentlich was zu tun vor der Dusche und dem ersten Kaffee?? - dann kapiere ich das echt nicht mehr. Auch nach vielen Diskussionen mit solchen Menschen kam ich nicht hinter das Geheimnis, warum man das tun sollte. Die Welt läuft schon nicht weg, wenn man zumindest im Bett offline ist... Kann mir das jemand mal erklären?

  • Toni D am 28.07.2016 09:27 Report Diesen Beitrag melden

    der Grund

    weshalb gewisse Leute 2 Handys haben. Eins steckt man sich in die Hose (mit Vibrationsalarm) und mit dem Anderen ruft man darauf an. Und im Gegensatz zu meiner Frau kann man das Gerät auf stumm schalten ;)

  • RT am 28.07.2016 07:04 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Je weniger Leben um so mehr Handy

    Je weniger schönes gutes Leben je weniger Ego desto wichtiger das Handy arme Menschen die Welt ist so schön man muss es nur sehen eh......... Ich will doch nichts sehen ich hab doch das Handy.........

  • Zeit_Genosse am 28.07.2016 05:57 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Epigenetisches Organ (Gerät)

    Diese technischen Geräte (Partner) werden mehr gestreichelt als die menschlichen Partner und erhalten mehr Aufmerksamkeit und zeitliche Aufwendung. Viele können sich ein Leben ohne kaum mehr vorstellen und ein Verlust oder Defekt schmerzt. Da darf man von Liebe (zu Dingen) sprechen, die uns ähnliche Gefühle beschert. Man hat bei PC herausgefunden, dass sich das menschliche Hirn mehr an das Gerät anpasst als umgekehrt (Neuroplastizität). Bei Handys muss dieser Effekt massiv höher bewertet werden. Zudem wird das Händy zum erweiterten Kommunikationsorgan, das "Phantomschmerzen" erzeugen kann.

  • Sven E. am 28.07.2016 05:38 Report Diesen Beitrag melden

    An dem Tag an dem mein Telefon

    dieselben Gefuehle in mir weckt wie meine Partnerin, spring ich bei mir im 38. Stock vom Balkon.

    • Frank am 28.07.2016 08:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Sven E.

      richtiger Ansatz. Nur am umsetzen sollte gefeilt werden. Nicht du solltest dann springen, sondern dein Handy...

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